von Axel Gloger
Im Web 2.0-Zeitalter dominiert die Neigung zu digitalen Formaten. “Everything goes digital”, so heißt das Mantra im englischen Sprachraum. Wir sind versiert geworden in der Nutzung von Facebook, Xing und Skype. Kurz-Mitteilungsdienste wie Twitter erstetzen die E-Mail, wer twittert, kann alle seine Kontakte gleichzeitig bedienen. Auch Präsentationen folgen diesem Format. PowerPoint? Beamer? Selbsverständlich, wir befinden uns ja im Amazon-EBay-Facebook-ichweißnichtwas-Zeitalter.
Die neuen Formate sind nützlich, hilfreich, oft bringen sie Tempo. Aber da sie jeder benutzt, dürfen wir uns auch fragen: Wo liegt da noch die Differenzierungsmöglichkeit?
Antwort:
Plötzlich sind die alten Offline-Formate wieder sexy. Kaum jemand benutzt sie noch – und wenn sie dann zum Einsatz gelangen, erntest du die “Ohs” und “Ahs”, und bleibst in Erinnerung.
So geht es zum Beispiel mit Vorträgen. Ich war kürzlich auf einer Preisverleihung. Universität Köln, meine alte Alma mater. Hier hat sich trotz der Digitalinvasion samt iPhone und Apple Tablet PC (iPad) wenig geändert. Fast alles ist beim Alten geblieben, vielleicht ein gutes Zeichen.
Es ging um eine Preisverleihung, 2 Preise zu Ideen über innovative Ordnungspolitik (Offiziell: ORDO-Preis für ordnungspoltische Innovation). Verliehen von der Jeaner Allianz. Entsprechend dem altehrwürdigen Rahmen gab es während der 2-Stunden-Veranstaltung auch PowerPoint, aber nur ein einziges Bild. Eins, ja, Sie haben richtig gelesen.
Alle hielten Ihre Reden so, ohne alles, ließen nur das gesprochene Wort wirken. Keine Folien, keine Slides, nichts dazu. Wie war es? Einfach wohltuend. Wir konnten einfach zuhören, uns dem Genuß des Vorgetragenen hingeben.
Alle hielten sich an das Comment: Prof. Joachim Starbatty (Uni Tübingen), Prof. Achim Wambach, die kongeniale Dr. Karen Horn (ex FAZ Ordo-Schreiberin, jetzt IW).
Keiner brachte Folien mit – und niemand im Auditorium vermisste etwas, dass hier ohne die üblichen Bullet-Point-Listen gesprochen wurde, war gut. Es lebe die klassische Rede! (Thilo von Trotha, der Gründer des Verbandes der Redenschreiber deutscher Sprache VdRS), hätte seine Freunde gehabt, einen Cicero-Preis wäre der gesamte Anlass allemal wert gewesen.)
Was Ludwig-Erhard-Stiftung, Walter-Eucken-Institut, Wilhelm-Röpke-Institut und ein paar andere auf die Beine gestellt haben. war formidabel. Ein klassischer Genuß, der zeigt, wie gut es ankommen kann (ich sage: kann, wenn man es richtig macht), wenn man sich auf die alte Kernkompetenz konzentriert:
Rem tene, verba sequentur. Halte Dich an die Sache, die Worte werden folgen; eine bewährte Redner-Weisheit.
Ich will in einem meiner nächsten Posts mal zusammen fassen, was wir aus diesem Anlass an allgemeinen Regeln lernen können. Kommen Sie bitte wieder. Die Folge mit den Regeln für den erfolgreichen Redner von morgen lesen Sie demnächst hier (klick!).
Falls es Sie interessiert, wie die Redner es gemacht haben: Hinter den Links finden Sie die Redetexte von Dr. Karen Horn, Prof. Starbatty und vom Preisträger Michael Wohlgemuth.
Noch ein Hinweis: Wenn Sie das Thema Reden ohne PowerPoint interessiert, sollten Sie auch meinen Beitrag über das Bestseller-Buch “Auf der Serviette erklärt” lesen, den Sie hier (klick!) finden.

