Die Gefahren übertriebener Planung | Warum flexible Unternehmensführung wichtiger ist als technokratische Systeme | Teil 2/2

von Axel Gloger

Die Frage, die sich jede Führungskraft stellen sollte, lautet deshalb: Muss in turbulenten Zeiten wirklich so viel Planung sein, immerhin eine Praxis, die viel Zeit und Management-Energie verschlingt? Antwort: nicht unbedingt. Zwar werden die meisten Unternehmen ihre Planung auch beibehalten – aber über die zukünftige Form wird durchaus auch kritisch nachgedacht.

Einer der Nachdenklichen ist Kasper Rorsted, Vorstandschef des Familienunternehmens und Markenartiklers Henkel. Anlässlich der Digital Life Design Konferenz (DLD), die im Januar 2009 in München stattfand, wetterte der Henkel-Chef im Kreis von Vorständen, Internet-Unternehmern und Medienprominenz gegen die Zahlenlastigkeit: „Oft beschäftigen wir uns 99 Prozent der Zeit mit Forecasting, aber nur 1 Prozent mit People Management.

Auch Niels Pfläging, Inhaber der Meta Management-Group, sieht die Sache genauso wie der Unternehmer Rorsted. Er nimmt mit seiner Kritik kein Blatt vor den Mund. „Eine Zeitverschwendung ohne Sinn“, wettert der Berater aus Sao Paulo gegen den verbreiteten Ritus in den Unternehmen. Ihm war die Sache so ernst, dass er mit ein paar Mitstreitern eine Bewegung ins Leben rief, die sich dem Ende der Budgetierung verpflichtet fühlt – seit mehr als zehn Jahren ist er mit seiner Botschaft unterwegs.

Die Denkrichtung wird durch die Realitäten bestätigt. Oft ist das Budget, um das Manager, Abteilungen und Controller so lange gerungen haben, schon nach ein paar Monaten nichts mehr wert. Denn die Rahmendaten ändern sich so schnell, dass sie keine Planung vorweg nehmen können. Verantwortliche für die Gestaltung von Organisationen sollten sich deshalb der Opportunitäten bewusst sein.

Strukturen wie die Budgetierung setzen nicht nur die falschen Anreize, sie binden auch Zeit, Geld und mentale Ressourcen, die besser in den Dienst der Flexibilität gestellt worden wären.

Unternehmen tun gut daran, rigide Mechanismen zu überdenken und Routinen auf das notwendige Mindestmaß zurück zu fahren. Planung und Budgets sind sicher sinnvoll, aber nicht in einem Ausmaß, das den Blick auf Marktchancen, das Erkennen und Bewältigen von Turbulenzen und die Freisetzung von Unternehmer-Ernergie behindert.

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