Archiv für die Kategorie ‘Allgemein’

Neue Wettbewerbsfaktoren: Zeitverbrauch des Kunden, Seelenfrieden

Donnerstag, 09. Dezember 2010

von Axel Gloger

In der Service- und Wissensgesellschaft ordnen sich die Präferenzen der Kunden neu. Darauf sollten sich Unternehmen heute schon einstellen.

Wie wird das Kundenverhalten neu geprägt?

Wissensarbeiter leben in einem ständigen Zustand der latenten Über-Information. Die Agenda des typischen Tages ist geprägt durch 24/7-Erreichbarkeit, eine ständige Vermischung von Arbeit und Privatleben und wertschöpfender Wissensarbeit an wechselnden Orten – teils im Büro, teils unterwegs. Freie Zeit-Slots im eigentlichen Sinne gibt es nicht mehr.

Diese Kunden haben ein neues Set von Erwartungen gegenüber Unternehmen, die ihnen Produkte und Dienstleistungen anbieten.

Worauf sollten sich Unternehmen, die in diesem komplexen Umfeld agieren, einstellen?

  1. Neuer Wettbewerbsfaktor: Seelenfrieden. Im englischsprachigen Raum gibt es dafür den schönen Begriff “hazzle free”. Das heißt: Der Kauf des Produktes oder der Dienstleistung soll schnell und vor allem stressfrei ablaufen. Kennzeichen: Der Kunde kann in einer Transaktion alles erledigen. Er muss keine überflüssigen Fragen beantworten. Das Unternehmen wälzt   n i c h t   einen Teil der Wertschöpfung (Arbeit!) auf den Kunden ab.
  2. Neuer Wettbewerbsfaktor: Zeitverbrauch beim Kunden. Das Angebot sollte immer sofort und ohne Zeitverzug zugänglich sein. Wartezeiten und Warteschlangen werden nicht geduldet. Der Kunde will nicht einen versteckten Preis in Form von unnötigen Zeitverbrauch bezahlen.
  3. Neuer Wettbewerbsfaktor: Emotions-Design. Das Unternehmen hat zwei Aufgaben: 1) Eine Leistung erbringen, die dem Kunden nützt. 2) Diese Leistung in einen Strom positiver einbetten. 3) Negative Erfahrungen gezielt eliminieren.

Es wäre nach diesen Prämissen nicht abwegig, das Ressort eines Chief Emotions Officers zu schaffen – ein Mitglied der CXO-Riege, das sich speziell der Gestaltung der Kundenerfahrung widmet. So werden die Wettbewerbsvorteile von morgen realisiert.

Neu ist die Verschiebung der Arbeitsfelder: Es geht nicht mehr um die Gestaltung der Leistung. Diese ist in vielen Fällen, gerade bei deutschen Unternehmen, speziell Hidden Champions, perfekt. Sondern es geht um die Gestaltung des Zugangs, des Umfelds des Kaufs, der Abwicklung, der Auftragserteilung und der Erreichbarkeit sowie der Kommunikation.

Wo können Unternehmer lernen, worum es bei Emotions-Design geht?

Verzichten Sie auf den teuren Kurs an einer Business-School oder einer MBA-Schule. An der ESMT oder der Harvard Business School können Sie das zwar sicher auch lernen. Aber es geht auch sehr viel direkter – die Praxis ist voll von direkt erlebbaren Fallstudien, die zeigen, worum es beim Wettbewerbsfaktor Seelenfrieden des Kunden und dem Wettbewerbsfaktor Zeitverbrauch des Kunden geht.

Wonach sollten Sie schauen? Beispiele:

> Geben Sie ein Paket bei einer Postfiliale auf. Studieren Sie den Prozess. Bilden Sie sich ein Urteil über die Gestaltung des Service-Ablaufs, die Effektivität des Mitarbeiter-Einsatzes. Hier finden Sie reichlich Material – durch schlechtes Beispiel. Der Service in den Post-Filialen ist oft mangelhaft. Überlange Warteschlangen, wie wir sie eigentlich nur aus der DDR kennen. Die Aufgabe eines Pakets bei der Post, eine Transaktion, die 2,5 Minuten dauert, erfordert eine Wartezeit von 25 Minuten. Die Mitarbeiter sind schlecht geschult. Dienstleistungs-Qualität ist offenbar nicht der Fokus ihrer Arbeit (Referenz: Post-Filiale Rathausstraße 5, 10178 Berlin).

> Beobachten Sie beim nächsten Auftrag an die Telekom den Ablauf des Service-Prozesses.  Bei der telefonischen Auftragsvergabe wird Gerät A empfohlen, weil sonst die Anwendung nicht läuft. Eine erneute Kontaktaufnahme ergibt, dass das Gerät A nicht erforderlich ist. Der Techniker, der später zur Installation kommt sagt, es werde Gerät B gebraucht. Der Kunde geht in den T-Punkt. Es heißt nun: Gerät B sei nicht geeignet. Es sei Gerät C zu verwenden.

Das sind nur zwei von vielen weiteren Beispielen. Sie alle haben eines gemeinsam: Sie sind in der Alltagspraxis der Unternehmen jeden Tag erlebbar. Um hier wertvolle Informationen für Ihre Praxis zu erhalten, brauchen Sie weder einen teuren Unternehmensberater noch das Wissen einer MBA-Schule – denn es zeigt sich wieder einmal: Viele Führungsthemen der Zukunft sind über den gesunden Menschenverstand zugänglich und lösbar.

Dazu diese Regeln für Ihr Umsatz-Erfolgs-Management von morgen:

  1. Beobachten Sie die Leistungen anderer Unternehmen mit den Augen des Kunden.
  2. Überlegen Sie ständig, welche Schlussfolgerungen Sie für Ihre Arbeit aus diesen Beobachtungen ziehen können. Der Alltag ist das ergiebigste Lernfeld.
  3. Nehmen Sie auch gegenüber den Leistungen ihres eigenen Unternehmens die Rolle des Kunden ein.
  4. Falls Ihnen das nicht gelingt, lassen Sie es Dritte erledigen. Verpflichten Sie diese, Ihnen sehr genau von ihren Beobachtungen zu berichten. Die authentischen Erfahrungen (Was hat funktioniert? Was hat nicht funktioniert? Was hat zu lange gedauert?) sollten für Sie eine wichtige Quelle für strategische Informationen sein!

Aus den Erfahrungen, die wir alle etwa mit Post, Telekom und auch Bahn gewinnen, zeigt sich: Offenbar ist es in großen Unternehmen besonders schwer, eine konsistent gute Kunden-Erfahrung zu erzeugen. Wann setzen Sie Ihren Chief-Emoitons-Officer ein?

Trendforum 2010 | Die wichtigsten Ergebnisse aus Unternehmer-Sicht | Smart Citys, netzbasierte Gesellschaft, Neuro-Marketing (1/2)

Donnerstag, 25. November 2010

von Axel Gloger

Eine der wichtigsten Zukunftskonfernzen auf dem deutschen Markt ist das Trendforum. Es fand dieses Jahr als “Trendforum 2010” statt. Ich habe die Veranstaltung eröffnet und moderiert. Hier die wichtigsten Ergebnisse aus Unternehmer-Sicht (Teil 1/2):

1. Junge Konsumenten denken anders. Sie interessieren sich für die vollen Kosten der Produkte und Dienstleistungen, die Unternehmen anbieten – unabhängig vom Preis. Wenn das Unternehmen keine Transparenz bietet, verschaffen sich die Konsumenten diese selbst.

2. Resilient Design wird ein Zukunftsthema. Kunden von morgen erwarten Nachhaltigkeit, umweltschonende Produktion, Langlebigkeit und durchdachte Gestaltung.

3. Die Stadt von morgen spielt sich nicht nur auf Facebook oder Xing ab. Virtuelle Kontakte können reale nicht ersetzen. Der urbane Raum wird seine Rolle als Lebensmittelpunkt, öffentliche Plattform und Begegnungsfeld behalten. Das stützt die Renaissance der Innenstädte – und die Stärke des Konzepts Stadtkern.

4. Die smarte Stadt verlangt nach neuen Lösungen. Wachsende Städte entwickeln sich zu metropolitanen Stadtlandschaften. Dieser Ballungsraum des 21. Jahrhunderts wird ein neuer Megamarkt für seine Gestalter. Verkehr, Logistik, Infrastruktur und Telekommunikation sowie Datennetze wollen an die neuen Verhältnisse angepasst werden. Hier ergeben sich neue Chancen für Unternehmen, die in diesen Geschäften tätig sind.

5. Die Industrie bleibt – und mit ihr die industrielle Arbeit. Von einem Aussterben der Industrie kann auch in der wissensbasierten Netzwerkgesellschaft nicht die Rede sein. Industrielle Arbeit mit ihren besonderen Erfordernissen hinsichtlich des Einsatzes von Körperkraft, der Notwendigkeit der Anwesenheit zu vorgegebenen Zeiten und der eingeschränkten Selbstständigkeit der Arbeitenden wird es auch weiter geben.

6. Niemand, der verreist, nimmt heute ein TV-Gerät mit auf die Reise. In jedem Hotelzimmer der Welt steht ein Fernseher. In Zukunft wird auch niemand mehr einen Computer, Laptop oder ein iPhone dabei haben. Denn der Zugang zum Netz wird bald so ubiquitär zur Verfügung stehen wie heute TV-Geräte in Hotels.

7. Privacy, Privatheit, wird zu einem neuen Markt. In Zeiten der Überall- Erreichbarkeit und -Lokalisierbarkeit ist das Gegenteil des ständigen Entdecktwerdens ein begehrtes Gut. Daraus entwickelt sich ein neuer, chancenreicher Markt: Entspannung, Ungestörtsein, Abgeschirmtsein, nicht erreichbar sein – das sind die Versprechen neuer Dienstleistungen.

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Bachelor Welcome – eine Farce? | Unternehmen sollten jetzt lernen, mit den Absolventen neuen Typs umzugehen | HR-Ressorts bislang nur mäßig vorbereitet

Donnerstag, 18. November 2010

von Axel Gloger

Wer mag sich heute noch an die Aktion „Bachelor Welcome“ erinnern?

Damals, vor fast sechs Jahren, wollte eine Gruppe von Unternehmen eine frohe Botschaft senden: Absolventen neuen Typs sollten mit offenen Armen empfangen werden. Inzwischen aber sind die Willkommensgrüße zu Bachelor-Master-Bologna verhallt, die Personalabteilungen zum Business as usual übergegangen – viele tun immer noch so, als hätte sich nichts geändert.

Aber das Gegenteil ist der Fall! Die Hochschulen haben ihr Stuttgart 21 schon hinter sich.

Das alte Gebäude aus Diplom- und Magister-Studiengängen wurde vom Jahr 1999 an abgerissen. Die Befürworter des Umbaus riefen „Tempo, Tempo“, weil sie die Angebote der Hochschulen im Zuge der Reform auf den ICE-Stil trimmen wollten: schneller, internationaler und standardisierter sollten sie sein.

Wie der neue Tiefbahnhof hat die Riesenbaustelle unter dem Schild „Bologna-Reform“ für die Reisenden des Hochschulsystems neue Wege geschaffen die Mehrheit der Studenten studiert heute bereits schnell und billig.

Seit dem Start der Aktion „Bachelor Welcome“ kommen jedes Jahr mehr Absolventen neuen Typs aus den Hochschulen – 80 Prozent der Studiengänge sind umgestellt, meldet der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft.

Aber: So richtig auf „grün“ stehen die Signale für die Bachelor-Absolventen in der Berufspraxis immer noch nicht.

„Wer mit dem Abgangszeugnis in der Tasche nach einem Job sucht, trifft auf lächerlich wenig Stellenangebote“, kritisiert Prof. Christian Scholz von der Universität des Saarlandes. Er untersuchte, was die Erstunterzeichner der Bachelor-Welcome-Erklärung an Stellen anbieten.

Ergebnis: Null spezielle Angebote für den Berufseinstieg von Absolventen der neuen Express-Studiengänge, und nur 39 Angebote, die sich immerhin auch an Bachelor ohne Berufserfahrung richten.

Unternehmen mit in Summe 1.116.800 Mitarbeitern, darunter Allianz, BASF, Bilfinger, BMW, Conti, Bahn und MAN haben gerade mal drei Dutzend Angebote für den Direkteinstieg auf die Beine gestellt, die auch Bachelor-Absolventen ansprechen.

Das ermittelte der Lehrstuhl bei der Auswertung von Stellenangeboten* im Internet. Willkommensgesten sehen anders aus. (*White Paper: Christian Scholz, Stephan Buchheit, „Chancen für Bachelor: Eine Momentaufnahme“, August 2010).

Aber woran liegt das? Antwort: Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen, so sieht der Status zum Thema Bologna bei vielen Personalmanagern aus. Sie ducken sich unter dem Thema weg, zeigen eine Mischung aus Ignoranz, Nichtstun und der Hoffnung, dass doch noch alles so bleibt wie früher.

Das bestätigen die beiden Spitzenverbände der Personalmanager, die Deutsche Gesellschaft für Personalführung (DGfP) und der Bundesverband der Personalmanager (BPM).

Ich sprach kürzlich mit hochrangigen Repräsentanten beider Verbände. Tenor der Äußerungen in beiden Fällen: “Die Diskussion über das, was zu tun ist, beginnt gerade erst.” Im Klartext: Vorbereitung auf Bachelor, Master, Bologna? Fehlanzeige!

Damit sollte sich allerdings keine Geschäftsführung zufrieden geben. Denn bald kommen nur noch Abgänger der neuen Express-Studiengänge auf den Markt. Da heißt es: anpassen, anpassen. Rekrutierung, Ansprache, Einarbeitung, Entlohung, Entwicklungsprogramme – all das will nach den Anforderungen von Bologna re-formatiert werden. Eine Zukunftsaufgabe, die die Geschäftsführungen anstoßen und die HR-Ressort umsetzen müssen, und zwar bald!

Angesichts der Dringlichkeit werde ich für die nächste gedruckte Trendletter-Ausgabe eine Agenda formulieren, die einmal klar sagt, was Praktiker jetzt zu tun haben, damit sie die gerade mit viel Mühe gewonnenen Bachelor- und Master-Absolventen nicht gleich wieder verlieren. Die Analyse ist bereits in Arbeit, lesen Sie mehr in der Ausgabe Januar 2011 des Trendletter auf Seite 5 (Titel: “Bachelor-Absolventen gewinnen, binden, erfolgreich entwickeln”).

Was tun mit den Bachelor-Absolventen? | Hochschulabgänger des Bologna-Systems mit verändertem Kompetenzprofil | Agenda für das Personalressort von morgen

Montag, 15. November 2010

von Axel Gloger

Männer und Frauen, die heute mit dem Bachelor-Zeugnis die Hochschulen verlassen, sind vor allem eines: jung.

Damit erfüllt sich der Traum manches HR-Managers – wir müssen längst nicht mehr neidisch in die USA oder nach Großbritannien blicken, wo schon immer die Gerade-erst-Twens massenhaft ins Arbeitsleben strömen.

Das zeigt der Blick auf das Lebensjahre-Konto: „Ein Jahr weniger durch G8, die mittels Turbo-Abitur verkürzte Gymnasialzeit. Ein weiteres Jahr weniger bei Männern durch die faktische Abschaffung der Wehrpflicht. Zwei Jahre weniger durch die Express-Studiengänge nach der Bologna-Methode“, rechet Stephan Penning, Geschäftsführer von Penning Consulting, vor.

Im Schnitt kommen in den Unternehmen also um die drei Jahre jüngere Absolventen an als bislang. Das ist für Anfangszwanziger eine lange Zeitspanne. „Drei Jahre Lebenserfahrung weniger“, taxiert Penning die veränderten Ausstattungsmerkmale des Nachwuchses.

Dieses zeitliche Sparmodell weist einige Pluspunkte auf. Die Bachelor-Absolventen hätten es gelernt, schnell Wissen aufzunehmen, sagt der Düsseldorfer Personalberater. „Sie wurden im Ruck-Zuck-Verfahren praxisnah ausgebildet.“ Die Absolventen haben ein umfangreiches, teilweise etwas oberflächliches Orientierungswissen. Sie kennen sich auf der methodischen Ebene aus.

Das Express-Studium wird aber auch mit einigen Nachteilen erkauft, die im System liegen: Wer schnell lernt, kann es nicht gründlich tun. Zudem fehlt dem Bachelor-Studium der Geschmack von Freiheit und Abenteuer.

Das klingt zwar nach Folklore, hat aber für Folgen für das, was die Personalentwicklung in den Firmen zusätzlich leisten sollte. Denn wer heute einen Bachelor hat, musste sich nicht durch den Dschungel eines Studiums kämpfen, in dem nur wenig geregelt ist. Spielte es früher keine Rolle, ob das Studuim in acht oder zwölf Semestern durchmessen wurde, ist heute alles stundengenau vorbestimmt – die Organisation ähnelt dem Klassensystem in der Schule. Zeitliche und inhaltliche Sonderwege lässt das strenge Bachelor-Regime kaum noch zu.

Folge aus der Sicht der Personalentwicklung:

Sie bekommt Nachwuchskräfte, die auf den Konten selbstständiges Denken, entscheiden außerhalb vorgegebener Strukturen und interdisziplinärer Sichtweisen kaum Einzahlungen vorweisen können. „Dafür ist in einem dreijährigen Studium keine Zeit. Der akademische Weg wird zu einer primär fachgetriebenen Wissensvermittlung“, sagt Personalberater Penning.

Vorsprung durch Inhaber-Bonus | Familienunternehmen mit Plus im Wettbewerb

Donnerstag, 11. November 2010

von Axel Gloger

Selten trat der Unterschied so stark zutage: Viele Unternehmer brennen für Ihre Idee. Sie überzeugen. Sie binden sich an ein Geschäft mit ihrer ganzen Energie. In Familienunternehmen wird langfristig gedacht.

Wir stellen fest: Sogar bescheiden auftretende, zurückhaltende Unternehmer, die sich lieber im Hintergrund halten, sind eine starke Energiequelle für die gesamte Organisation, sie laden Mitarbeiter, Kunden und Partner auf. Es muss nicht jeder wie Wolfgang Grupp auftreten, der eine starke Präsenz in der Öffentlichkeit hat. Auch die Bescheidenen lassen diese Energie immer spüren. Hier wirkt der Inhaber-Bonus.

Ein Kontrast dagegen, wie er nicht größer sein könnte: Großkonzerne. Diese werden offenbar von einer neuen Klasse von Führungskräften geleitet, den Management-Söldnern. Sie haben keine Bindung, mäßige Überzeugungskraft und lassen nicht den unbedingten Willen spüren, dieses Geschäft auch noch in 10 oder 15 Jahren zur Blüte zu führen.

Konzernmanager sind eher Söldnertypen, die heute hier und morgen dort wirken, mit allen Konsequenzen für Identitätsbildung, strategische Erfolgskraft und Führungskultur.

Sie leben total im Hier und Jetzt – bis vielleicht schon morgen der nächste Headhunter anruft und sie in ihren nächsten Job lenkt, den sie dann auch wieder für drei, vier Jahre machen. Booz hat das in seiner CEO-Succession-Studie, die jährlich aktualisiert wird, hinreichend dokumentiert: Die Amtsdauer von Vorständen in Großkonzernen beläuft sich im Durchschnitt auf weniger als fünf Jahre.

Ein eindrucksvolles Beispiel für die Haltung, die dieser Typ Führungsverständnis produziert, liefert ein Vorstandsmitglied eines Dax-Konzerns, das ich dieser Tage zu einem Vortrag im kleinen Kreis traf:

Der Telekom-Mann lieferte die Antithese zum Familienunternehmer:

  • wenig überzeugendes Auftreten,
  • kein wirkliches Interesse für das, was sein Unternehmen bewegt,
  • keine Antworten, die über jene Allgemeinplätze hinaus gehen, die in jeder Wirtschaftszeitung vor einem halben Jahr zu lesen waren –
  • und weder eine profunde Kenntnis der Begebenheiten der digitalen Ökonomie, die ja das Kerngeschäft seines Unternehmens sind
  • noch den spürbaren Willen, seine Zuhörer von irgendetwas zu überzeugen.

Dieses Beispiel steht pars pro toto. Schlussfolgerung aus Unternehmersicht: Ihr Führungsmodell, Ihr Auftreten am Markt, Ihre Art der persönlichen Kommunikation, Ihre Art der Erzeugung von emotionaler Bindung kann die offensichtlichen Schwächen der managementgeführten Unternehmen ausnutzen. Setzen Sie hier an, bauen Sie den Inhaber-Bonus zu einem Wettbewerbsvorteil aus!

Es wird sich abermals zeigen: Die Familienunternehmen sind keineswegs eine archaische, vom Aussterben bedrohte Spezies – im Gegenteil. Die Dinosaurier sind quicklebendig! Der Unternehmenstypus wird sich gerade in turbulenten Zeiten als besonders überlebens- und erfolgsstark erweisen.

Warum Familienunternehmen einen Marktvorteil haben | Wettbewerbsvorsprung durch Eigentümer-Führung

Montag, 08. November 2010

von Axel Gloger

Familienunternehmen sind innovationsstark, solide geführt, sicher finanziert und erweisen sich als kontinuitätsorientierter Partner. Sie sind heute zur Stelle – und morgen auch, und übermorgen ebenfalls. Das ist durchaus ein Positivum aus Sicht der Kunden. Sie setzen auf bewährte Zusammenarbeit mit dem inhabergeführten Unternehmen.

Erfahrene Familienunternehmer kennen diese Kraftquelle. Der Inhaber-Bonus ist in der Lage, einen Wettbewerbsvorteil zu schaffen. Die Leistung des Inhaber-Bonus:

  • Er ist eine Garantieerklärung – für Sicherheit, Kontinuität und solide Partnerschaft
  • Er kann das ausschlaggebende Plus sein im Wettbewerb mit anderen Unternehmen, die sich in anonymer Eigentümerschaft befinden
  • Er ist oft ein Indiz für solide, zukunftsorientierte und auf Stabilität zielende Finanzierung

Dass diese Binde-Faktoren auch in der wissensbasierten Netzwerk-Ökonomie eine starke Rolle spielen, zeigen Fälle aus der Autozulieferindustrie. Die großen Kunden arbeiten hier offenbar bevorzugt mit Firmen in Familienhand zusammen. Sie erweisen sich als zuverlässig, langfristorientiert und innovationsstark – und sie setzen statt auf maximale Rendite lieber auf kontinuierlichen Unternehmenserfolg.

Bei Nicht-Familienunternehmen nutzen die Kunden aus der Autoindustrie ihren Einfluss schon mal, um einen ungeliebten Eigentümer (Finanzinvestor) loszuwerden.

Der Fall: Die Firma gehört einem Finanzinvestor. Der stellt sehr hohe Anforderungen an die Rendite, was zu Lasten der langfristigen Existenz und der Innovationskraft geht. Denn Geld, was an die Eigentümer augeschüttet werden   m u s s ,   kann nicht mehr in Innovationen oder langfristige Unternehmenssicherung investiert werden.Überdies laden die Finanzinvestoren den gekauften Firmen häufig hohe Schulden auf, was deren unternehmerische Spielräume zusätzlich einengt.

Die Folge: Die Firma in der Hand des Finanzinvestors kann für die Kunden von morgen unattraktiv werden.

Um diesen Effekt zu vermeiden, haben Kunden in mehreren Fällen den Finanzinvestor aus der Firma herausgedrückt – mit dem ausdrücklichen Interesse, die Firma wieder unter die Fittiche einer familiären Eigentümerschaft zu führen, zumindest aber in eine gesunde mittelständische Struktur.

Wo ist das geschechen? Der letzte Fall, wie die FTD berichtet, ist der Autozulieferer Saargummi. Er gehört dem Finanzinvestor Odewald & Cie., der sich in den Händen des früheren Kaufhof-CEO Jens Odewald befindet. Trotz voller Auftragsbücher war Saargummi in einer Cash-Klemme. Die Kunden hätten einem Finanzierungsplan zustimmen müssen, um Saargummi aus dieser Lage herauszubringen. Aber die Kunden machten nicht mit.

Das öffnet die Türe zu einer neuen Option: Verkauf des Unternehmens nicht an einen Finanzinvestor, sondern an einen strategischen Investor, der sich mehr für die langfristige Leistungsfähigkeit, die Innovationen und ein starkes Produkt-Portfolio einsetzt.

TRENDLETTER-Einschätzung: Die Dinosaurier sind quicklebendig. Familienunternehmen erweisen sich offenbar gerade in turbulenten Zeiten als überlebensstark und kundenorientiert – weil sie nicht darauf angewiesen sind, den Analysten kurzfristige Hurra-Meldungen zu liefern. Generationendenken ist ihnen wichtiger als Quartalsdenken.

Aus Inhaber-Sicht: Kapitalisieren Sie den Inhaber-Bonus. Nutzen Sie die familiäre Inhaberschaft als Quelle des Wettbewerbsvorteils. Spielen Sie die spezifischen Stärken, die nur der Typus des Familienunternehmens bietet, gezielt am Markt aus.

Warum eine rein männliche Führungsetage die Potenziale Ihres Geschäfts nicht ausschöpft | Die Männerwelt von gestern ist immer noch sehr lebendig | Aufbruch in ein Zeitalter der female Leadership

Montag, 25. Oktober 2010

von Axel Gloger

“Männer machen ihr Ding ohnehin alleine. Frauen sind keine ernstzunehmenden Spieler im Geschäftsleben. Wir schaffen es auch ohne die Frauen. Warum sollen wir uns dem weiblichen Geschlecht zuwenden, wenn wir unsere Geschäfte seit 200 Jahren auch ohne Frauen vorangetrieben haben”, so lautet das alte Vorurteil

Wir könnten meinen, diese Annahmen seien langsam zum Aussterben verurteilt. Die Botschaft vom wertvollen Beitrag der Fragen sollte doch überall angekommen sein.

Das ist jedoch nicht der Fall. Noch immer leben viele Männer-Seilschaften vollkommen im geistigen Gestern, als hätte sich in den letzten 20 Jahren nichts verändert. Beispiel dafür ist ein neues Buch, was mir dieser Tage auf den Tisch kommt. Titel: “Die Zukunft der deutschen Wirtschaft. Visionen für 2030.”

Kurz noch mal weg von dem Buch. Woran denken wir beim Schlagwort “Zukunft”? Nun, ganz gleich, um welches Zukunftsthema es sich handelt, aus Sicht von Unternehmen werden Frauen ihren gehörigen Anteil daran haben, denn

  • es gibt mehr Frauen als Männer in der Gesamtbevölkerung,
  • es machen mehr Frauen als Männer Abitur, und an den Hochschulen sind mehr Frauen als Männer eingeschrieben,
  • Frauen sind die wichtigste Kundengruppe der Zukunft
  • und, vor allem, Unternehmen mit einer divers (also weiblich und männlich) besetzten Führungsspitze sind nachweislich erfolgreicher als Unternehmen mit homogen-männlich besetzten Führungsspitzen. Das hat McKinsey in einer groß angelegten Studie, Titel: “Female Leadership”, nachgewiesen.

Schlagen wir mit diesem Wissen “Die Zukunft der deutschen Wirtschaft. Visionen 2030″ auf. Was sehen wir im Inhaltsverzeichnis? Männer, Männer, Männer. Von 41 Autoren des Herausgeber-Bandes sind 39 männlich. Und, lieber Leser, liebe Leserin, dieses Buch ist nicht aus dem Antiquariat, Erscheinungsjahr 1970. Nein, es ist neu, 2010-er Ware!

Der Titel des Buches könnte also auch lauten: “Die Zukunft ist …. männlich.”

Die Herausgeber des Buches sind Antonio Schnieder, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU) und Europa-Chef des Beratungsunternehmens Capgemini, sowie Tom Sommerlatte, viele Jahre Europachef des Beratungsunternehmens Arthur D. Little und heute Geschäftsführer der Osiris MIC GmbH.

Sie haben in ihrem Buch eine Menge Geistkapital zusammengetragen. Das Werk ist ein Panoptikum der Qualitäten des Standortes Deutschland – und bietet Anlass zum Zukunfts-Optimismus, weil Deutschland für die industrielle Welt von morgen gut aufgestellt ist.

Aber ein schaler Beigeschmack bleibt: Ist die Welt der deutschen Industrie im Jahr 2030 wirklich so männlich, wie Schnieder und Sommerlatte sie uns vorführen? Nein. Wir hätten im Zeitalter der female Leadership erwarten dürfen, dass Sommerlatte und Schnieder all die profilierten, innovativen und prägenden Frauen nach vorne stellen, die es in unserem Land schon gibt.

Aber ihre Ausarbeitung erinnert mich an eine Analyse, die der Economist unlängst veröffentlichte. Das Thema war vielsagend “The German Miracle“, es wurde ausführlich über die Stärken unseres Standortes gesprochen. Gleichzeitig übte der Economist aber auch an einem Punkt Kritik: Es gebe in Deutschland eine, so wörtlich, skandalöse Unternutzung (“underuse”) von Frauen in der Wirtschaft. Und wie es scheint, wollen die beiden Berater, die dieses Buch verantworten, daran auch nichts ändern.

Die Schlussfolgerung darf nur lauten: Thema verfehlt.

Dieser Vorgang erinnert an das World Business Forum vor ein paar Jahren. Ein großer Anlass in Frankfurt, Alte Oper. Dort kamen an die 2.500 Manager, Unternehmer und Top-Führungskräfte zusammen. Referenten die A-Garde der internationalen Strategiedenker. Jack Welch, Michael Porter, Tom Peters und andere traten auf – alles Männer. Tom Peters machte eine wichtige Bemerkung: “Wenn hier künftig keine Frauen als Referenten auftreten, werde ich an solchen Anlässen nicht mehr teilnehmen”, sagte er sinngemäß an den Veranstalter gerichtet. Schon damals war klar, dass die rein männlich besetzten Veranstaltungen nicht mehr die Wirtschaft der Zukunft abbilden.

Was ist aus Trendletter-Sicht zu tun, was sollten Unternehmer  auf ihre Agenda setzen?

Die Antwort gibt ein Blick in die McKinsey-Studie: Frauen sollte eine ersthafte Chance auf jeder Shortlist eingeräumt werden. Die Ausrede, es hätten sich keine Frauen beworben oder es wurden keine gefunden, zählt nicht. Überdies sollte das Thema female Leadership intern von einem fest verankterten Verantwortlichen betreut werden – am besten von einem senioren Mann!

Warum Unternehmer eine massive Steigerung der Einwanderung befürworten sollten | Qualifizierte nach Deutschland holen | Wege aus der Demographie-Falle

Donnerstag, 21. Oktober 2010

von Axel Gloger

Lassen Sie sich als Unternehmer nichts vormachen. Das Thema Arbeitskräftemangel wurde nicht erst vorgestern in einem Ministerium erfunden. Es hat auch nicht erst Bedeutung erlangt, seit unsere Politker seit einigen Tagen darüber sprechen. Die Phalanx aus Annette Schavan, Ursula von der Leyen und Rainer Brüderle will jetzt Punkte sammeln: Der Aufschwung brauche Einwanderer, damit die Unternehmen das Plus an Aufträgen auch abarbeiten können, so lautet die Argumentation.

Sie wissen es wahrscheinlich längst aus der Praxis. Der Mangel an Arbeitskräften ist schon lange spürbar, davon künden unbesetzte Lehrstellen ebenso wie lange Suchzeiten für Hochqualifizierte. Zudem war er von jedem, der auch nur das demographische Einmaleins durchrechnen kann, schon lange vorhersehbar.

Status in der Einwanderungsdebatte aus Trendletter-Sicht:

  • Wir brauchen nach Schätzungen des Trendletter mindestens 200.000 hochqualifizierte Einwanderer im Jahr, um auch nur den demographisch bedingten Abgang von Arbeitskräften aus dem arbeitsfähigen Alter auszugleichen.
  • Deutschland hat auf dem internationalen Arbeitskräftemarkt ein ähnliches Image wie Darmstadt. Die USA und England dagegen haben ein Ansehen wie Berlin. Keiner will nach Darmstadt ziehen, aber Berlin gilt als spritzig, attraktiv und cool bei jüngeren Wissensarbeitern.
  • Niemand von den international mobilen, hochqualifizierten Wissensarbeitern wartet darauf, nach Deutschland hereingewunken zu werden. Die begabten Inder etwa vom Indian Institute of Technology gehen, wenn sie ins Ausland abwandern, in die USA. Deutschland kann sich allenfalls einzelner Anwerbungen erfreuen – das sind aber dreistellige Zahlen pro Jahr, nicht mehr.
  • Die deutsche Sprache ist ein Einwanderungs-Hemmnis.
  • Das Argument aus dem Wirtschaftsministerium, wir bräuchten eine “kontrollierte Einwanderung” führt ebenso in die Irre wie die Auffassung der Bundeskanzlerin, erst einmal sollten die Arbeitslosen qualifiziert werden. Darum geht es hier nicht. Selbst wenn wir unsere Grenzen bedingungslos für qualifizierte Einwanderer öffneten, würden wir nicht genug Interesse bekommen. Das zeigen die kläglichen Ergebnisse der Greencard im Jahr 2000, die nur eine Handvoll Inder anzog, die aber unser Land bald wieder verließen.

Ratschlag des Trendletter aus Unternehmer-Sicht: Bleiben Sie am Ball. Lassen Sie sich das Thema Arbeitskräftemangel nicht durch die Politik heißreden. Es war auf der Agenda, ist auf der Agenda und wird auf der Agenda jedes voraus denkenden Unternehmers bleiben. Sie werden sich auch dann noch danach ausrichten, wenn die Politik sich die große Politik längst vom Arbeitskräftemangel und Stuttgart 21 abgewandt hat und inhaltlich woanders shoppen geht, weil das eine höhere Quote bei ARD und SAT1 bringt.

Überdies sollten Sie Ihrer Argumentationslinie noch mehr Öffentlichkeit verschaffen:

  1. Demographie-Management ist keine Einmal-Aufgabe, wenn es gerade passt. Sie sollte zum Staatsziel erhoben werden, wie es bei der 4. Villa Mumm-Konferenz von Fidelity Investment kürzlich diskutiert wurde.
  2. Überdies wird eine einzelne Maßnahme wie Einwanderung nicht ausreichen, um die Wirkungen des demografischen Umbruchs aufzufangen. Wer das verlangt, wirft eine Nebelkerze, die von anderen, unbequem scheinenden Maßnahmen ablenken soll: Wir brauchen ebenso eine Verlängerung des Arbeitslebens über die Pensionsgrenze von 67 Jahren hinaus, eine Beendigung der skandalösen Unternutzung des Potenzials qualifizierter Frauen sowie intelligente Maßnahmen, die unsere Arbeitnehmerschaft über ein verlängertes Arbeitsleben körperlich und mental fit halten.
  3. Ein wesentlicher Arbeitsmarkt sind die Menschen, die ihre dritte Karriere anstreben. Arbeitnehmer im Alter 60plus streben nicht mehr nach dem üblichen Berufsweg mit mehr Sternen auf der Schulter, mehr Untergebenen, mehr Einkommen und mehr Stress. Sie suchen nach einem Tätigkeitsformat, dass ihren Lebensbedürfnissen angepasst ist. Hier hat die Power Age Foundation von Tom Koper eine bemerkenswerte Initiative in Vorbereitung, die im Mai 2011 starten wird – einen Marktplatz, der Kreativität, Intelligenz und Erfahrung jener Menschen für die Gesellschaft erschließt, die ihre zweite Karriere beendet haben (Claim: “Ihre Erfahrung hätten wir gern”).

Weitere Details zum praktischen Vorgehen enthält das Buch des Trendletter-Chefredakteurs Axel Gloger, Titel: “Auf der Jagd nach Spitzenkräften. Die besten Mitarbeiter gewinnen, begeistern und halten” (223 Seiten, Ueberreuter 2002, 24,80 Euro), Link zur Bestellmöglichkeit hier (Klick!).

Umbruch in der Beratungswirtschaft setzt sich fort | Die Krise beschleunigt den Umbau des Consulting-Marktes | Magatrends Unternehmensberatung

Montag, 18. Oktober 2010

von Axel Gloger

So viel steht jetzt schon fest: Die Welt für McKinsey, Boston Consuling Group (BCG), Roland Berger und den gesamten Beratungsmarkt wird nie mehr so sein wie früher. Die Berater werden sich auf den dauerhaften Umbruch einstellen müssen. Sie stehen vor einer neuen Welt, die viele Vorteile für die Beratungskunden mit sich bringt und die Berater zwingt, ihr Geschäftsmodell zu überdenken und anzupassen.

Worum geht es?

  • Preise werden dauerhaft auf niedrigerem Niveau bleiben. In vielen Disziplinen sind Beraterleistungen bereits commoditisiert. Sie werden von den Kunden als relativ homogene Ware eingekauft. Es gibt ein hohes Maß an Vergleichbarkeit. Der Grad des intellektuellen Mehrwerts des Wertbeitrages, den die Berater liefern, ist begrenzt. Deshalb wird vor allem über den Preis eingekauft. Die Berater stehen unmittelbar miteinander im Wettbewerb. Marktanteilskämpfe sind heute üblich – einige Berater versuchen sich durch Kampfpreise den Zugang zu neuen Kunden zu verschaffen, was auf das allgemeine Preisniveau dämpfend wirkt.
  • Kunden kaufen Beratungsleistungen intelligenter ein. Die Schnittstelle wird nicht mehr nur vom Beziehungsmanagement der Berater geprägt, Kunden übernehmen zunehmend die Führerschaft. Sie führen Buch über die Erfolge vergangener Beratungsprojekte, halten die Ergebnisse jedes einzelnen Einsatzes nach, schaffen sich selbst durch kluge Dokumentation einen Überblick über Preise und Preisnachlässe – und setzen über Rahmenverträge, Bieterkonkurrenz und intelligente Verhandlungen ihre Einkaufsmacht ein, um bestmögliche Konditionen zu erhalten.
  • Neue Beratungsanbieter werden den Etablierten den Markt streitig machen. Auch die Nicht-Strategieberater wie Accenture, IBM oder EDS drängen in den Markt der klasssischen Management-Beratung ein. Sie kalkulieren mit niedrigeren Tagessätzen, können voll integriertes Systemwissen mitbringen (IT plus Prozesse plus Mitarbeiter plus Strategie) und haben durch ihre Größe mehr Gewicht am Markt als die klassischen Management-Berater.
  • Wachstum wird es nur noch in den Randbereichen des Marktes und mit Nicht-Konventionellen Angebotsmodellen geben.
  • Ein neuer Typ Mitarbeiter wird Zugang in die Beratungswirtschaft finden. Für commoditisierte Aufgaben beim Kunden brauchen die Berater nicht mehr den Absolventen der Harvard Business School. Die A-MBAs werden damit teilweise überflüssig, denn die Beratung von morgen ist intellektuelle Fließbandarbeit. Dafür können kostengünstiger zu unterhaltende Teams ganz normaler Hochschulabsolventen eingesetzt werden.

Diese Überlegungen führen auch zu einer veränderten Sichtweise erfolgreicher Beraterprojekte. Kunden werden ihre Anstrengungen dahingehend lenken, dass weniger Projekte als früher auf dem Friedhof der abgebrochenen, gestorbenen oder gescheiterten Consulting-Projekte landen.

Zu diesem Thema gibt es eine überzeugende Studie des Meta-Beraters Cardea, Titel: “Return on Consulting (RoC)”. Mit dem Blickwinkel der Praxis hat der Trendletter einen 6-Punkte-Plan zusammen gefasst, der Ihnen dabei hilft, Beratungsprojekte zum Erfolg zu führen. Wir haben einmal heraus gearbeitet

  1. was Beratungskunden tun sollten, die gleich am Anfang ein Signal des Gelingens setzen wollen,
  2. wie erfolgreiche Kunden den Berater so briefen, dass die angedachten Ziele erreicht werden,
  3. was Top-Manager, Geschäftsführer und Vorstände besser unterlassen wollen, wenn sie den Erfolg ihres Projektes nicht leichtfertig aufs Spiel setzen wollen und
  4. was Unternehmer gegen Berater unternehmen können, die gegen Ende des Projektes gleich einen teuren Anschlussauftrag erzwingen wollen.

Diesen 6-Punkte-Plan können Sie auf Seite 4 der November-Ausgabe in der gedruckten Ausgabe des Trendletter lesen. Bezugsmöglichkeit finden Sie hier:  (Klick!)

Der Staat greift zu | Warum Big-Government ein Dauerthema bleibt | Rechnen Sie mit zunehmenden regulatorischen Lasten

Donnerstag, 14. Oktober 2010

von Axel Gloger

Die Krise geht – der aufgeblähte, alles regelnde Staat bleibt. Das ist schon jetzt die Schlussfolgerung aus dem Krisengeschehen der letzten Jahre. Der Trend liegt auf der Hand: Big Government wird zu unserem ständigen Begleiter. Wir werden die schützende Hand des Staates nicht mehr abstreifen können. Bundesregierung und Europäische Union werden den Unternehmer-Alltag Schritt für Schritt weiter regulieren, einengen, Verbote aussprechen.

Unser Gemeinwesen wird schon bald eine Mischung aus fürsorglicher Diktatur, singapurisiertem Sozialstaat und industriepolitisch gesteuerter Wirtschaft. Das “Markt-” von “Marktwirtschaft” wird künftig weiter geschwächt.

Warum ist das so? Ausgangspunkt ist, Trendletter-Leser wissen das, die große Krise der Jahre 2008/2009. Max Otte hatte das Geschehen in seinem Werk “Der Crash kommt” mustergültig voraus gesagt. Was er aber nicht in letzter Konsequenz prognostizierte, war die rapide Zunahme des Regierungseinflusses.

Das ist vor allem ein qualitatives Thema. Die Einstellung hat sich geändert. Bis zur Krise galt: Im Zweifel soll es nicht der Staat besorgen, sondern die Privaten. Das Subsidiaritätsprinzip wurde sogar von den Sozialdemokraten akzeptiert, siehe zum Beispiel Agenda 2010.

Aber dann kam der große Wendepunkt. Die Krise kam, die Politiker zogen die Zügel an, und ließen sie seither nicht mehr los. Plötzlich sind die von der Regierung die Guten, die alles wieder richten, die interessenfrei für das größte Glück der größten Zahl sorgen. Intervention, Subvention und Regulierung, ehedem Mittel aus dem Giftschrank der Wirtschaftspoltik, haben mit einem Mal eine Generalabsoltuion erhalten.

Bedauerlich ist: Die Beweislast ist seither umgedreht. Früher galt eine Subvention im Zweifel immer als bedenklich, schädlich, zweifelhaft. Der Befürworter musste uns nachweisen, dass wir sie dennoch brauchen. Heute ist es umgekehrt. Heute müssen wir als Gegner des überbordenden Staatseinflusses Maßnahme für Maßnahme nachweisen, dass sie nicht gut, sondern per se zweifelhaft sein kann.

Trendletter-Einschätzung aus Unternehmer-Sicht: Auch wenn es aussichtslos erscheint, sollten wir nicht locker lassen – und die Gegenpositon formulieren. Wir sollten auf die Grenzen des Staatseinflusses aufmerksam machen. Wer, wenn nicht wir, sollte alte und bewährte Werte wie Freiheit, Selbstverwirklichung, Eigenverantwortung und Verantwortung für das Gemeinwesen, Pflichtbewusstsein und langfristiges Denken hoch halten?