von Axel Gloger
Endlich ist es so weit, mit dem zurück liegenden Crash der Weltwirtschaft kam das bereinigende Gewitter, das längst fällig war: Die Übertreibungen sind vorbei, die Gier ist abgestraft, die Schurken sind entlarvt.
Gaunermethoden im Management laufen nicht mehr, das ewige „noch mehr“ ist allenthalben verpönt, die ständig nur Gewinn maximierende Business-Community ist geläutert. Die allgemeine Einsicht lautet: „So geht es nicht weiter.“ Der Manager von morgen ist ein Gutmensch.
Das alles strebt zumindest die Harvard Business School an. Die Krise hat sie zum gebrannten Kind gemacht. Der Großversorger der Chefetagen mit CEO-Kandidaten gibt sich neuerdings moralfreundlich. Absolventen der so traditions- wie einflussreichen Manager-Ausbildunsstätte treten jetzt zum Schwur an:
Ein Eid auf das Gute soll die Exzesse, an der Harvardianer in der Vergangenheit an führender Stelle beteiligt waren, künftig verhindern.
Der Manager, so sieht es die Selbstverpflichtung vor, dient ab sofort höheren Zielen. Die gnadenlose Jagd nach dem Gewinn ist nicht mehr: „In meiner Funktion als Manager diene ich in erster Linie dem gesellschaftlichen Gemeinwohl“, heißt der erste Satz des Gelöbnisses. Es verpflichtet Führungskräfte auf einen Weg, der langfristig den gesellschaftlichen Nutzen des Unternehmens steigern solle, sagt die Präambel des Schwurs. Der Absolventenjahrgang 2009 war der erste, der den Eid ablegte.
Damit, so scheint es, brechen endlich menschliche Zeiten im Management an.
Moral marschiert in den Arbeitsalltag der Führungskräfte. „Die Krise ist die Chance, Soll und Ist endlich zur Deckung zu bringen“, sagt Johannes Grassl, Deutschland-Chef der Leaders Integrity Foundation (LIF), einer Organisation, die sich des Themas Werte und Moral in der Praxis angenommen hat.
Auch manche deutsche Business School will der Harvard-Universität nicht nachstehen:
Manager, die wie hochgezüchtete Bluthunde nur nach der höheren Rendite jagen, soll es so nicht mehr geben.
Das sagt zumindest Prof. Christopher Jahns, Präsident der European Business School (EBS): „Der ehrbare Kaufmann ist bei uns nicht erst seit der Krise wieder ein Leitbild.“ Dieser Rhetorik folgen neuerdings Taten; die Kommilitonen der im Herbst gestarteten Master-Studiengänge werden nach ihrem Examen ebenfalls einen Eid ablegen, der sie im Beruf auf die guten Taten verpflichtet. Der Wortlaut ähnelt dem von Harvard: „Das Unternehmen, das ich führe, muss dem Allgemeinwohl dienen“, so soll es zum ersten Mal im Jahr 2011 aus den Kehlen der EBS-Abgänger tönen.
Meine Einschätzung aus Trendletter-Sicht: Der Eid ist in erster Linie ein PR-Feuerwerk. Die rechte Botschaft zur rechten Zeit. Wir haben verstanden, wir sind geläutert, so die Botschaft. Nur: In der Praxis werden diese Verkündungen nicht viel ändern. Schwarze Schafe werden auch in Zukunft ihre Machenschaften treiben.
Beruhigend nur: Die große Mehrzahl der Manager und Unternehmer hat schon immer einen guten Job gemacht – auch ohne Schwur. Wir sollten nicht vergessen, dass die Verantwortlichen für Enron, Siemens, das Swissair-McKinsey-Debakel und andere Großkrisen dieser Art immer Einzelerscheinungen waren.
Tags: Ethik, Management, Moral, Werte

