von Axel Gloger
Theodor Weimar ist Vorstandschef der Hypovereinsbank (HVB). Gerade hat er angekündigt, dass er etwas für die Beteiligung der Frauen in der Arbeitswelt tun will. Sein Institut gründet einen Frauenbeirat. Ich weiß, das klingt nach Quote. Ist aber dennoch eine gute Idee, eine sehr gute sogar. Denn die 20 Frauen in diesem Gremium sollen von außen kommen, nicht aus der Bank. Weimar peilt Unternehmerinnen an als Mitglieder.
Ihre Aufgabe: Sie sollen sich um bessere Arbeitsbedingungen für Wissensarbeiterinnen kümmern. Sie sollen der Bank, die mehrheitlich weibliche Mitarbeiter hat, dazu verhelfen, dass mehr davon auch in Führungsjobs gelangen.
Das ist mehr als die übliche “Wir fördern Frauen”-Rhetorik. Denn meist endet dieses Bekenntnis zeitgleich mit der Rede des Personalvorstandes, der dieses Thema mal wieder aufgreift. Passieren tut dann wenig.
Denn: Die Praxis für Wissensarbeiterinnen sieht bei uns traurig aus. Zwar hat jede Personalabteilung ihre Frauenförderbroschüre in der Schublade. Die macht sich gut, wenn man gegenüber weiblichen Bewerbern glänzen will, Motto: “Schauen sie mal, was wir alles machen ….!”
Aber dabei bleibt es dann auch. Die Personalabteilung hat ohnehin nichts zu kamellen in den meisten Unternehmen. “HR = Hard + Resistant”, das habe ich neulich bei einer Veranstaltung der European Business School (EBS) in einem Vortrag gehört – von einem Nicht-Personaler, wohlgemerkt.
Die Praxis für Frauen sieht er so aus: Solange das erste Kind noch nicht da ist, stehen sie ihren Mann. Dann ist kein Unterscheid da zu den Kollegen. Man fühlt sich gleichberechtigt und chancengleich.
Aber das ändert sich, sobald das erste Kind kommt. Dann wird aus der Managerin eine Mama. Dafür wird sie von ihrer Umgebung bestraft. Teilzeitarbeit, Teil-Absenz, solche Dinge werden in den meisten Unternehmen abgestraft. Typisch: Die Mitarbeiterin wird gemobbt, kalt gestellt, aus den üblichen Info-Zirkeln ausgeschlossen. Man nimmt es der Kollegin übel, dass sie sich aus dem DINK- oder Single-Dasein verabschiedet hat – und jetzt noch anderen Interessen nachgeht als nur für den Betrieb da zu sein.
Was ist passiert? In den letzten 20 Jahren haben wir mit den Baby-Boomer-Jahrgängen eine beispiellose Verjüngungsaktion in den Unternehmen durchgeführt. Alte raus, Baby-Boomer rein, so lautete das verbreitete Vorgehen. Folge: Singles, DINKS, vor allem: junge Menschen waren der Standard im Arbeitsleben. Kinder haben zeigte sich als Nischen-Lebensformat einer kleinen, nicht beachteten und nicht geschätzten Minderheit. Vor allem arbeitende Mütter erwiesen sich als eine Art Systemfehler – und man behandelte sie auch so.
Ich könnte Ihnen zig Beispiele nennen von notablen Unternehmen mit Frauen-Förderprogrammen, wo arbeitende Mütter ganz und gar nicht gemäß den Grundsätzen dieser Programme behandelt werden.
Der Effekt richtet sich gegen die Unternehmen: Irgendwann sind diese Frauen weg. Sie ziehen sich zurück in ihr Reihenhaus-Bullerbü, oder machen sich mit einem Beratungsunternehmen selbstständig, wie es schon die Wirtschaftsjournalistin Barbara Bierach in ihrem Buch “Das dämliche Geschlecht. Warum es kaum Frauen im Management gibt” beschreiben hat.
Und wieder ist ein Talent verloren gegangen. Teuer studiert, teuer ausgebildet, nach 5 oder 8 Jahren dann: auf nimmerwiedersehen. Das allerdings kann sich in Zeiten angespannter Demografie kein Unternehmen mehr leisten. Warum eine Leisterin, die sich bewährt hat, die den Laden kennt, die wahrscheinlich auch nie mehr woanders angeheuert hätte, einfach ziehen lassen, ausbuchen?
Die Initiative von Theo Weimar ist ein Schritt in die richtige Richtung. Sein Frauenbeirat wird zeigen, dass man für Frauen mehr tun kann als ihnen vorne ein paar nette Worte zu geben. während man sie hinten demontiert.
Jedes Unternehmen sollte sich hier in die Pflicht nehmen: Elternschaft ist ein kulturell akzeptierter Standard! Das sollten insbesondere die Führungskräfte vorleben. Schließlich schenken uns die Eltern von heute die Kunden von morgen.
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