von Axel Gloger
Die Krise hat gezeigt: Unternehmen, die sich allein als technokratische geführtes System begreifen, sind bei allem Erfolgspotenzial in Wachstumszeiten doch schlecht gerüstet für Wirtschaftslagen mit stark volatilen Rahmenbedingungen.
Die Krise nach der Krise, die erwartete Double-Dip-Rezession und überraschende Diskontinuitäten können die rein mechanisch optimierten Organisationen schnell in Turbulenzen bringen, die mit einer verbesserten organisationalen und mentalen Ausstattung mit begrenztem Aufwand vermeidbar gewesen wären.
Unternehmen und Weiterbildung haben die Aufgabe, sich aus den Fesseln des übertrieben technokratischen Management-Ansatzes zu befreien. „Fantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt“, so zitiert Fritz Haselbeck von der ZfU Business School, Tahlwil, den großen Wissenschaftler Albert Einstein.
Offenbar kommt es in turbulenten Zeiten mehr auf kognitive Fitness und organisationale Agilität an als auf perfektionierte Abrechnungsbögen und durchoptimierte, streng an der Steigerung des Firmenwertes ausgerichtete Zielkataloge.
Denn mit den weichen Faktoren werden am Ende die Schlachten auf den kompetitiven Märkten gewonnen; in einer Welt, in der nur noch Wissen einen halbwegs sicheren Vorsprung garantiert und in der nicht die perfekte, sondern die reagible und anpassungsfähige Organisation gewinnt, sind die weichen Faktoren am Ende des Tages die harten, nämlich jene, die den Ausschlag geben über Erfolg und Misserfolg.
Der Budgetierungsprozess zeigt die Mängel eines rigiden, technokratischen Systems besonders deutlich: In den Klausur-Sitzungen werden Zahlen gewälzt, Annahmen diskutiert und die Wachstums-Prozente manchmal für jeden Geschäftsbereich, jedes Profit-Center und jedes Produkt heruntergerechnet. Dieses Vorgehen gehört zur bewährten Routine in vielen Unternehmen. Das kommende Geschäft wird in Zahlen abgebildet, im Anschluss mühen sich alle Mitarbeiter und Führungskräfte, diesen Plan mit Leben zu erfüllen, das Controlling liefert Berichte zum Stand der Dinge.
Aber mitunter zeigt sich, dass hier eine Scheinsicherheit geschaffen wird. Die Zukunft kommt zwar – aber oft ganz anders, als es in der Chefrunde vorweg genommen wurde. Der zeigt der Blick in die Vergangenheit – weder der New-Economy-Boom noch die beginnende Finanzkrise konnten von der Planung vorweg genommen werden, diese Entwicklungen kamen einfach.

