Personalknappheit nagt | Auswege aus dem Mitarbeiter-Mangel | Warum Corporate Learning gewinnt und Recruiting verliert

von Axel Gloger

Die Personalknappheit nagt schon heute, und sie wird noch schlimmer.

„In den nächsten Jahren kommt immer weniger Nachwuchs auf den Markt“, sagt Kerstin Hillberg, Diplom-Ingenieurin mit Mercedes-Vergangenheit und heute Trainerin in Berlin, „die Absolventen-Jahrgänge schrumpfen“.

Die Fakten bestätigen ihre Sicht der Dinge.

Bewerber fehlen, um 30 Prozent stieg die Zahl der nicht besetzten Ingenieur-Stellen allein zwischen den Jahren 2009 und 2010, so eine Studie des Vereins Deutscher Ingenieure. 24.000 Stellen blieben im letzten Frühjahr unbesetzt.

Alexander Kickners Studium ist ein Weg, sein Unternehmen aus dieser Klemme heraus zu führen. Der Techniker von BMW mit reichlich Berufserfahrung absolviert ein betriebsinternes, berufsbegleitendes Weiterbildungsstudium, das die FH Ingolstadt durchführt.

Das zeigt die neue Regel, der sich alle Unternehmen fügen müssen:

Wenn der Arbeitsmarkt keine Intelligenz mehr liefert, muss sie eben intern ausgebaut werden. „Wir wollen dem Fachkräfte- und Akademiker-Mangel begegnen“, beschreibt BMW-Personalmann Christoph Anz, warum langjährige Mitarbeiter zurück auf die Schulbank gehen.

Früher war das nicht nötig. Da konnten Mitarbeiter, deren Wissen veraltet war, einfach weggeschickt werden – mit Mitte 50 in die Frührente. Nachrückende Baby-Boomer sicherten den Nachschub an frischem Wissen.

Aber in fünf Jahren sind fast alle Mitarbeiter aus den geburtenstarken Jahrgängen in der Liga 50plus.

Frührente ist spätestens dann keine Option mehr, Personalmanager sind gefordert. „Neue Köpfe mit neuem Wissen wird es nicht in ausreichender Zahl geben“, sagt Trainingsexpertin Hillberg. Deshalb müssen alle, die jetzt schon an Bord sind, weiterlernen.

„Älter werden, aber das Wissen verjüngen“, so lautet die neue Regel, die die Demografie Betrieben und ihren Mitarbeitern aufzwingt. Deshalb werden gute Leute wie Kickner „passgenau weiterentwickelt“, wie es im Sprachgebrauch der Personalmanager heißt.

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