Von Axel Gloger
4 Prozent mehr Umsatz in einem Quartal, das ist doch was – zumal, wenn die gesamte Branche leidet und schrumpft. Diese Positiv-Nachricht lohnt einen genaueren Blick auf das Unternehmen:
Anya Hindmarch (40) betreibt eine Kette von 53 Luxus-Läden in aller Welt. Zum Sortiment gehören unter anderem Taschen, Schuhe und Accessoires. Alle Artikel kosten reichlich dreistellige Preise. Die Designs stammen aus dem Unternehmen.
Die Unternehmerin, die seit 22 Jahren im Geschäft ist, wollte sich und ihre Mitarbeiter nicht irre machen lassen durch die Krise.
Deshalb dachte sie sich ein Spaß-Programm aus, um die Kultur mit positiver Stimmung zu infzieren, die sogenannte Fun-and-Games-Strategy.
Beispiel: Der Bärte-Wettbewerb. Wenn Sie heute in Hindmarchs Unternehmenszentrale kommen, werden sie Männer sehen, derern Bart gerade wächst, die sich den Bart gerade rasieren oder die einen besonders auffälligen Bart tragen. Die Inhaberin hat Preise für den ungewöhnlichsten Bart ausgelobt. Alle männlichen Mitarbeiter des Mode-Unternehmens beteiligen sich und haben sichtlich Spaß an der Sache. “Das Lachen in den Alltag zurück bringen”, so lautet die Motivation der Unternehmerin für ihre ungewöhnliche Aktion.
Bärte-Wettbewerb? Albern! So mögen Sie jetzt denken. Aber der Erfolg ist auf der Seite von Frau Hindmarch.
Mit diesen und anderen Aktionen, die bewusst auf der Spiele-und-Nonsens-Ebene angesiedelt sind, hat sie die Stimmung in ihrem Betrieb gedreht. Das erste Quartal 2009 war eines der besten, das sie je gehabt hat, weil ihre Mitarbeiter freudig motiviert sind und das auf Kollegen, Kunden, Umfeld ausstrahlen.
In der Rezession besonders wichtig: Damit ist die Denkweise die Mitarbeiter gegen das Unternehmen und beide gegen die Kunden aufgehoben. “Am Ende sitzen wir alle im selben Boot und sind Verbündete”, so lautet der Denkansatz in der Firma von Hindmarch.
Eine andere Kleinigkeit:
Die Unternehmerin legte einen 50-Pfund-Schein auf den Fotokopierer und machte 42 Kopien. Diese verteilte sie persönlich an alle Mitarbeiter in der Zentrale. “Der Originalschein ist ihrer, wenn sie einen Weg finden, mindestens 500 Pfund einzusparen.” In kurzer Zeit kamen so Einsparungen von 25.000 Pfund zustande – ohne einen einzigen Penny für teure Berater ausgegeben zu haben.
Auch die Kunden lassen sich mit einfachen Aktionen zuversichtlich stimmen, was ihre Kauffreude und Wiederkaufbereitschaft deutlich steigert.
Das hat die Inhaberin getan: Sie ging Allianzen mit anderen lokalen Marken ein. So eröffneten benachbarte Blumenhändler einen temporären Blumenstand in ihren Läden. Eine Eisdiele schuf für eine Woche eine Eisbar. Ein Kosmetik-Salon bot einen schnellen After-Work-Makeup-Service im Laden an.
Kosten dieser Aktion für die Unternehmerin: null. Sie stellte die Flächen für Dritte zur Verfügung, berechnete diesen dafür nichts, profitierte aber von den Zusatz-Umsätzen, die die wechselnden Aktionen ihrem Sortiment brachten. Ein kleines Mädchen kam mit seiner Mutter zum Eisessen in den Laden. “Beim nächsten Mal, wenn wir wiederkommen, kaufen wir aber ein Eis und eine Tasche”, sagte das Mädchen. Ein schöner Erfolg!
Zusammengefasst: Was hat die Londoner Unternehmerin gemacht? Sie inszeniert. Inszenierung ist offenbar der Schlüssel zum Erfolg in zur Depression neigenden Zeiten. Der erfolgreiche Unternehmer schafft eine Bühne, auf der ein Stück mit positiven Gefühlen und persönlichen Berührungen gespielt wird. Mitarbeiter, Unternehmer und Kunden machen das gemeinsam.
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Tags: Krisenratgeber, Krisenstrategie, London, Unternehmerin


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