von Axel Gloger
Scheitern und Gelingen liegen bei Firmenkäufen und Fusionen eng beieinander. Zahlreiche Hürden machen den Weg zu einer erfolgreichen Firmenehe nicht einfach: künftige Ehepartner prüfen nicht, ob sie wirklich zusammenpassen. Kommunikation auf Amateurniveau irritiert Mitarbeiter. Leistungsträger gehen, weil sie sich im neuen Unternehmen nicht mehr zu Hause fühlen.
„Nur mit Planung und Disziplin lassen sich die Risiken in den Griff bekommen“, weist Analyst Thomas Lünendonk, der die Erfolgsfaktoren von M&A untersuchte, der Firmenhochzeit ohne anschließenden Todesfall den Weg. Gelungene Übernahmen wie die Fusion von VW und Audi oder Daiichi und Sankyo zeigen, dass der Weg gangbar ist – allerdings ist die Agenda nicht zwischen zwei Meetings abzuarbeiten.
Am Anfang steht das Nachdenken über die Ziele. „Unternehmen, die per Übernahme größer werden wollen, sollten sich gut überlegen, was sie damit erreichen wollen“, sagt Dr. Phoebe Kebbel, Partnerin bei Hering Schuppener und dort Expertin für M&A-Kommunikation.
Falsche oder fehlende Ziele können schnell dazu führen, dass das Vorhaben in der Daimler-Falle endet: Der Autokonzern übernahm, getrieben nur vom Geltungsstreben seines Vorstandschefs Jürgen Schrempp, den maroden Wettbewerber Chrysler. Aber das Zusammengehen der deutschen Edelschmiede mit dem fußkranken US-Hersteller funktionierte nie. Schrempps Idee vom weltumspannenden Daimer-Reich erwies sich als zu schwach, um eine Firmenehe zu tragen. Die Liaison zerbrach nach neun Jahren schwieriger Ehe.
Aus dieser Scheidung, die die Eigentümer von Daimler Milliarden Euro an Wertverlust gekostet hat, können Fusionspartner lernen: Erlaubt für eine Firmenehe sind bodenständige Ziele, die sich wirtschaftlich abbilden lassen – etwa Erschließung neuer Märkte, Ausbau von Marktanteilen, Bereinigung des Marktes.
Wenn die Hoffnungen aber allzu wolkig sind, sollte hinter das Vorhaben ein dickes Fragezeichen gesetzt werden. „Ziele wie ,Synergien‘ oder ,Kostensenkung‘ sind mit größter Vorsicht zu bewerten, manche Hoffnung kann nie in handfesten Nutzen überführt werden“, mahnt Analyst Lünendonk. Überdies warnt er vor Firmenkäufen, die nur dem Ego eines CEOs dienen – Großmannssucht sei selten ein gutes Motiv für eine Firmenehe, weil sich der Übernehmer die Braut schöner sehe, als sie ist. „Bedient das M&A-Vorhaben das Ego des Firmenchefs oder mehrt es den Firmenwert?“, das sei die Frage, die immer gestellt werden sollte, bevor weitere Schritte angegangen werden.

