von Axel Gloger
Wer mag sich heute noch an die Aktion „Bachelor Welcome“ erinnern?
Damals, vor fast sechs Jahren, wollte eine Gruppe von Unternehmen eine frohe Botschaft senden: Absolventen neuen Typs sollten mit offenen Armen empfangen werden. Inzwischen aber sind die Willkommensgrüße zu Bachelor-Master-Bologna verhallt, die Personalabteilungen zum Business as usual übergegangen – viele tun immer noch so, als hätte sich nichts geändert.
Aber das Gegenteil ist der Fall! Die Hochschulen haben ihr Stuttgart 21 schon hinter sich.
Das alte Gebäude aus Diplom- und Magister-Studiengängen wurde vom Jahr 1999 an abgerissen. Die Befürworter des Umbaus riefen „Tempo, Tempo“, weil sie die Angebote der Hochschulen im Zuge der Reform auf den ICE-Stil trimmen wollten: schneller, internationaler und standardisierter sollten sie sein.
Wie der neue Tiefbahnhof hat die Riesenbaustelle unter dem Schild „Bologna-Reform“ für die Reisenden des Hochschulsystems neue Wege geschaffen – die Mehrheit der Studenten studiert heute bereits schnell und billig.
Seit dem Start der Aktion „Bachelor Welcome“ kommen jedes Jahr mehr Absolventen neuen Typs aus den Hochschulen – 80 Prozent der Studiengänge sind umgestellt, meldet der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft.
Aber: So richtig auf „grün“ stehen die Signale für die Bachelor-Absolventen in der Berufspraxis immer noch nicht.
„Wer mit dem Abgangszeugnis in der Tasche nach einem Job sucht, trifft auf lächerlich wenig Stellenangebote“, kritisiert Prof. Christian Scholz von der Universität des Saarlandes. Er untersuchte, was die Erstunterzeichner der Bachelor-Welcome-Erklärung an Stellen anbieten.
Ergebnis: Null spezielle Angebote für den Berufseinstieg von Absolventen der neuen Express-Studiengänge, und nur 39 Angebote, die sich immerhin auch an Bachelor ohne Berufserfahrung richten.
Unternehmen mit in Summe 1.116.800 Mitarbeitern, darunter Allianz, BASF, Bilfinger, BMW, Conti, Bahn und MAN haben gerade mal drei Dutzend Angebote für den Direkteinstieg auf die Beine gestellt, die auch Bachelor-Absolventen ansprechen.
Das ermittelte der Lehrstuhl bei der Auswertung von Stellenangeboten* im Internet. Willkommensgesten sehen anders aus. (*White Paper: Christian Scholz, Stephan Buchheit, „Chancen für Bachelor: Eine Momentaufnahme“, August 2010).
Aber woran liegt das? Antwort: Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen, so sieht der Status zum Thema Bologna bei vielen Personalmanagern aus. Sie ducken sich unter dem Thema weg, zeigen eine Mischung aus Ignoranz, Nichtstun und der Hoffnung, dass doch noch alles so bleibt wie früher.
Das bestätigen die beiden Spitzenverbände der Personalmanager, die Deutsche Gesellschaft für Personalführung (DGfP) und der Bundesverband der Personalmanager (BPM).
Ich sprach kürzlich mit hochrangigen Repräsentanten beider Verbände. Tenor der Äußerungen in beiden Fällen: “Die Diskussion über das, was zu tun ist, beginnt gerade erst.” Im Klartext: Vorbereitung auf Bachelor, Master, Bologna? Fehlanzeige!
Damit sollte sich allerdings keine Geschäftsführung zufrieden geben. Denn bald kommen nur noch Abgänger der neuen Express-Studiengänge auf den Markt. Da heißt es: anpassen, anpassen. Rekrutierung, Ansprache, Einarbeitung, Entlohung, Entwicklungsprogramme – all das will nach den Anforderungen von Bologna re-formatiert werden. Eine Zukunftsaufgabe, die die Geschäftsführungen anstoßen und die HR-Ressort umsetzen müssen, und zwar bald!
Angesichts der Dringlichkeit werde ich für die nächste gedruckte Trendletter-Ausgabe eine Agenda formulieren, die einmal klar sagt, was Praktiker jetzt zu tun haben, damit sie die gerade mit viel Mühe gewonnenen Bachelor- und Master-Absolventen nicht gleich wieder verlieren. Die Analyse ist bereits in Arbeit, lesen Sie mehr in der Ausgabe Januar 2011 des Trendletter auf Seite 5 (Titel: “Bachelor-Absolventen gewinnen, binden, erfolgreich entwickeln”).