von Axel Gloger
Spione im Betrieb? „Doch nicht bei uns“, mag mancher Unternehmer entgegnen. Falsch gedacht. Halten Sie bei der nächsten Betriebsbesichtigung durch Externe die Augen auf.
Hat einer der Besucher einen schwarzen Kugelschreiber in der Außentasche seiner Jacke? Das kann einer der neuen Kamera-Pens sein. Ein Betriebsspionage-Werkzeug par Excellence:
Er filmt alles, Maschinen, Lager, Pläne, neue Produkte, und zeichnet jedes Gespräch auf, vollkommen unauffällig. Das Mikrofon sieht keiner, das Auge der Kamera ist kleiner als ein Stecknadelkopf. Kapazität: 2 Gigabyte, 5 Stunden Film und Gespräch. Dieses kleine Gerätchen ist von jedermann für 59,90 Euro zu kaufen.
Dieser Stift ist nur ein Indiz für eine neue Art von Bedrohung: Immer kleinere Horchgeräte, zunehmender Wettbewerbsdruck und ungeschützte Computer im Betrieb machen praktisch jedes Unternehmen zum Angriffsziel.
Subtile Angriffsmethoden zeigen, was inzwischen möglich ist. Szenario: Ein Spion fährt vor ihrem Betrieb vor. Er lenkt sein Richtmikrofon auf das Fenster des Geschäftsführer-Büros. Während die Sekretärin den Auftrag des neuen Großkunden oder eine Patentschrift schreibt, zeichnet das Mikrofon alle Tastaturgeräusche auf. Daraus lässt sich mithilfe einer Spezialsoftware der Text rekonstruieren, der geschrieben wurde.
Die automatische Transkription ist zu 96 Prozent genau. Die Software wurde von Dr. Doug Tygar, Universität Berkeley, entwickelt.
So vermeiden Sie die typischen Fallen, mit denen Spione immer wieder unbemerkt das Wissen von Firmen ausplündern:
> Werfen Sie USB-Sticks, die Sie auf der Messe geschenkt bekommen haben, sofort weg. Auf keinen Fall benutzen. Oft enthalten die Sticks Schad- und Spionagesoftware, die sofort bei der ersten Benutzung in Aktion tritt.
> Vermeiden Sie IP-Telefonie (Telefon über das Internet). Ist Ihr Telefon erst an das Netz angeschlossen, können Spione unbemerkt den Freisprecher einschalten, so hören sie alles, was bei Ihnen in der Firma gesprochen wird. Zahlen Sie lieber etwas mehr für die bewährte Festnetz-Telefonie.
> Lassen Sie Ihre PCs auf Virenschutz prüfen. Auf jedem 4. Gerät ist der Schutz inaktiv oder funktioniert nicht, es ist offen für jede Art von Cyber-Angriff.
> Oft sind gefälschte Versionen des Virenschutzes installiert, sie dienen Cyberangreifern dazu, alle gewünschten Daten abzuschöpfen.
> Auch Telefone und Maschinen haben inzwischen Internet-Anschlüsse. Ändern Sie sofort nach dem Kauf den werksseitig eingestellten Zugangscode. Nur so können Sie sich vor den Zugriffen Dritter schützen.
> Lassen Sie regelmäßig Ihre Aktenvernichter prüfen. Spione installieren vor dem Reißwolf einen Scanner, der jede Seite kopiert und als Mail per Funknetz zu ausländischen Konkurrenten weiterleitet.
> Seien Sie vorsichtig bei Cloud-Computing. Wenn Sie Rechner im Netz für Ihre IT-Aufgaben nutzen, steigt das Abschöpfungsrisiko.