von Axel Gloger
In der Post-Krisen-Ökonomie gibt es einen wichtigen Erfolgsfaktor. Der Unternehmer hat die Aufgabe, die Richtung zu geben. Er entwirft das Bild vom Unternehmen von morgen, vor allem vom Wie, und kommuniziert es auf allen Kanälen.
Wie macht man das?
Ich habe mich kürzlich eingehender mit Schwanhäußer befasst, einem alten, sehr erfolreichen Familienunternehmen, hat den Textmarker Schwan-Stabilo erfunden und in einigen Geschäften die Weltmarktführerschaft. Sie haben eine DIN-A-4-Seite, die trägt die Überschrift “Unternehmenskultur bei Schwan-Stabilo”, datiert von 1999, seither nicht mehr erneuert. Da stehen einige Grundwerte drauf, Themen wie Vertrauen, Leistung, Partnerschaft und diese Dinge.
Das Dokument sieht, wenn es vor Ihnen läge, fast belanglos aus, aber die Power kommt aus der Anwendung. Bei jeder GL-Sitzung und bei jedem größeren internen Firmenanlass wird dieses Blatt an die Wand projiziert, und dann spricht einer der GF zunächst über einen aktuellen Aspekt dieser Werte und dessen Umsetzung im Alltag.
Durch die ständige Wiederholung hat das eine enorme Prägekraft, und weil immer wieder ein etwas anderer, neuer Blickwinkel gewählt wird, nutzt sich das Thema auch nicht ab.
Warren Buffett hätte wahrscheinlich viel Freude an dieser Praxis. Sie zeigt, wie ein Unternehmer mit geringen Mitteln genau für diese Prägekraft sorgen kann.
Anderer Fall:
Ich kenne Reinhold Würth noch aus der Zeit, als er noch nicht einmal 1 Mrd. (damals DM) umgesetzt hat, heute sind es 7 oder 8 Mrd Euro. Was hat er getan? Er hat seine Organisation geprägt. Er hat immer und immer wieder gesagt, wie er sich die Arbeit vorstellt (Serviceverständnis, Kundenorientierung, Vorstöße im Wettbewerb, sein Verständnis von Leistung und Partnerschaft etc.) und damit den Mitarbeitern ein Bild von dem gegeben, wie das Unternehmen in seinen Augen sein soll.
Was Würth perfekt gelöst hat, und das ist nicht gering zu schätzen: Er konnte mit vollkommener Überzeugungskraft immer wieder dasselbe sagen.
Das muss man als Unternehmer an sich selbst ertragen können, ein wichtiges psychologisches Moment, bei dem sich intellektuelle Typen immer selbst im Weg stehen.
Wichtig erscheint mir, dass die impliziten Werte des Unternehmers nicht nur an seinen Handlungen schemenhaft erkennbar sind, sondern dass sie auch zum Thema gemacht werden.
Das ist übrigens eine starke Gegenthese zum Modell der Führung per E-Mail. Es zeigt: Die zentrale Führungsaufgabe kann auch in der Twitter- und iPhone-Ökonomie nicht allein durch digitalisierte Einflussnahme geschehen. Ein gutes Team entsteht nicht bei Xing, sondern nur in der Praxis. Energieübertragung zwischen Menschen wird auch in Zukunft zum Kernbestandteil guter, wirksamer Führung gehören. Da bin ich ganz auf der Seite von Fredmund Malik und Peter Drucker.

