von Axel Gloger
Arbeit braucht in Zukunft keinen Ort mehr. Die alte Gleichung Leistung = Büroarbeit gilt künftig nicht mehr.
So hat gab etwa der CEO von Sun Microsystems sein persönliches Büro auf, weil er nur noch an Orten zu arbeiten beabsichtigt, die für ihn die größte persönliche Wertschöpfung ermöglichen.
Das zeigt, dass selbst Angestellte nach der von ihnen bevorzugten, nomadischen Arbeitsumgebung einen ähnlichen Arbeitsstil pflegen wie Projektnomaden im offenen Unternehmen.
Ein anderes Beispiel liefert der Chiphersteller Intel. Er verlegte die Arbeitsplätze von Entwicklern in die Hochschulen – damit neues Wissen aus den Instituten direkt für das Geschäft nutzbar gemacht werden kann.
Socialtext, ein Hersteller von Software, hat seine Organisation sogar vollständig virtualisiert. Alle Mitarbeiter schaffen von zu Hause aus. Skype und Blogs übernehmen die Rolle des Flurfunks, die Montagmorgen-Besprechung findet nicht mehr am Besprechungstisch des Chefs statt.
Jeder sitzt vor seiner Webcam, die Gratissoftware Freeconference schaltet die Teilnehmer zusammen. Aktenablagen, Umlaufmappen und dicke Projektordner gibt es nicht mehr, all das übernimmt das interne Wikipedia.
Mit dieser Beobachtung verbünden sich zwei große Trends – nämlich das offene Unternehmen und die Bedürfnisse der Wissensarbeiter von morgen.
In Anerkennung dieser Entwicklung diagnostizierte Peter Drucker richtigerweise: „Isolation is corporate death.“
In seinen Augen hat jenes Unternehmen Erfolg, dem es gelingt, die Außenwelt zum Bestandteil seiner Wertschöpfung zu machen. Damit zeigt sich ein entscheidender Unterschied zum industriellen Zeitalter. In dieser Epoche hatte es noch genügt, über die richtige, sprich: leistungsfähige Hardware zu verfügen. Maschinen, Fabriken und physische Produktionsmittel waren der hauptsächliche Ursprung des Wettbewerbsvorteils.
Wer schneller produzieren konnte, war der gemachte Unternehmer.
Vor dem Hintergrund der von Drucker geprägten „Knowledge Economy“ freilich muss diese Prämisse relativiert werden. Vorsprung durch Technik gerät hier zum schwachen Wettbewebsargrument, denn wer seine Marktstellung nicht mehr durch die stete Mobilisierung auch schwer zu erschließenden überlegenen Wissens absichern kann, wird definitiv nicht zu den Gewinnern des Wissenszeitalters gehören.
Tags: Arbeitsnomaden, Ende des Büros

