Archiv für die Kategorie ‘Allgemein’

Umbruch in der Beratungswirtschaft setzt sich fort | Die Krise beschleunigt den Umbau des Consulting-Marktes | Magatrends Unternehmensberatung

Montag, 18. Oktober 2010

von Axel Gloger

So viel steht jetzt schon fest: Die Welt für McKinsey, Boston Consuling Group (BCG), Roland Berger und den gesamten Beratungsmarkt wird nie mehr so sein wie früher. Die Berater werden sich auf den dauerhaften Umbruch einstellen müssen. Sie stehen vor einer neuen Welt, die viele Vorteile für die Beratungskunden mit sich bringt und die Berater zwingt, ihr Geschäftsmodell zu überdenken und anzupassen.

Worum geht es?

  • Preise werden dauerhaft auf niedrigerem Niveau bleiben. In vielen Disziplinen sind Beraterleistungen bereits commoditisiert. Sie werden von den Kunden als relativ homogene Ware eingekauft. Es gibt ein hohes Maß an Vergleichbarkeit. Der Grad des intellektuellen Mehrwerts des Wertbeitrages, den die Berater liefern, ist begrenzt. Deshalb wird vor allem über den Preis eingekauft. Die Berater stehen unmittelbar miteinander im Wettbewerb. Marktanteilskämpfe sind heute üblich – einige Berater versuchen sich durch Kampfpreise den Zugang zu neuen Kunden zu verschaffen, was auf das allgemeine Preisniveau dämpfend wirkt.
  • Kunden kaufen Beratungsleistungen intelligenter ein. Die Schnittstelle wird nicht mehr nur vom Beziehungsmanagement der Berater geprägt, Kunden übernehmen zunehmend die Führerschaft. Sie führen Buch über die Erfolge vergangener Beratungsprojekte, halten die Ergebnisse jedes einzelnen Einsatzes nach, schaffen sich selbst durch kluge Dokumentation einen Überblick über Preise und Preisnachlässe – und setzen über Rahmenverträge, Bieterkonkurrenz und intelligente Verhandlungen ihre Einkaufsmacht ein, um bestmögliche Konditionen zu erhalten.
  • Neue Beratungsanbieter werden den Etablierten den Markt streitig machen. Auch die Nicht-Strategieberater wie Accenture, IBM oder EDS drängen in den Markt der klasssischen Management-Beratung ein. Sie kalkulieren mit niedrigeren Tagessätzen, können voll integriertes Systemwissen mitbringen (IT plus Prozesse plus Mitarbeiter plus Strategie) und haben durch ihre Größe mehr Gewicht am Markt als die klassischen Management-Berater.
  • Wachstum wird es nur noch in den Randbereichen des Marktes und mit Nicht-Konventionellen Angebotsmodellen geben.
  • Ein neuer Typ Mitarbeiter wird Zugang in die Beratungswirtschaft finden. Für commoditisierte Aufgaben beim Kunden brauchen die Berater nicht mehr den Absolventen der Harvard Business School. Die A-MBAs werden damit teilweise überflüssig, denn die Beratung von morgen ist intellektuelle Fließbandarbeit. Dafür können kostengünstiger zu unterhaltende Teams ganz normaler Hochschulabsolventen eingesetzt werden.

Diese Überlegungen führen auch zu einer veränderten Sichtweise erfolgreicher Beraterprojekte. Kunden werden ihre Anstrengungen dahingehend lenken, dass weniger Projekte als früher auf dem Friedhof der abgebrochenen, gestorbenen oder gescheiterten Consulting-Projekte landen.

Zu diesem Thema gibt es eine überzeugende Studie des Meta-Beraters Cardea, Titel: “Return on Consulting (RoC)”. Mit dem Blickwinkel der Praxis hat der Trendletter einen 6-Punkte-Plan zusammen gefasst, der Ihnen dabei hilft, Beratungsprojekte zum Erfolg zu führen. Wir haben einmal heraus gearbeitet

  1. was Beratungskunden tun sollten, die gleich am Anfang ein Signal des Gelingens setzen wollen,
  2. wie erfolgreiche Kunden den Berater so briefen, dass die angedachten Ziele erreicht werden,
  3. was Top-Manager, Geschäftsführer und Vorstände besser unterlassen wollen, wenn sie den Erfolg ihres Projektes nicht leichtfertig aufs Spiel setzen wollen und
  4. was Unternehmer gegen Berater unternehmen können, die gegen Ende des Projektes gleich einen teuren Anschlussauftrag erzwingen wollen.

Diesen 6-Punkte-Plan können Sie auf Seite 4 der November-Ausgabe in der gedruckten Ausgabe des Trendletter lesen. Bezugsmöglichkeit finden Sie hier:  (Klick!)

Der Staat greift zu | Warum Big-Government ein Dauerthema bleibt | Rechnen Sie mit zunehmenden regulatorischen Lasten

Donnerstag, 14. Oktober 2010

von Axel Gloger

Die Krise geht – der aufgeblähte, alles regelnde Staat bleibt. Das ist schon jetzt die Schlussfolgerung aus dem Krisengeschehen der letzten Jahre. Der Trend liegt auf der Hand: Big Government wird zu unserem ständigen Begleiter. Wir werden die schützende Hand des Staates nicht mehr abstreifen können. Bundesregierung und Europäische Union werden den Unternehmer-Alltag Schritt für Schritt weiter regulieren, einengen, Verbote aussprechen.

Unser Gemeinwesen wird schon bald eine Mischung aus fürsorglicher Diktatur, singapurisiertem Sozialstaat und industriepolitisch gesteuerter Wirtschaft. Das “Markt-” von “Marktwirtschaft” wird künftig weiter geschwächt.

Warum ist das so? Ausgangspunkt ist, Trendletter-Leser wissen das, die große Krise der Jahre 2008/2009. Max Otte hatte das Geschehen in seinem Werk “Der Crash kommt” mustergültig voraus gesagt. Was er aber nicht in letzter Konsequenz prognostizierte, war die rapide Zunahme des Regierungseinflusses.

Das ist vor allem ein qualitatives Thema. Die Einstellung hat sich geändert. Bis zur Krise galt: Im Zweifel soll es nicht der Staat besorgen, sondern die Privaten. Das Subsidiaritätsprinzip wurde sogar von den Sozialdemokraten akzeptiert, siehe zum Beispiel Agenda 2010.

Aber dann kam der große Wendepunkt. Die Krise kam, die Politiker zogen die Zügel an, und ließen sie seither nicht mehr los. Plötzlich sind die von der Regierung die Guten, die alles wieder richten, die interessenfrei für das größte Glück der größten Zahl sorgen. Intervention, Subvention und Regulierung, ehedem Mittel aus dem Giftschrank der Wirtschaftspoltik, haben mit einem Mal eine Generalabsoltuion erhalten.

Bedauerlich ist: Die Beweislast ist seither umgedreht. Früher galt eine Subvention im Zweifel immer als bedenklich, schädlich, zweifelhaft. Der Befürworter musste uns nachweisen, dass wir sie dennoch brauchen. Heute ist es umgekehrt. Heute müssen wir als Gegner des überbordenden Staatseinflusses Maßnahme für Maßnahme nachweisen, dass sie nicht gut, sondern per se zweifelhaft sein kann.

Trendletter-Einschätzung aus Unternehmer-Sicht: Auch wenn es aussichtslos erscheint, sollten wir nicht locker lassen – und die Gegenpositon formulieren. Wir sollten auf die Grenzen des Staatseinflusses aufmerksam machen. Wer, wenn nicht wir, sollte alte und bewährte Werte wie Freiheit, Selbstverwirklichung, Eigenverantwortung und Verantwortung für das Gemeinwesen, Pflichtbewusstsein und langfristiges Denken hoch halten?

Deutsche Unternehmen als Demographie-Pioniere | Neue Quelle von Wettbewerbsvorsprung | 4. Villa Mumm-Konferenz

Montag, 11. Oktober 2010

von Axel Gloger

Deutschland ist wieder einmal Vorreiter. Unsere Unternehmen sammeln jetzt Erfahrung mit einem Thema, das schon morgen die ganze Welt betreffen wird. Nein, wir meinen in diesem Falle nicht die grüne Wirtschaft, sondern die alternde Gesellschaft. Wir sind Vorreiter zu einem scheinbar tristen, undynamischen Thema: Die Menschen werden immer älter, sie bekommen immer weniger Kinder, der Wohlstand nimmt gleichzeitig stark zu. Das haben wir in den letzten 50 Jahren durchgemacht, alle, wirklich alle anderen Länder der Welt werden uns folgen.

Es ist nicht mehr eine Frage des Ob, sondern allenfalls noch eine Frage des Wann.

Auf diesen Zusammenhang machte uns die 4. Villa Mumm-Konferenz aufmerksam, die die Fondsgesellschaft Fidelity Investments dieser Tage in Kronberg veranstaltete.

Danach darf sich Deutschland durchaus als Pionier begreifen. Wir haben, neben Japan, die größten und längsten Erfahrungen mit der alternden und schrumpfenden Gesellschaft. Unsere Unternehmen haben schon gezeigt, wie die Transformation mit alternden Belegschaften und Gesundheistmanagement nachfragenden Mitarbeitern zu bewältigen ist, und was zu tun ist, wenn Produkte für Märkte zu entwickeln sind, auf denen die Zielgruppen massiv altern.

All das sollten wir aus diesem Grund nicht als Last, sondern als intellektuelles Kapital ansehen. Wir sind gut ausgestattet für eine Welt, in der das, was wir schon hinter uns haben, auch auf viele andere Länder zukommen wird.

Der Statistiker und Bevölkerungswissenschaftler Herwig Birg wies das in seiner Analyse, die er auf der Villa Mumm Konferenz vortrug, eindrucksvoll nach. Demnach gibt es für alle Kontinente nur eine Entwicklungsrichtung: zunehmende Lebenserwartung, weniger Geburten, wachsender Wohlstand. Ein Indiz von vielen: Die Kinderzahl pro Frau hat sich weltweit seit 1960 von seinerzeit 5 auf heute 2,5 halbiert. Dieser Trend wird sich fortsetzen.

Was bedeutet das für Unternehmen aus Trendletter-Sicht? Wir werden all das, was wir in den letzten beiden Dekaden im Umgang mit einer rapide alternden Gesellschaft gelernt haben, als Exportschlager nutzen können. Alternde Märkte, alternde Mitarbeiter und schrumpfende Jugendmärkte, all das kennen unsere Unternehmen schon, während es viele Unternehmen im Ausland erst schmerzvoll lernen müssen.

Die Aufgabe lautet deshalb: Wie können wir aus unserem Wissen, das wir exklusiv haben, einen Wettbewerbsvorsprung entwickeln? An der Antwort auf diese Frage werden sich erfolgreiche Unternehmen von morgen messen lassen müssen – auch aus der Sicht von Investoren übrigens.

Politiker verstehen nichts von Zukunft | Im Politik-Geschäft zählen künftig nur noch Gesichter | Das Zeitalter der austauschbaren Inhalte

Donnerstag, 07. Oktober 2010

von Axel Gloger

Politik ist ein inhaltsfreies Geschäft. Sie handelt nach den Opportunitäten des Tages, eine Strategie gibt es nicht. Die Veränderungskräfte in Wirtschaft, Unternehmen und Gesellschaft spielen keine Rolle, weil die Politik kein Verständnis dafür aufbringt. Die Welt von morgen mit Wikinomics, iPad, dem Vormarsch der virtualisierten Echtzeit-Märkte spielt in ihren Augen keine Rolle.

All das, so scheint es, sind die üblichen Vorurteile, die gegenüber Repräsentanten wie Angela Merkel, Guido Westerwelle oder Frank-Walter Steinmeier vorgebracht werden. Politik, so scheint es demnach, ist nicht zukunftstauglich, zukunftsfähig, und sie gestaltet Zukunft zu wenig.

Wer für all das aus Unternehmer-Sicht eine Bestätigung sucht, findet diese auch. Beispiel: Dieser Tage lädt der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) zu seiner Jahreskonferenz ein. Ein Unternehmertag. Datum: 20. Oktober 2010. Das Thema könnte allgemeiner nicht gewählt sein: “Deutschland – europäischer Partner in der Welt.”

Was aber wirklich erstaunt: Politik ist tatsächlich ein inhaltsfreies Geschäft geworden. Was können wir als Unternehmer noch erwarten, wenn sich niemand mehr eine Agenda stellen will? Sehen Sie selbst auf das Programm:

Bundeskanzlerin Merkel spricht zum Thema “Wirtschaftspolitische Grundsatzrede”, SPD-Obermann Sigmar Gabriels Thema ist “Grundsatzrede zur aktuellen Politik”, Guido Westerwelle spricht zum Thema “Vortrag”.

Nein, das ist jetzt keine Parodie. Das sind die Agenda-Punkte aus dem Original-Programm dieses Verbandstages. Ein Unternehmertag mit Personen, die jeder kennt, aber ohne Inhalt.

Damit wird uns hier noch weniger geboten als in den üblichen Talkshows. Keine interessante These mehr, keine programmhafte Aussage, die uns in irgendeine Zukunft lenken soll. Das Gesicht, die Person, ist offenbar die Hauptsache, für mehr reicht es nicht mehr. Sollen wir aber wirklich so tun, als gäbe es keine Aufgaben mehr, als ginge es in der Politik, die schließlich unser aller Sache ist, nur noch um die Zurschaustellung der wichtigsten handelnden Personen, die offenbar keine Absichten haben?

Trendletter-Einschätzung: Sorgen Sie in Ihrem Verband dafür, dass seine Pipeline mit Inhalten befüllt wird. Melden Sie sich zu Wort, bestimmen Sie die Agenda und sorgen Sie dafür, dass die brennenden Themen aufgegriffen werden. Aus Unternehmer-Sicht gibt es mehr als genug zu tun, nutzen Sie deshalb Ihre Chance jetzt. Das ist allemal besser, als sich hinterher über etwaige Versäumnisse zu beklagen.

Wichtigstes Megathema aus Unternehmer-Sicht: Big Government. Trendletter-Leser kennen die Risiken, wir haben in der gedruckten Ausgabe oft auf die Folgen hingewiesen – und gesagt, womit speziell Unternehmer rechnen sollten. Prüfen Sie aus Ihrer Sicht, wo Regierungseinfluss zuzunehmen droht, wo Intervention der neuen Art Ihr Geschäft erschwert und wo sich Bürokraten in das Geschehen einmischen, das eigentlich in den Händen der Unternehmer liegen sollte.

Sofortmaßnahmen gegen die weitere Alterung der Bevölkerung | Weg aus der Demographie-Falle | Beitrag der Unternehmer | 4. Villa Mumm-Konferenz

Montag, 04. Oktober 2010

von Axel Gloger

Was können Unternehmer und Politik tun, um den weiteren Absturz der demographischen Entwicklung abzumildern und den Beginn einer Umkehr einzuleiten?

Klar ist: Die ungeborenen Kinder und Eltern der Vergangenheit werden uns auch weiter fehlen. An diesen Fakten ist nichts mehr zu ändern. Aber wir können mit einigen Sofortmaßnahmen heute beginnen und so dafür sorgen, dass einige negative Einflüsse, die zu einer verschlechterten demographischen Lage geführt haben, in Zukunft nicht mehr weiter andauern werden.

Einige aus Trendletter-Sicht sinnvolle und auch für Unternehmer bedeutsame Antworten gab die 4. Villa Mumm-Konferenz, die die Fondsgesellschaft Fidelity Investments in Kronberg dieser Tage durchführte.

Die Maßnahmen gegen den Bevölkerungsschwund:

1. Eltern bevorzugen bei Neueinstellungen. Fakten: Jeder 4. Arbeitsplatz wird jedes Jahr in Deutschland neu besetzt. Diese natürliche Fluktuation bietet einen Ansatzpunkt für eine schnell wirksame, einfache Maßnahme: Mitarbeiter mit Kindern werden bei Neueinstellungen bevorzugt. Damit würde der Kinderlosigkeit als kulturellem Standard in vielen Unternehmen entgegengewirkt. Sobald es zur Normalität im Arbeitsleben gehört, dass Mitarbeiter, die Eltern sind, die Kultur prägen, werden auch familienfeindliche Praktiken aus dem Arbeitsleben verdrängt.

2. Bevölkerungspolitik ist Staatsziel. Das wäre eine komplette Aufwertung dieses Ziels. Denn derzeit ist es ein Ziel allenfalls des einflusslosen Familienministeriums, bei Zielkonkurrenz wird das Ziel Bevölkerungspolitik meist zugunsten anderer Ziele aufgegeben. Das sollte in der Form künftig nicht mehr möglich sein – warum gibt es nur einen milliardenschweren Bankenrettungsfonds, aber keinen Bevölkerungsrettungsfonds, der mit reichlich Intelligenz, Realisierungskraft und Geldkapital ausgestattet werden sollte?

3. Höhere Löhne für Familienväter/Familienmütter.

4. Familiensplitting statt Ehegattensplitting. Diese Praxis des Steuerrechts gibt es zum Beispiel in Frankreich. Sie würde dazu führen, dass Familien mit Kindern steuerlich deutlich besser gestellt werden. Wir würden so erreichen, dass es eine Automatik gibt, die verhindert, dass mehr als zwei Kinder zu einem Armutsrisiko in Familien mit mittlerem und geringem Einkommen werden. Überdies würde das Familiensplitting dazu führen, dass die Opportunitätsskosten einer größeren Familie (Verzicht auf Einkommen wegen Kinderbetreuung durch ein Elternteil) deutlich sinken würden. Das ist zwar nur ein ökonomisches Kalkül – aber auch dieses fließt in die Überlegungen und Planungen junger Paare ein, wenn auch meist unausgesprochen.

Trendletter-Hinweis: Diese Agenda wurde durch den Bevölkerungswissenschaftler und Statistiker Herwig Birg (Emeritus Universität Bielefeld) auf der Villa Mumm-Konferenz vorgestellt und mit Überlegungen des Trendletter ergänzt.

Der Vormarsch der iPad-Universität und seine Folgen | Teil 3/3

Montag, 23. August 2010

von Axel Gloger

Natürlich verändern diese Formate auch die Art und Weise, wie Trainer und Weiterbildungsanbieter wirken werden. Alle Spieler auf der Angebotsseite werden sich auf die neuen Bedürfnisse einstellen müssen – die zentrale Frage lautet: Kann der zu übermittelnde Inhalt in ein für digitale, zeit- und ortsversetzte Verbreitung geeignetes Format  überführt werden?

Oft muss der zu übermittelnde Stoff radikal auf den wesentlichen Nutzen reduziert werden. Überdies muss sich der Übermittler auch den Gewohnheiten des Online-Publikums anpassen, das heißt: Das Angebot muss so präsentiert sein, dass es von den gängigen Suchmaschinen gefunden werden kann. Außerdem will der Lernende oft nur  eine Light-Version des zu vermittelnden Stoffs, Anspruch: Nutzen ja, aber bitte nicht zu anstrengend.

Deshalb wird es in Zukunft eine neue Aufgabe von Weiterbildungsanbietern sein, den Performance-Charakter ihres Stoffs so zu stärken, dass die Teilnehmer bis zum Schluss dranbleiben. Weiterbildung wird damit auch zur Heiterbildung – der Erwerb neuen Wissens darf nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Erwachsenen Spaß machen. Das mag zwar für manchen Personalmanager eine abwegige Vorstellung sein, aber die Neupositionierung des Lernens wird kommen und sie wird notwendig sein.

Anders als durch die Aufladung mit positiven Werten wie „Spaß“ und „Coolness“ wird es nicht gelingen, den  Wettbewerbsvorsprung durch Wissen in einer alternden Arbeitnehmerschaft zu sichern. Dieter Rohrmeier, der an der Hochschule der Sparkassen-Finanzgruppe lehrt, sagt zu recht: „Wir sind verurteilt zum lebenslangen Lernen. Das Thema sollte positiv besetzt sein. Wir brauchen Lust auf Lernen.“

Die Vorgehensweise für Trainingsanbieter und Weiterbildungsdienstleister, die sich aus diesen Entwicklungen ergibt, ist alternativlos. „Digital native werden oder digital naiv bleiben“, so lautet das Mantra.

Es gilt die Energien, die aus dieser zwangsläufigen Weiterentwicklung entstehen, für seine Zwecke zu nutzen. Deshalb sollten die anstehenden Veränderungen pionierhaft für neue Angebote genutzt werden, denn wer in der alten Welt verharrt, wir bald zu den Gestrigen gehören. Zwar wird das Klassenraum-Training nicht aussterben, aber es bekommt durch den Vormarsch der iPad-Universität eine neu gewichtete Rolle. Jeder Trainingsanbieter tut gut daran, sich auf die zunehmende Diversität der Verbreitungsformate einzustellen.

Der Vormarsch der iPad-Universität und seine Folgen | Teil 2/3

Donnerstag, 19. August 2010

von Axel Gloger

Allein die zeitliche Vorteilhaftigkeit der neuen Lernmedien wird ihre weitere Verbreitung stark befördern. Das Gesetz des ökonomischen Nutzens wird diesen Formaten zur Geltung verhelfen, und zwar selbst dann, wenn es gegenüber den konventionellen Lernformaten Qualitätsnachteile geben sollte.

Das zeigt die Erfahrung aus vielen anderen Anwendungsfällen: So konnte auch das körperlose mp3-Format die CD und die Schallplatte verdrängen, obwohl die Tonqualität des rein digitalen Formats der Musikspeicherung wegen der nötigen Datenkompression schlechter ist als jene bei körperlichen Speichern. Was zählt, sind Tempo, Verfügbarkeit und Miniaturisierung.

Als Beschleuniger dieser Entwicklung werden sich einige neue Technologien erweisen. So wird sich das iPad als eine Schlüsseltechnologie auch für das Lernen von morgen erweisen.

Der iPad von Apple und die Weiterentwicklungen und Kopien der konkurrierenden Anbieter auf diesem Markt werden bald für massenhafte Verbreitung in den relevanten Zielgruppen sorgen und damit den Verhaltensstandard von morgen prägen. Die Basisfunktionen des iPad werden das Lernen losgelöst von örtlicher und zeitlicher Präsenz ermöglichen – der mobile Internet-Zugang, die Speicherfähigkeit, die Verarbeitung von Video, Text und Audiodateien, die akzeptable Größe des Bildschirms und die Unabhängigkeit vom Stromnetz werden sich als Enabler des zeitversetzten Lernens ohne Klassenraum erweisen.

Hier zeigt sich eine bemerkenswerte Entwicklung. Konzepte und Technologien für das Lernen mittels digitaler Medien sind schon seit vielen Jahren am Markt. Die Weiterbildungsbranche hat bereits einschlägige Erfahrungen mit den Formaten gewonnen, allerdings noch keine Durchbruch-Applikation hervor bringen können.

Den endgültigen Schritt zu einer massentauglichen Anwendung ermöglicht erst das iPad, weil es eine akzeptierte technologische Plattform etabliert hat und durch einfache Bedienung eine Alltagstauglichkeit erreicht, die erst das Erschließen großer Nutzerzahlen ermöglicht. Insofern wird die im Jahr 2010 erfolgte Lancierung des neuen Zugangsgeräts zur Folge haben, dass auf dem Markt für digitales Lernen eine sprunghafte Weiterentwicklung stattfinden wird. Stark unterstützend wirkt das überlegene und von den meisten Nutzern als attraktiv empfundene Design dieses Zugangsgeräts.

Wie wirksam die neue Technologie die Etablierung neuer Standards vorantreibt, zeigt der Vormarsch der Anleitungsfilme im Netz. Eine wachsende Zahl von Angeboten bedient die Interessen von Lernenden, die sich über Themen fast beliebigen Inhalts informieren wollen und an nicht mehr als einer Kurzlektion interessiert sind. Diese Interessen werden von spezialisierten Internet-Diensten bedient, die kurz laufende Videos (ca. 3 bis max. 8 min.) anbieten und die Auswahl des gewünschten Stoffes über eine interne Suchmaschine automatisieren. Dieses Material steht kostenlos zur Nutzung zur Verfügung, über ein mobiles Endgerät kann es von jedem Ort zu jeder Zeit abgerufen werden.

Der Vormarsch der iPad-Universität und seine Folgen | Teil 1/3

Montag, 16. August 2010

von Axel Gloger

Der große Meister des modernen Managements hat immer noch Prägekraft: Jack Welch war von 1981 bis 2001 CEO von General Electric, in dieser Zeit prägte er einen Management-Stil, der auch von vielen anderen Unternehmen den Charakter einer Benchmark hatte und häufig nachempfunden wurde: Er orientierte seine strategische Zielausrichtung am Firmenwert („Shareholder Value“) und achtete auf ein leistungsorientiertes Talent- und Mitarbeitermanagement.

Überdies galt er schon zu seiner Wirkungszeit an der Spitze von General Electric als Pionier der Weiterbildung. So richtete er die Firmenuniversität in Crotonville auf strategische Wertbeiträge aus und nutzte sie als Kaderschmiede für den gesamten Konzern. Auch diese Praxis wurde von vielen anderen Unternehmen übernommen.

Auch nach Ende seiner Karriere bei GE prägt Welch die Benchmarks in der Weiterbildung: Er beteiligte sich mit einer Investition von 2 Millionen Dollar an der Chancellor University. Dieser kommerzielle Bildungsanbieter ist aus der Myers University in Cleveland im US-Bundesstaat Ohio hervorgegangen, seine Aktivitäten liefern eine Vorlage für das Programm vieler Bildungsanbieter von morgen: Die Kurse und Studiengänge, darunter ein MBA-Lehrgang, sollen vornehmlich online angeboten werden.

Die Hochschule ohne Hörsäle steht als Denkmodell hinter dieser Neuorientierung, denn der Online-Bildungsmarkt wächst nach einer Untersuchung von EduVentures, einem Research-Dienstleister mit Sitz in Boston, deutlich schneller als der sonstige Bildungsmarkt. Vor allem jüngere Teilnehmerzielgruppen wenden dieses Bildungsformat bevorzugt oder sogar ausschließlich an.

Dies ist nur ein Indiz für einen größeren Trend: Die Verbreitung des Internet wird weltweit weiter zunehmen. Von derzeit 1 Mrd. Teilnehmern wird das Internet auf 4 Mrd. Teilnehmer im Jahr 2020 expandieren. Gleichzeitig werden auch immer ausgereiftere Lernsysteme zur Verfügung stehen, die das Online-Lernen besser verfügbar, effizienter und dem menschlichen Lernverhalten angepasster machen.

Allein diese beiden Entwicklungen werden das Lernen am PC oder an mobilen Endgeräten weiter beflügeln, denn mit der entsprechenden Entwicklung der Technologie und ihrer zunehmenden Verbreitung wird ein altes Problem der beruflichen Weiterbildung gelöst: Der Imperativ der Gleichzeitigkeit stirbt. Wissensbereitstellung und Wissensvermittlung müssen nicht mehr länger zur gleichen Zeit erfolgen. Damit ist Weiterbildung im gleichen Entwicklungsstadium angekommen wie die allgemeine Kommunikation: persönlicher Kontakt ist für den Erfolg nicht mehr vonnöten, auch kein gleichzeitiger Kontakt. E-Mail und Messaging-Services haben die Kommunikation von der Notwendigkeit der Gleichzeitigkeit entbunden und damit schneller und effizienter gemacht.

Dasselbe passiert mit dem Lernen durch die E-Learning-Formate. Das Wissen kann zu einer beliebigen Zeit bereitgestellt und danach zu einer beliebigen Zeit vom Lernenden abgerufen werden, damit wird das Lernen von den Begrenzungen durch Zeit und Raum entkoppelt.

Procurement Universities | Die neue Rolle der Einkäufer | Teil 2/2

Donnerstag, 12. August 2010

von Axel Gloger

So richtig bewusst wurde den Firmen der Wert ihrer Einkäufer in der Krise 2008/2009, als allerorten jeder auszugebende Cent zweimal umgedreht wurde, weil wegen des Einbruchs der Nachfrage Umsätze ausblieben und alle Möglichkeiten genutzt werden mussten, um die Kosten zu drücken. „Einkaufskosten kurzfristig senken, Liquidität freisetzen“, beschreibt Gerd Kerkhoff, Gründer und Geschäftsführer des Beschaffungsoptimierers Kerkhoff Consulting die Agenda, an denen Einkäufer und Berater während der Krise fieberhaft arbeiteten.

Sie jagten nach den so genannten „Quick Wins“, den schnellen Vorteilen, die den Unternehmen in Form ersparter Ausgaben zusätzlichen finanziellen Spielraum verschaffen sollten. Sie haben viele Verträge mit den Lieferanten der Kunden binnen weniger Wochen neu verhandelt. Überdies wurden Lieferketten stabilisiert, in Zeiten der lagerlosen Produktion eine überlebenswichtige Aufgabe.

Mit dem Kraftakt, den sie während der Krise gestemmt haben, zeigten die Einkäufer: Wir können mehr, wenn man uns nur lässt.
Die Bewährung in der Krise verstärkte in vielen Unternehmen den Wunsch, die Leistung ihrer Procurement-Ressorts, wie die Abteilungen in der internationalen Management-Sprache heißen, weiter aufzurüsten.

Das Ziel war dabei klar vor Augen. „Der Einkäufer soll nicht mehr nur derjenige sein, der nach der kostengünstigsten Quelle jagt und die Preise überall noch ein paar Prozente herunter handelt“, beschreibt Berater Gerd Kerkhoff die Transformation, „in Zukunft sollen die Beschaffer in den Unternehmen die gesamte Wertkette so optimieren, dass dem Unternehmen daraus ein Maximum an Nutzen entsteht.“

Der Einkäufer von morgen bewältigt einen großen gedanklichen Spagat, der vom Rohstoffeinkauf und dem Bezug von Halbfertigwaren und Dienstleistungen über die Fertigung bis zum fertigen Produkt reicht, das dem Kunden übergeben wird.

Ohne intellektuelle Aufrüstung geht das nicht, so viel haben die Unternehmen schnell festgestellt. „Wer den Super-Einkäufer will, muss in die Köpfe investieren“, so lautete das Credo der Preisverleihung an die besten Einkaufsressorts. Diese neue Denkweise freilich fordert einiges Umdenken in der Weiterbildung.

Denn wann immer in der Vergangenheit der warme Regen von Kursen und Trainings über die Fachbereiche in der Firma niederging, stand das Einkaufsressort im Trockenen. Mitarbeitern aus dem Vertrieb wurden ebenso in die Weiterbildung einbezogen wie talentierter Nachwuchs und Marketing-Manager. Dass die Beschaffer auch lernen sollten, daran dachte über Jahre kaum jemand.

Bei den Pionier-Anwendern der neuen Weiterbildungskonzepte aber hat sich das geändert, und zwar so gründlich, dass manches erneuerte Beschaffungsressort nicht wieder zu erkennen ist – denn wenn Procurement einmal in den Genuss einer Aufbauleistung durch neues Knowhow kommt, wird gleich mit großer Kelle angerührt.

Hier tun es nicht drei Trainertage mit einer kleinen Follow-up-Session, nein, die Firmen nehmen gleich sechs- und siebenstellige Eurobeträge in die Hand, lassen Teilnehmer in Hundertschaften antreten, um ihre Einkäufer mental für die neuen Anforderungen fit zu machen: Procurement Universities sind regelmäßig Projekte, in denen nicht gekleckert, sondern geklotzt wird.

Begünstigt wird das durch den schnellen Rückfluss der investierten Mittel. Eine Procurement Uni rechnet sich meist schon im zweiten Betriebsjahr, die Optimierungsgewinne übersteigen die Kosten der Weiterbildung deutlich.

Diese Entwicklungen zeigen: Der Weiterbildungsmarkt für den Einkauf befindet sich derzeit im Aufbruch. Die Unternehmen beginnen, ihre Beschaffungsfunktion aufzuwerten – der uralten Erkenntnis „Im Einkauf liegt der Gewinn“ wird damit endlich zur mehr Geltung verholfen.

Damit ergeben sich auch neue Chancen für Trainer, denen es gelingt, auf die Besonderheiten dieses Marktes einzugehen. Bis freilich regelmäßige Trainings im Einkauf überall so selbstverständlich sind wie im Vertrieb, wird noch einige Zeit vergehen. Aber ein Anfang ist gemacht.

Procurement Universities | Die neue Rolle der Einkäufer | Teil 1/2

Montag, 09. August 2010

von Axel Gloger

Die Firmen-Universität hat eine kleine Schwester bekommen – die Procurement University. Diese nur auf Beschaffungsthemen spezialisierte Bildungsstätte ist bei einigen weltweit tätigen Konzernen bereits im Betrieb, beim Nahrungsmittel-Multi Nestlé etwa, beim Flugzeugbauer Airbus und dem Telekom-Konzern Swisscom, ebenso beim Elektrokonzern Siemens und der Deutsche Post AG.

Das Besondere dieser Einrichtungen: Hier drücken ausschließlich Einkäufer die Schulbank, jene Manager, die jeden Tag die Zulieferer ihrer Unternehmen aussuchen und steuern. Für Trainer ergibt sich in diesen noch jungen Schulungsstätten ein neues Einsatzfeld: Sie haben die Aufgabe, die Einkäufer zu Themen wie Verhandlungsführung, Wertkettenmanagement und Prozessverbesserung aufzurüsten.

Seit der Jahrtausendwende wächst dieses neue Weiterbildungsthema heran, es blieb allerdings über viele Jahre vor den Augen der Öffentlichkeit verborgen. Nur wirkliche Insider wussten von dem neuen Trend – die Procurement Universities waren ein kleiner, feiner Markt, den außerhalb der Disziplin kaum jemand kannte.

Das änderte sich erst Ende vergangenen Jahres: Die European Business School (EBS) schob den neuen Typ Firmen-Bildungsstätte ins Rampenlicht – ihr auf Einkauf spezialisiertes Supply Chain Management Institute (SMI) schrieb einen weltweiten Wettbewerb aus. Ziel: Die besten Weiterbildungseinrichtungen für Einkäufer sollten gesucht, prämiert und präsentiert werden.

Am 30. September 2009 wurden die Scheinwerfer angeschaltet – Siemens gewann die Goldmedaille im Wettbewerb „Talents in Supply Chain Management“, Projektleiter Thomas Holzner konnte symbolisch auf das Siegertreppchen steigen und für sein Team die Auszeichnung entgegen nehmen. Silber ging an Nestlé, Bronze an Swisscom und US Postal Service.

Diese kleine Weltmeisterschaft läutet eine Trendwende ein. Sie hebt das Einkaufsressort aus der hinteren Ecke der Organisation. Seine Mitarbeiter sind nicht mehr länger die grauen Mäuse, für die sich keiner so recht interessiert.

Die Einführung der Procurement Universities und ihre erstmalige Prämierung ist das deutlichste Zeichen dafür, dass die Einkäufer jetzt auf der großen Bühne mitspielen sollen: „Sie gestalten Strategie, steigern den Unternehmenswert, leisten Gewinnbeiträge“, beschreibt Sven Marlinghaus, Partner beim Beschaffungsoptimierer BrainNet, die neue Rolle der Einkäufer, die fortan Beschaffungsketten optimieren und damit Wertbeiträge leisten sollen, die dem gesamten Unternehmen nutzen.

Damit legen die Beschaffer die Ärmelschoner ab und lassen ihre Rolle als Handlanger im Bestellwesen und Preisdrücker in der Vergangenheit zurück.