Der Vormarsch der iPad-Universität und seine Folgen | Teil 1/3

von Axel Gloger

Der große Meister des modernen Managements hat immer noch Prägekraft: Jack Welch war von 1981 bis 2001 CEO von General Electric, in dieser Zeit prägte er einen Management-Stil, der auch von vielen anderen Unternehmen den Charakter einer Benchmark hatte und häufig nachempfunden wurde: Er orientierte seine strategische Zielausrichtung am Firmenwert („Shareholder Value“) und achtete auf ein leistungsorientiertes Talent- und Mitarbeitermanagement.

Überdies galt er schon zu seiner Wirkungszeit an der Spitze von General Electric als Pionier der Weiterbildung. So richtete er die Firmenuniversität in Crotonville auf strategische Wertbeiträge aus und nutzte sie als Kaderschmiede für den gesamten Konzern. Auch diese Praxis wurde von vielen anderen Unternehmen übernommen.

Auch nach Ende seiner Karriere bei GE prägt Welch die Benchmarks in der Weiterbildung: Er beteiligte sich mit einer Investition von 2 Millionen Dollar an der Chancellor University. Dieser kommerzielle Bildungsanbieter ist aus der Myers University in Cleveland im US-Bundesstaat Ohio hervorgegangen, seine Aktivitäten liefern eine Vorlage für das Programm vieler Bildungsanbieter von morgen: Die Kurse und Studiengänge, darunter ein MBA-Lehrgang, sollen vornehmlich online angeboten werden.

Die Hochschule ohne Hörsäle steht als Denkmodell hinter dieser Neuorientierung, denn der Online-Bildungsmarkt wächst nach einer Untersuchung von EduVentures, einem Research-Dienstleister mit Sitz in Boston, deutlich schneller als der sonstige Bildungsmarkt. Vor allem jüngere Teilnehmerzielgruppen wenden dieses Bildungsformat bevorzugt oder sogar ausschließlich an.

Dies ist nur ein Indiz für einen größeren Trend: Die Verbreitung des Internet wird weltweit weiter zunehmen. Von derzeit 1 Mrd. Teilnehmern wird das Internet auf 4 Mrd. Teilnehmer im Jahr 2020 expandieren. Gleichzeitig werden auch immer ausgereiftere Lernsysteme zur Verfügung stehen, die das Online-Lernen besser verfügbar, effizienter und dem menschlichen Lernverhalten angepasster machen.

Allein diese beiden Entwicklungen werden das Lernen am PC oder an mobilen Endgeräten weiter beflügeln, denn mit der entsprechenden Entwicklung der Technologie und ihrer zunehmenden Verbreitung wird ein altes Problem der beruflichen Weiterbildung gelöst: Der Imperativ der Gleichzeitigkeit stirbt. Wissensbereitstellung und Wissensvermittlung müssen nicht mehr länger zur gleichen Zeit erfolgen. Damit ist Weiterbildung im gleichen Entwicklungsstadium angekommen wie die allgemeine Kommunikation: persönlicher Kontakt ist für den Erfolg nicht mehr vonnöten, auch kein gleichzeitiger Kontakt. E-Mail und Messaging-Services haben die Kommunikation von der Notwendigkeit der Gleichzeitigkeit entbunden und damit schneller und effizienter gemacht.

Dasselbe passiert mit dem Lernen durch die E-Learning-Formate. Das Wissen kann zu einer beliebigen Zeit bereitgestellt und danach zu einer beliebigen Zeit vom Lernenden abgerufen werden, damit wird das Lernen von den Begrenzungen durch Zeit und Raum entkoppelt.

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