Wenn der Markt anzieht: Führungsjobs schnell besetzten

von Axel Gloger

Sie kennen das. Es gibt ein Projekt mehr, als Sie Führungsleute dafür haben. Ein bewährter Mann fällt kurzfristig aus. Sie bekommen eine Chance, etwa eine Akquisition, haben aber keinen, der das führt. Eine normale Situation, wie uns Hermann Simon erklärt: Gute Unternehmen haben immer mehr Aufgaben als Köpfe. Das ist gut für die Motivation, weil es immer genug spannende Jobs gibt.

Aber was tun, wenn Sie wirklich einen Führungsmann/eine Führungsfrau mehr brauchen, als Sie haben. Stellenanzeige schalten? Dagegen spechen der hohe Zeitverbrauch, der hohe Energieverbrauch – und das Flop-Risiko. Unter drei Monaten geht hier nichts, auch wenn es schnell geht. Oder Sie bekommen eine Lusche, die sofort anfangen kann, aber C-Liga ist. Scheidet also bei kurzfristigem Bedarf aus.

Zum Headhunter gehen? Eine gute Idee für Unternehmer, die Zeit haben. Die Personalberater mühen sich ja, den Prozess zu beschleunigen. Aber Kandidaten aussuchen, qualifizieren, ansprechen, Ihnen vorstellen, Verhandlungen führen und vor allem: Kündigungsfristen abwarten, das dauert. Auch hier sollten Sie 3 bis 6 Monate veranschlagen. Manche Suchen dauern noch länger, wie man aus der Branche hört.

Haben Sie schon einmal an Interim-Manager (IM) gedacht? Diese Macher auf Zeit erfreuen sich in einer Nische großer Beliebtheit. Ihr Geschäft wächst mit 10 bis 20 Prozent im Jahr. Das zeigt, das einige schlaue Kunden erkannt haben: Mit denen kann man es machen.

Aber wie finden Sie einen IM? Schlechte Wahl: den nehmen, den Sie kennen. Bessere Wahl: Lassen Sie sich beraten, gehen Sie zu einem Vermittler, der auf 1.000 oder 2.000 IMs zugreifen kann. Der wird in der Lage sein, Ihnen a) den für Ihren Bedarf richtigen zu empfehlen und b) einen zu finden, der sofort kann. Konkret heißt das: In 2 Wochen ist die Stelle besetzt.

Freilich sollten Sie es sich nicht zu leicht machen. Zwingen Sie sich und den Vermittler, eine genaue Beschreibung der nötigen Kompetenzen zu erarbeiten und auch die Ziele zu formulieren, die mit diesem Einsatz verbunden sind. Die Erfahrung lehrt: Je besser das Briefing, desto erfolgreicher die Umsetzung. Das gilt auch beim IM-Einsatz. Wer hier am Anfang schlampft, wird Chaos ernten. Dann wird der IM-Einsatz so richtig teuer.

A propos teuer. Was kosten IMs? Für einfache Aufgaben mit geringem Führungsanteil, also im Grunde gehobene Zeitarbeit, sollten Sie 700 bis 1.000 Euro am Tag rechnen. Für Führunsgaufgaben fängt die Skala bei 1.300 Euro an, wenn Sie in die Nähe der Geschäftsführungs-Jobs kommen, geht es auch an die 2.000-Euro-Schwelle und darüber.

Für einen funktionierenden IM ist das gut angelegtes Geld. Die Profis in der Branche sind schnell wirksam (schneller als ein Angestellter), weil sie wissen, dass sie genau hieran gemessen werden. Sie bringen überdies das nötige Maß an Nicht-Betriebsbildheit mit, um Veränderungen schnell auf die Straße zu bringen, auch solche, bei denen Ihre eigenen Leute bislang versagt haben.

Lassen Sie sich aber keine B-Leute andrehen. Ein Personaler, der von seinem Konzern freigesetzt wurde und der jetzt auf IM macht, ist keine gute Wahl, insbesondere wenn Sie sein erster Kunde sein sollen. Das geht schief. Lassen Sie den Mann woanders lernen. Überdies sollten Sie mit dem Kandidaten auf jeden Fall sprechen. IM-Aufträge vergibt man nicht aufgrund des Lebenslaufs.

Zudem sollten Sie mit der Mentalität dieser Berufsgruppe klar kommen. Die meisten sind nicht als Unterling programmiert, die sich hinsetzen und bei einem hohen Grad von Kontrolle Ihre Befehle abarbeiten. Die Interim-Manager lieben ihre persönliche Freiheit, wollen einen Einsatz mit Gestaltungsspielräumen und träumen nicht davon, bei Ihnen Angestellter zu werden. Sie sind Söldner. 7 bis 12 Monate setzen Sie sich voll für Ihren Betrieb ein, dann kommt der nächste Kunde. Das ist die DNA der Interim-Manager, aber das ist auch der Nutzen für Sie, weil Sie von den vielfältigen Erfahrungen und der Realisierungskraft profiterien.

Credits: Anlässlich der Vorstellung einer Lünendonk-Studie zum Markt für Interim-Management hatte ich wieder einmal Gelegenheit, in die Besonderheiten dieses Marktes einzutauchen. Ich danke Hartmut Lüerßen von Lünendonk, dass er mit Gelegenheit gab, das Material auszuwerten. Holger Dahl von Amadeus Fire, Rainer Nagel von Atreus und Harald Heil von Greenwell Gleeson, alle drei langjährig erfahren im Vermittlungsgeschäft tätig, haben mich mit wichitgen Informationen über die Begebenheiten des Marktes versorgt. Ihnen allen gilt mein Dank.

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4 Antworten zu “Wenn der Markt anzieht: Führungsjobs schnell besetzten”

  1. Knapp sagt:

    Guten Tag,
    das was Sie da schreiben ist nicht neues und ein alter Hut. Ich hoffe daas das nicht die ganze Essenz war die Sie aus der Lünendonk-Studie gezogen haben.

    Ich hatte mir erhofft das ich nun DIE Top 10 Vermittlungs Adressen und Qualitätskriterien(zertifizierungen) nach Branchen sortiert genannt bekomme (es gibt hunderte von Headhuntern und Interimsbörsen).

    Möchten Sie das noch nachreichen ?

    Mit freundlichen Grüßen
    Thomas Knapp

  2. DNA-Telomer1 sagt:

    Gut und prägnant geschrieben und gute inputs der 3 provider. Sichtweise damit aber leider zu providerlastig. Es gibt mehr sehr gut Einzelkämpfer als sehr gute Interim Provider. Also besser mal “googeln” und nach “Interimsmanagement” ausschau halten. Damit spart sich der Auftraggeber auch zwischen 30-35% der genannten Honorare.

  3. Axel Gloger sagt:

    Die Anmerkung von Herrn Knapp halte ich für sehr berechtigt. Bevor ich mich auf das Thema stürze: Hat jemand von den Lesern Erfahrung – wie erkenne ich den guten Provider? Was unterscheidet den guten Provider von einem schlechten? Bitte als Kommentar hier hinterlassen. Danke, Axel Gloger

  4. This is an interesting article. Thanks for sharing.

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