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Wireless Driving: Mobile Telekommunikation verändert die persönliche Mobilität

veröffentlicht am 01.02.2012
In den vergangenen Jahrzehnten gehörten Erwachsenwerden und Autofahren untrennbar zusammen. Mehrere gesellschaftliche Entwicklungen sprengen diese Einheit nun: Immer mehr Menschen leben in der Stadt mit ihren gut ausgebauten öffentlichen Verkehrsnetzen.

Das Fahrrad wird in Zeiten eines wachsenden Ökologiebewusstseins zur ernstzunehmenden Alternative und zum neuen Sinnbild persönlicher Mobilität.
Und schließlich ersetzt der Austausch über die digitale Autobahn immer häufiger die Fahrten über die reale. Vor allem die gut vernetzten jungen Erwachsenen finden neue Wege, sich angeschlossen, nicht ausgeschlossen zu fühlen. Wer dagegen halten möchte, sollte die Grundsätze des Trends zum Wireless Driving beherzigen.

„Das Auto ist das Medium des 20. Jahrhunderts“, heißt es in der „Auto-Biografie“ (Orange Press 2010), einem kulturgeschichtlichen Blick auf den Pkw des Berliner Autors Matthias Penzel. In diesem Statement steckt die Erkenntnis, dass keine Erfindung das letzte Jahrhundert so stark prägte wie das Automobil – aber auch das Bewusstsein, dass diese Zeit ein für alle Mal vorbei sein könnte. Jugendliche und junge Erwachsene sind in Zukunft nur noch schwer für das Auto zu begeistern.

„Junge Menschen finden heute ein Smartphone als Statussymbol cooler als ein Auto, sie bewegen sich auf dem Daten- Highway statt auf der Autobahn“, gibt Autor Penzel in einem Interview mit dem „Spiegel“ (3/11) zu Protokoll. Doch nun steuern die Autohersteller dagegen. Sie integrieren das Wireless Networking in das Automobile Driving.

Sie statten die Fahrzeuge mit neuen Technik-Gadgets aus und ermöglichen die drahtlose Kommunikation – auch zur Kontrolle des eigenen Energieverbrauchs. Damit schaffen sie nicht nur ein neues Mobilitäts-Ideal, sondern sorgen auch für einen neuen Coolness-Faktor.
  • Für den neuen Polo GTI produzierte VW einen Internetfilm, der auf YouTube hochgeladen wurde. „Fast Lane – Driven by fun“ war dessen Motto, das die Internet-Gemeinde mit eigenen Filmen zum Thema „Fast Lane“ ergänzen sollte.
  • Bei Daimler durften Interessierte Vorschläge für ein neues Smart-Design machen. Zudem gibt es eine App, die das iPhone im Kleinwagen zur Multimedia-Zentrale macht. Mit dem Telefon lassen sich dann Routen planen oder Radiosender aus dem Internet hören.
  • Ganz ähnlich funktioniert die Einbindung des Smartphone in den Fahrspaß bei Ford. Sync heißt die Anwendung aus dem App Store, die das möglich macht.
  • In den Audi A8L lässt sich sogar ein Hochleistungsrechner einbauen: die Doppelkern-Prozessoren des Herstellers Nvidia. So ausgestattet, zeigt das Navi dann keine Karte mehr an, sondern projeziert die Anweisungen mittels Laser auf die Innenseite der Frontscheibe.
  • Bei Fiat wird derzeit ein neues Modell mit dem Namen „eco-drive“ getestet, das die Fahrkünste seiner Kunden im Alltag misst. Per USB-Stick lassen sich die Daten dann in ein Lernprogramm auf den Computer übertragen. So kann jeder Fiat-Fahrer zuhause ein Energiesparprofil erstellen.
  • Bei BMW versucht man mittels neuer Technologien nicht nur den Kontakt zu Käufern (über eigene Fansites im Internet), sondern darüber hinaus zu potenziellen Mitarbeitern herzustellen. Zu diesem Zweck installierte das Unternehmen eine „Karriereseite“. Dort erfahren BMWInteressierte alles über die Aufnahme- und Aufstiegschancen im Konzern und können sich durch Hunderte offener Stellen klicken. Wer nicht gleich fündig wird, wird aufgefordert, dem Unternehmen auf Twitter zu folgen, und bekommt dann Informationen sowie passende Jobangebote direkt auf sein Mobiltelefon geschickt.
Trendprognose: Alle diese Maßnahmen zur Vernetzung und Einbindung potenzieller Käufer zielen schwerpunktmäßig auf junge Fahrer bzw. Führerscheinneulinge.

Wer nämlich die Jugendlichen und Dauerjugendlichen für das Auto und den Führerschein begeistern möchte, muss seine Kommunikation an deren Nutzungsgewohnheiten anpassen. Sogar der Erwerb des Führerscheins gilt längst nicht mehr als der Initiationsritus vergangener Jahrzehnte.

Freiheit versprechen heute technologische Innovationen. Auch wenn das Auto das Fortbewegungsmittel Nummer 1 bleibt, werden sich die Autobauer in Zukunft einiges einfallen lassen müssen, damit es auch die Herzen der Menschen weiter bewegt.

Wireless Driving wird also die erste Trendentwicklung auf dem Weg hin zu einer neuen automobilen Fahrkultur werden.
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Dr. Matthias Leder, IHK Gießen Friedberg
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