von Axel Gloger
Allein die zeitliche Vorteilhaftigkeit der neuen Lernmedien wird ihre weitere Verbreitung stark befördern. Das Gesetz des ökonomischen Nutzens wird diesen Formaten zur Geltung verhelfen, und zwar selbst dann, wenn es gegenüber den konventionellen Lernformaten Qualitätsnachteile geben sollte.
Das zeigt die Erfahrung aus vielen anderen Anwendungsfällen: So konnte auch das körperlose mp3-Format die CD und die Schallplatte verdrängen, obwohl die Tonqualität des rein digitalen Formats der Musikspeicherung wegen der nötigen Datenkompression schlechter ist als jene bei körperlichen Speichern. Was zählt, sind Tempo, Verfügbarkeit und Miniaturisierung.
Als Beschleuniger dieser Entwicklung werden sich einige neue Technologien erweisen. So wird sich das iPad als eine Schlüsseltechnologie auch für das Lernen von morgen erweisen.
Der iPad von Apple und die Weiterentwicklungen und Kopien der konkurrierenden Anbieter auf diesem Markt werden bald für massenhafte Verbreitung in den relevanten Zielgruppen sorgen und damit den Verhaltensstandard von morgen prägen. Die Basisfunktionen des iPad werden das Lernen losgelöst von örtlicher und zeitlicher Präsenz ermöglichen – der mobile Internet-Zugang, die Speicherfähigkeit, die Verarbeitung von Video, Text und Audiodateien, die akzeptable Größe des Bildschirms und die Unabhängigkeit vom Stromnetz werden sich als Enabler des zeitversetzten Lernens ohne Klassenraum erweisen.
Hier zeigt sich eine bemerkenswerte Entwicklung. Konzepte und Technologien für das Lernen mittels digitaler Medien sind schon seit vielen Jahren am Markt. Die Weiterbildungsbranche hat bereits einschlägige Erfahrungen mit den Formaten gewonnen, allerdings noch keine Durchbruch-Applikation hervor bringen können.
Den endgültigen Schritt zu einer massentauglichen Anwendung ermöglicht erst das iPad, weil es eine akzeptierte technologische Plattform etabliert hat und durch einfache Bedienung eine Alltagstauglichkeit erreicht, die erst das Erschließen großer Nutzerzahlen ermöglicht. Insofern wird die im Jahr 2010 erfolgte Lancierung des neuen Zugangsgeräts zur Folge haben, dass auf dem Markt für digitales Lernen eine sprunghafte Weiterentwicklung stattfinden wird. Stark unterstützend wirkt das überlegene und von den meisten Nutzern als attraktiv empfundene Design dieses Zugangsgeräts.
Wie wirksam die neue Technologie die Etablierung neuer Standards vorantreibt, zeigt der Vormarsch der Anleitungsfilme im Netz. Eine wachsende Zahl von Angeboten bedient die Interessen von Lernenden, die sich über Themen fast beliebigen Inhalts informieren wollen und an nicht mehr als einer Kurzlektion interessiert sind. Diese Interessen werden von spezialisierten Internet-Diensten bedient, die kurz laufende Videos (ca. 3 bis max. 8 min.) anbieten und die Auswahl des gewünschten Stoffes über eine interne Suchmaschine automatisieren. Dieses Material steht kostenlos zur Nutzung zur Verfügung, über ein mobiles Endgerät kann es von jedem Ort zu jeder Zeit abgerufen werden.

