von Axel Gloger
Beim zweiten Friedrichshafener Familienfrühling (FFF) hatte ich die Ehre, eine kleine Bilanz zu ziehen. Wichtigste These des Vortrages an der Zeppelin University: Die Zeiten, zu denen sich die Familienunternehmer verstecken mussten, sind vorüber. Denn in Zukunft ist das gut geführte Familienunternehmen das überlegene Steuerungsmodell.
Blicken wir zurück:
1. Die große Zeit des Managerkapitalismus endet um die Jahrtausendwende. Bis dahin galt: Der Großkonzern in anonymer Eigentümerschaft ist das überlegene Steuerungsmodell. Jack Welch ist Ikone des Manager-Kapitalismus. Börsenwert ist die zentrale Zielgröße in jeder Strategie. Die Blüte des Managerkapitalismus fällt in eine Zeit mit dem allgemeinen Credo: Alles ist machbar. Wir setzen nur genügend Experten, Bürokraten und Manager ein – damit bringen wir es bis zur Mondlandung, zum verzehnfachten Börsenwert, zum funktionierenden und erfolgreichen Konzern mit 200.000 Mitarbeitern und 135 Geschäftsfeldern. Allgemeine Denkweise: Alles muss nach oben gehen, ganz gleich, ob es sich um die Werte für Marktanteil, Rendite oder Umsatz handelt.
Aber dann kommt die Wende.
2. Die Transformation vom Manager- zum Familienkapitalismus. Konzerne in anonymer Eigentümerschaft arbeiten ineffizient. Die Führungskräfte verbringen 40 bis 70 Prozent ihrer Arbeitszeit damit, interne Widerstände zu überwinden. Die Konzerne sind nur noch erfolgreich, weil sie die Dividende der Kinderlosigkeit ihrer Mitarbeiter einkassieren. Der beste Konzern-Mitarbeiter ist der, der kinderlos ist oder sich dem Imperativ der Als-ob-Kinderlosigkeit verfügt (“Ich habe zwar Kinder, aber meine Arbeit hat absolute Priorität, komme, was da wolle”).
Der 24/7-Arbeitsstil ist auf dem Vormarsch, mit allen Folgen.
Was passieren kann, zeigt Miriam Meckel, ex-Staatssekretärin, Professorin und Beraterin. Interessant ist nicht, dass sie das eher private Thema ihres Burnouts öffentlich zelebriert, indem sie ein Buch darüber schreibt. Relevanz bekommt dieser Vorgang dadurch, dass das Werk unter den 200.000 Büchern, die der Versandhändler Amazon führt, auf Platz 94 der bestverkauften Bücher ist (Stand 23. April 2010).
Gleichzeitig beobachten wir: Immer mehr Menschen fragen nach dem Sinn im Arbeitsleben. Sinn-Lieferanten wie Anselm Bilgri oder Anselm Grün, Mönche (!), haben mehr Vortragstermine im Jahr, als ein normaler Mensch eigentlich bewältigen kann, immer wieder das Thema: “Spirituell führen”
Warren Buffett reist nach Deutschland. Vorhaben: die besten deutschen Familienunternehmen als Investitionsziel erkunden.
Jack Welch, die Ikone das Managerkapitalismus, relativiert den Shareholder Value als alleiniges strategisches Ziel der Führung.
Die ASU erlebt unter ihrem neuen Präsidenten Patrick Adenauer (Enkel des Bundeskanzlers Konrad Adenauer und Unternehmer) eine Renaissance unter dem Re-Branding “Die Familienunternehmer”. Gleichzeitig gelangt die Stiftung Familienunternehmen zu Rang und Einfluss in der öffentlichen Meinung.
Fazit bis hierher: Der Großkonzern in anonymer Eigentümerschaft ist ein orts- und heimatloses Gebilde geworden, das mit seiner Arbeitskultur die Interessen und Gefühle vieler Mitarbeiter nicht mehr bedient, das Ineffizienzen aufweist (siehe dazu auch das eindrucksvolle Buch: “Kopfzahl Paranoia. Von der Selbstzerstörung der Konzerne”). In turbulenten Zeiten gewinnt das gut geführte Familienunternehmen wieder an Attraktivität, weil es für Langfristigkeit, Überschaubarkeit und Exzessvermeidung steht. Das Steuerungsmodell Familienunternehmen hat wieder Zulauf!
3. Willkommen im Zeitalter des Familienkapitalismus!
Die Familienunternehmen haben die Krise bemerkenswert gut überstanden. Sie zeigen Überlebenskraft, weil sie sich nicht nur am nächsten Quartals- oder Jahresziel ausrichten, sondern langfristige Ziele verfolgen, die über Generationen hinweg reichen. Motor dieses Interesses ist der dynastische Wille jeder Inhaberfamilie: Das Unternehmen soll, wie Prof. Dr. Peter May, Gründer und Mitinhaber von Intes, einer auf Familienunternehmen spezialisierten Beratung sagt, innerhalb der Familie an die nächste Generation weiter gegeben werden.
Überdies verfügt das gut geführte Familienunternehmen über einen inhärenten Mechanismus der Exzessvermeidung. Denn: Der Unternehmer lässt sich nicht nur vom Kompass des Markterfolges leiten, er ist gleichzeitig auch daran interessiert, dass er die Firma und die von ihm beeinflusste Umwelt in einem akzeptabel guten Zustand an die Kinder- und Enkelgeneration weiter reicht. Überdies wird er sich nicht von eigener Hand seinen Ruf runieren, indem er strategische Optionen wählt, die zwar dem Unternehmen nützen, aber den guten Namen der Familie ankratzen würden (“Schlecker-Effekt”).
Tags: Familienunternehmen

