von Axel Gloger
Aber wer da durch gegangen ist, wird reich belohnt. Davon zeugen Beispiele von Unternehmen, die die Hölle des gegenseitigen Nichtverstehens durchschritten haben. Die Big Four etwa, Marktführer der Wirtschaftsprüfer-Branche, haben das geschafft.
Deloitte, Ernst & Young, KPMG und PwC haben sich zusammengetan, den Kontakt zu Hochschulen gesucht – und gemeinsam ein berufsqualifizierendes Master-Studium aufgelegt. Es bedient die Interessen beider Seiten: Die Big Four bekommen Absolventen, die passen. Die Universitäten können ihren Studenten einen sicheren Weg in die Praxis versprechen.
Zum Glück gibt es inzwischen mehr als dieses eine Vorzeige-Beispiel. Master@IBM etwa heißt ein Programm des bekannten IT-Dienstleisters, es ebnet neuen Mitarbeitern den Weg in ein berufsbegleitendes Master-Studium. Die Telekom hält sich eine ganze Flotte von Hochschulen, die in die hausinterne Personalentwicklung integiert sind. Diese Vorlagen zeigen: geht doch!
Die Lehren, die wir daraus ziehen: Rekrutierung ist ein komplexes Geschäft geworden. Stellenanzeige raus, Absolventen rein, das ist die alte Welt. Die neue, die Nach-Bologna-Welt, ist komplexer geworden. Fragen Sie Ihre Einkäufer, wenn sie wissen wollen, wie man unter diesen Bedingungen Erfolg hat.
Alle Angebotsvarianten kennen, Qualität zuverlässig erkennen, Stammlieferanten aufbauen, Zulieferer prüfen und qualifizieren, verlässliche Lieferketten außerhalb des eigenen Unternehmens aufbauen – das ist die Agenda, die nicht nur für Materialbeschaffer gilt, sondern auch für Mitarbeiterbeschaffer.
Ein Hexenwerk ist erfolgreiche Rekrutierung in der neuen Welt nicht. Nur müssen beide Seiten des Marktes, Hochschulen wie Unternehmen, dazulernen. One Size fits all läuft nicht mehr. Es wird wie immer sein in Zeiten des Umbruchs: Jene, die experimentieren, die nicht fragen, sondern die Antworten selbst schaffen, werden gewinnen.
Mitarbeiter suchen und finden ist heute ein gemeinsames Produkt von Bildungs- und Arbeitswelt. Gute Rekrutierung beginnt deshalb schon vor dem Studium – und nicht erst nach dem Abschluss. Der frühe Vogel fängt den Wurm.

