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Der Landwirt der Zukunft arbeitet im Hochhaus!

veröffentlicht am 10.04.2011
Wie die Stadt der Zukunft neue Märkte schafft - ein Probeartikel aus dem aktuellen Trendletter

Landwirtschaft im Jahr 2020: Pilzfarm GmbH steht auf dem Firmenschild. Die Büros der Geschäftsführung sind im Erdgeschoss des Hochhauses - und in den Stockwerken 1 bis 15 werden Pilze gezüchtet. Unbeheizte, feuchte Plattenbau-Wohnungen erweisen sich als ideale Umgebung, um Austernpilze und Champignons zu züchten. Die Redaktion des Trendletters hat für Sie die Markt-Chancen in der Stadt der Zukunft zusammengestellt.

Was nach einer Science-Fiction-Geschichte klingt, ist ein Geschäftsmodell für die neue Ökonomie der schrumpfenden Städte. Christian Lagé, Kommunikationsdesigner aus Berlin, entdeckte vor 2 Jahren, dass Pilze in leer stehenden Plattenbauten gut wachsen - und machte eine Geschäftsidee daraus.

Das Beispiel zeigt: Wo Städte schrumpfen, entsteht künftig Raum für neue Ideen und Geschäfte. Der typische Fall: Duisburg verlor 100.000 Einwohner in der Zeit von 1975 bis heute, der Abbau wird sich fortsetzen. Eine ähnliche Zukunft haben auch andere Städte.

Die daraus folgenden Markt-Veränderungen geben Raum für Unternehmer-Ideen. Weiteres Beispiel: Viele Linien im öffentlichen Nahverkehr werden sich nicht mehr lohnen, wenn Stadtviertel weiter Einwohner verlieren. Der Unternehmer Bert Neckermann macht daraus sein Geschäft: Er wird ab 2006 so genannte Flat-Rate-Taxis anbieten. Konzept: Nutzer zahlen eine Monatsgebühr von 48 Euro, für beliebig viele Taxifahrten. Taxmobil, so der Name des neuen Anbieters, organisiert den Transport von Tür zu Tür. Auf nachgefragten Routen sollen mehrere Fahrgäste im Taxi sitzen - und wenn es zur Strecke passt, sollen Teile des Weges auch in öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden.

Auch das Re-Design von Städten kann sich zu einem neuen Geschäft entwickeln. Manche Kommune muss sich aus der Fläche zurückziehen - weil es nicht lohnt, Wasser-, Abwasser- und Gasleitungen sowie Straßen in Gebieten zu unterhalten, in denen kaum jemand wohnt. Deshalb sind Stadtplaner, Ingenieurbüros und Architekten gefordert, Rückbau-Konzepte zu entwickeln. Das Standard-Modell wird so aussehen: Die  Trabantenstädte sterben, die Innenstädte werden verdichtet und revitalisiert.

Denn Fälle wie Leipzig Grünau oder Halle Neustadt haben gezeigt, dass die Wiederbelebung der Hochhaussiedlungen vergebens ist. Die Abstimmung mit dem Möbelwagen weist nach: Die Menschen verlassen die öden 70er-Jahre-Vorstädte und ziehen in die Kerngebiete zurück. Dienstleister werden sich dieses Themas annehmen.

Weitere mögliche Zukunftsmärkte: Shuttle-Dienste, die Schüler transportieren, die in ihrem Stadtteil keine Schule mehr haben, weil sie aus Kostengründen stillgelegt wurde. Bringdienste und mobile Services werden die Versorgung dort sicherstellen, wo a) ein hoher Anteil alter Menschen lebt und b) sich stationäre Dienste nicht mehr lohnen.
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„Die Lektüre des Trendletters lohnt sich, die Inhalte sind überraschend und anregend. Mir gefällt sein Anspruch, Orientierungshilfen auf dem Weg in die Zukunft geben zu wollen.“

Friedrich Bräuninger, Editor Network Medien GmbH, München
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