Selbermachen statt kaufen – so lautet die Mantra einer neuen Bewegung, die weltweit auf dem Vormarsch ist. Für ihre Mitglieder ist nichts so in wie stricken, löten und werkeln. Zentralorgan der so genannten Alternative-Craft-Bewegung, die eben nicht nur konsumieren, sondern auch selbst Dinge produzieren will, ist das Magazin „Make“. Darin finden sich Themen wie: Roboterstaubsauger zur Alarmanlage aufmotzen; eine Skirampe in der Garage bauen; Sodaflaschen zu Raketen umfunktionieren. Parallel dazu bietet "Make" im Netz kostenlose Videos an, die jeden Arbeitsschritt genau zeigen.
Die Szene wächst: Zu einem vom „Make“ organisierten Treffen namens Maker Fair in der Nähe von San Francisco kamen unlängst 65.000 Menschen.
Do-it-yourself ist an sich nicht neu, doch die neuen Selbermacher unterscheiden sich stark von ähnlichen Bewegungen früherer Tage:
Do-it-Yourself und Design schließen sich nicht mehr aus. Strickliesel-Charme ist passé; wenn es bei „Make“ Häkelanleitungen gibt, dann höchstens für Socken mit Computerspielfiguren darauf. Die Szene ist stark von Internetprofis und Designern durchsetzt – Konsumenten, die eine ansprechende oder ironische Gestaltung erwarten.
Es gibt einen globalen Markt für Selbstgemachtes. Bastler und Kunsthandwerker können ihre Waren heute über Internetplattformen wie Etsy (USA) oder Dawanda (D) weltweit verkaufen. Es gibt in der Selbermach-Gemeinde zwar eine leichte antikapitalistische Strömung, die Mehrheit der Bastler aber hat keine Berührungsängste mit Kommerz. An die Stelle des alten Motivs Geld sparen ist bei viele Amateuren Geld verdienen getreten.
Friedrich Bräuninger, Editor Network Medien GmbH, München, editornetwork.de
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