von Axel Gloger
Gar nicht lange her. Ein Vize-Vorstand der Telekom Austria, Gernot Sieszler, sitzt in einer Analysten-Konferenz. Er trägt vor, was sein Konzern alles tun will, um die Kosten runter zu bringen. Thema Personalkosten: Im Detail legt er dar, wie überzählige Mitarbeiter mit System rausgemobbt werden sollen. Pech nur, dass diese Vorstellung jemand gefilmt hat. Das Video gelangte per Youtube ins Internet. Das Debakel war perfekt.
Denn: Für die Firma war das der Image-GAU. Natürlich hatte auch die Telekom Austria die üblichen Werte-Sprüche: “Mitarbeiter sind unser wichtigstes Kapital.” “Für einen international tätigen Dienstleister sind Mitarbeiter die wichtigsten Wertträger” und andere Aussagen. Fast alle Unternehmen haben das, sie klingen immer ähnlich.
Nur: Wie wird bei der Telekom Austria geführt, wenn überzähliche Mitarbeiter wie eine leere Drockerpatrone entsorgt werden? Offenbar gilt in diesem Fall: Verbrauchtes Sachkapital wird entsorgt, verbrauchtes Humankapital auch. Der Vize-CFO hat diese Wahrheit ausgesprochen. Damit hat sein Unternehmen einen Kontinent verbrannter Erde produziert. Er hat die Mitarbeiter beschämt, ihre Ehre beschädigt, A-Bewerbern vom Arbeitsmarkt, die etwas auf sich halten, klar gemacht: Die Telekom Austria ist keine gute Adresse zum arbeiten.
Die Kosten dieses Fauxpas trägt – das Unternehmen! Die Irritation kostet das Unternehmen Arbeitsleistung, das vertrauensvolle Klima ist beschädigt, vom Arbeitsmarkt finden nur noch B- und C-Leute zur Telekom Austria. Soweit die möglichen Folgen.
Diese Entwicklung ist ein Indiz für einen Mangel. Übersetzt in der große Bild, wäre er so zu beschreiben: Unternehmen tun viel für ihre Produktmarke, aber zu wenig für ihre Leadership-Marke. Es gibt, außer der üblichen Werte- und Führungs-Rhetorik, keine Standards, die festlegen: So wird bei uns geführt und nicht anders.
In Zeiten wieder auflebeneden Talentmangels aber brauchen wir in Zukunft gerade das: die Leadership-Marke, die wie ein Leuchtturm die für jeden verbindlichen Standards für Zusammenarbeit und Führung abstrahlt. Hell, klar, für alle verbindlich und wegweisend. Damit solche GAUs wie der eben erwähnte nicht passieren – aber auch, damit Arbeitnehmer eine bessere Einbettung in die Unternehmenskultur bekommen und das Leistungsversprechen des Unternehmens besser mit der Führung verknüpft werden kann.
Leadership-Marke – noch nie gehört? So ging es mir auch, als ich vor einiger Zeit zum ersten Mal mit dem Thema zu tun hatte. Aber nachdem sich der Trendletter eingehender mit den Hintergründen dieses neuen Themas befasst hat, ist aus meiner Sicht klar: Die Einfassung von Leadership in eine Marke wird uns in den nächsten Jahren begleiten. Unternehmen, die diesen Ansatz aufgreifen und umsetzen, werden einen Wettbewerbsvorsprung erlangen.
Wie können Sie von diesem Thema profitieren? Einer der Pioniere ist Christina Grubendorfer. Mit ihrer Leadership Equity Asssociation LEA hat sie neues Terrain betreten. Sie hilft Unternehmen bei der Umsetzung von Programmen, die Leadership-Marken bilden werden. Ich habe Frau Grubendorfer eingeladen, Ihr Praxis-Wissen für Unternehmer zugänglich zu machen. Auf der 8. Trendletter-Zukunftskonferenz wird sie ihr Thema mit Umsetzungshinweisen vorstellen. Sie sind herzlich eingeladen.
Agenda: Die 8. Trendletter-Zukunftskonferenz widmet sich dem Thema “Projekt Neustart” und wendet sich an Unternehmer 1. und 2. Führungsebene. Termin: 17. November 2009, 1330 bis 1900 Uhr in Köln. Teilnahmegebühr: 395 Euro, für Abonnenten des Trendletter ist die Teilnahme an der Konferenz im Bezugspreis des Abonnements enthalten.
Tags: Grubendorfer, Leadership, Leadership Branding, Rekrutierung

