von Axel Gloger
Mal fällt ein bewährter Zulieferer wegen des Erdbebens in Japan aus, mal stürzt die Aschewolke Reisepläne tausender Manager ins Chaos – oder die havarierte BP-Bohrinsel treibt den Ölpreis binnen Tagen in die Höhe: Immer neue Risiko-Ereignisse prasseln in dichter Folge auf Unternehmen ein.
Bislang hatten die Unternehmen ein scheinbar bewährtes Rezept, um solchen Ereignissen beizukommen: Pläne.
Aber in einer Hochrisikowelt taugen diese Mittel nicht mehr. „Sie schaffen eine Schein-Sicherheit, die trügerisch ist“, sagt Annette Gebauer vom Interventions for Corporate Learning (ICL), einem Beratungsanbieter. Mit Werkzeugen wie Notfallplan, Befehl und Kontrolle lässt sich zwar ein Produkt-Rückruf gerade noch in den Griff bekommen.
Aber was ist mit Ereignissen, die in keiner Planung vorkommen?
Technik und Vernetzung führen Unternehmen zu immer besseren Leistungen, machen sie aber auch immer anfälliger. Im Firmenimperium der Fugger hätte eine Aschewolke an Europas Himmel nicht gestört – aber heute hat ein Top-Manager Meetings alle drei Stunden in einer anderen Stadt. Bleibt dann das Flugzeug überraschend am Boden, gerät das Geschäft schnell ins Stocken. Hinzu kommen die internen Risiken duch hochgezüchtete Technik.
Diese Welt der Instabilität und Überraschungen hat einen neuen Ansatz in der Beratung hervor gebracht – er heißt „High Reliability Organization“ (HRO), zu deutsch: Hochzuverlässigkeits-Organisation.
Firmen sollen mit seiner Hilfe besser mit dem Schwarzen Schwan umgehen können, jenem zwar seltenen Ereignis, das aber heftige Folgen hat, wenn es eintritt. „Seine besondere Natur macht es keiner Planung zugänglich“, sagt Beraterin Gebauer. So hat die Phantasie der Autoren von Notfall-Handbüchern Grenzen: Eine Checkliste für den Tag zu schreiben, an dem Erdbeben, Tsunami und Atomunfall zugleich auftreten, überfordert das menschliche Denken.

