Wie die Stadt der Zukunft neue Märkte schafft - ein
Probeartikel aus dem aktuellen Trendletter
Landwirtschaft im Jahr 2020: Pilzfarm GmbH steht auf dem
Firmenschild. Die Büros der Geschäftsführung
sind im Erdgeschoss des Hochhauses - und in den Stockwerken
1 bis 15 werden Pilze gezüchtet. Unbeheizte, feuchte
Plattenbau-Wohnungen erweisen sich als ideale Umgebung, um
Austernpilze und Champignons zu züchten. Die Redaktion
des
Trendletters hat für Sie die
Markt-Chancen in der Stadt der Zukunft zusammengestellt.
Was nach einer Science-Fiction-Geschichte klingt, ist
ein Geschäftsmodell für die neue Ökonomie
der schrumpfenden Städte. Christian Lagé,
Kommunikationsdesigner aus Berlin, entdeckte vor 2 Jahren,
dass Pilze in leer stehenden Plattenbauten gut wachsen -
und machte eine Geschäftsidee daraus.
Das Beispiel zeigt: Wo Städte schrumpfen, entsteht
künftig Raum für neue Ideen und
Geschäfte. Der typische Fall: Duisburg verlor
100.000 Einwohner in der Zeit von 1975 bis heute, der Abbau
wird sich fortsetzen. Eine ähnliche Zukunft haben auch
andere Städte.
Die daraus folgenden Markt-Veränderungen geben Raum
für Unternehmer-Ideen. Weiteres Beispiel:
Viele
Linien im öffentlichen Nahverkehr werden sich nicht
mehr lohnen, wenn Stadtviertel weiter Einwohner
verlieren. Der Unternehmer Bert Neckermann macht daraus
sein Geschäft: Er wird ab 2006 so genannte
Flat-Rate-Taxis anbieten. Konzept: Nutzer zahlen eine
Monatsgebühr von 48 Euro, für beliebig viele
Taxifahrten. Taxmobil, so der Name des neuen Anbieters,
organisiert den Transport von Tür zu Tür. Auf
nachgefragten Routen sollen mehrere Fahrgäste im Taxi
sitzen - und wenn es zur Strecke passt, sollen Teile des
Weges auch in öffentlichen Verkehrsmitteln
zurückgelegt werden.
Auch das Re-Design von Städten kann sich zu einem
neuen Geschäft entwickeln. Manche Kommune
muss sich aus der Fläche zurückziehen -
weil es nicht lohnt, Wasser-, Abwasser- und Gasleitungen
sowie Straßen in Gebieten zu unterhalten, in denen
kaum jemand wohnt. Deshalb sind Stadtplaner,
Ingenieurbüros und Architekten gefordert,
Rückbau-Konzepte zu entwickeln. Das Standard-Modell
wird so aussehen: Die Trabantenstädte sterben,
die Innenstädte werden verdichtet und revitalisiert.
Denn Fälle wie
Leipzig Grünau oder
Halle Neustadt haben gezeigt, dass die
Wiederbelebung der Hochhaussiedlungen vergebens ist. Die
Abstimmung mit dem Möbelwagen weist nach: Die Menschen
verlassen die öden 70er-Jahre-Vorstädte und
ziehen in die Kerngebiete zurück. Dienstleister werden
sich dieses Themas annehmen.
Weitere mögliche Zukunftsmärkte:
Shuttle-Dienste, die Schüler transportieren, die in
ihrem Stadtteil keine Schule mehr haben, weil sie aus
Kostengründen stillgelegt wurde. Bringdienste und
mobile Services werden die Versorgung dort sicherstellen,
wo a) ein hoher Anteil alter Menschen lebt und b) sich
stationäre Dienste nicht mehr lohnen.