Finanzierung – für Nicht-Konzerne gelten andere Regeln

von Axel Gloger

Vorsicht, Unternehmer, Rammen Sie sich nicht selbst den Dolch in die Brust – durch unvorsichtige Finanzierung etwa. Mancher Extere wird auf Ihre stillen Reserven schielen. Kommt ein Unternehmensberater, sagt: “Sie haben stille Reserven in der Bilanz. Die können wir heben und zu Geld machen.” Das ist ein gut gemeinter Ratschlag. Carl von der Goltz ist einer der Promotoren. Sein Geschäft ist das sogenannte Sale-and-Lease-back, seine Firma Maturus Finance betreibt dieses Thema als Kernkompetenz. “Neue Chancen für mittelständische Unternehmen”, ruft seine Homepage dem interessierten Leser zu.

Aber seit Berthold Brecht wissen wir: Gut gemeint ist das Gegenteil von gut. Prüfen Sie genau, wenn ein Vorschlag dieses Typs auf Sie zu marschiert. Was passieren kann, zeigt der Fall Arcandor. Obermann Thomas Middelhoff hatte die Immobilien im März 2009 an einen Investor verkauft. Karstadt war fortan Mieter in den ehemals firmeneigenen Kaufhäusern. Der Verkauf brachte, nach Abzug der Schulden, die auf den Warenhäusern lasteten, 800 Mio. Euro in die Firmenkasse. Das ist schon etwas, besonders in cash-klammen Zeiten.

Aber: die Mieten! Fortan muss Karstadt nicht unerhebliche Mieten bezahlen. Bargeld, das aus dem Konzern abfließt in Richung Vermieter. In Boom-Zeiten ist das kein Problem. Wenn der Umsatz wächst, wird das Gewicht der Miete immer geringer. Aber derzeit passiert das Gegenteil. “Rezession schwächt Konsum”, so lautet das Mantra im Handel. Nach und nach wurde die relative Last der Mieten immer drückender.

Wir sehen: Thomas Middelhoff hat dem alten Dampfer Karstadt mit dem Verkauf der Kaufhäuser einen Bärendienst erwiesen. Der Effekt der zusätzlichen 800 Mio. in der Kasse ist längst verpufft, geblieben sind: richtig, die Mieten, die Monat für Monat gezahlt werden müssen.

Für Inhaber- und Familienunternehmen sollte deshalb gelten: Finger weg von solchen Deals. Für Sie zählt die Wahrung der unternehmerischen Unabhängigkeit mehr als ein Plus in der Kasse. Wenn die Immobilien in Ihrer Hand bleiben, kann Ihnen keiner reinreden, Sie sind von keinem Vermieter abhängig, sie müssen nicht fürchten, dass einmal vereinbarte Mieten kalt erhöht werden. Lassen Sie sich nicht vorschnell auf das Glatteis des Verkaufen-Zurückmieten-Modells führen. Das bringt oft der Gegenseite (Vermieter) mehr, als Sie je wieder einspielen können. Sollen Ihre Kinder auch noch für die Fehlentscheidungen zahlen müssen?

Eine stille Reserve kann zwar aus der Sicht der immer an die Großkonzerne denkenden BWL suboptimal sein. Aber für ein Inhaber- und Familienunternehmen ist sie dennoch der richtige Weg. Sie garantiert, dass Sie Ihren Weg gehen können.

Anders mag das nur sein, wenn Sie Assets verkaufen und zurückmieten, die nicht zu ihrem Kerngeschäft gehören. Hier kann es sinnvoll sein, zusätzliche Geldmittel aus der Bilanz zur freien Verfügung zu heben. Diese sollten dann bitte aber auch am richtigen Ort investiert werden – nämlich in den weiteren Ausbau Ihres Wettbewerbsvorteils. Ansonsten gilt: Wenn Ihnen Banken oder Berater schöne Augen machen – prüfen Sie den Vorschlag genau. Hüten Sie sich vor zusätzlichen finanziellen Lasten, die Ihren laufenden freien Cashflow angreifen. In der Rezession ist das eine wichtige Überlebensregel!

Tags: , , , , , ,

Eine Antwort hinterlassen

Security Code: