von Axel Gloger
Natürlich verändern diese Formate auch die Art und Weise, wie Trainer und Weiterbildungsanbieter wirken werden. Alle Spieler auf der Angebotsseite werden sich auf die neuen Bedürfnisse einstellen müssen – die zentrale Frage lautet: Kann der zu übermittelnde Inhalt in ein für digitale, zeit- und ortsversetzte Verbreitung geeignetes Format überführt werden?
Oft muss der zu übermittelnde Stoff radikal auf den wesentlichen Nutzen reduziert werden. Überdies muss sich der Übermittler auch den Gewohnheiten des Online-Publikums anpassen, das heißt: Das Angebot muss so präsentiert sein, dass es von den gängigen Suchmaschinen gefunden werden kann. Außerdem will der Lernende oft nur eine Light-Version des zu vermittelnden Stoffs, Anspruch: Nutzen ja, aber bitte nicht zu anstrengend.
Deshalb wird es in Zukunft eine neue Aufgabe von Weiterbildungsanbietern sein, den Performance-Charakter ihres Stoffs so zu stärken, dass die Teilnehmer bis zum Schluss dranbleiben. Weiterbildung wird damit auch zur Heiterbildung – der Erwerb neuen Wissens darf nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Erwachsenen Spaß machen. Das mag zwar für manchen Personalmanager eine abwegige Vorstellung sein, aber die Neupositionierung des Lernens wird kommen und sie wird notwendig sein.
Anders als durch die Aufladung mit positiven Werten wie „Spaß“ und „Coolness“ wird es nicht gelingen, den Wettbewerbsvorsprung durch Wissen in einer alternden Arbeitnehmerschaft zu sichern. Dieter Rohrmeier, der an der Hochschule der Sparkassen-Finanzgruppe lehrt, sagt zu recht: „Wir sind verurteilt zum lebenslangen Lernen. Das Thema sollte positiv besetzt sein. Wir brauchen Lust auf Lernen.“
Die Vorgehensweise für Trainingsanbieter und Weiterbildungsdienstleister, die sich aus diesen Entwicklungen ergibt, ist alternativlos. „Digital native werden oder digital naiv bleiben“, so lautet das Mantra.
Es gilt die Energien, die aus dieser zwangsläufigen Weiterentwicklung entstehen, für seine Zwecke zu nutzen. Deshalb sollten die anstehenden Veränderungen pionierhaft für neue Angebote genutzt werden, denn wer in der alten Welt verharrt, wir bald zu den Gestrigen gehören. Zwar wird das Klassenraum-Training nicht aussterben, aber es bekommt durch den Vormarsch der iPad-Universität eine neu gewichtete Rolle. Jeder Trainingsanbieter tut gut daran, sich auf die zunehmende Diversität der Verbreitungsformate einzustellen.

