Archiv für die Kategorie ‘Märkte’

China-Märkte 2020: Warum das Reich der Mitte immer noch ein Hoffnungsträger ist, aber auch eine Rüttelstrecke für Unternehmer | China 2.0 jetzt kennen lernen

Montag, 17. Mai 2010

von Axel Gloger

Unsere Sichtweise Chinas hat sich radikal verändert. Dazu gleich mehr, zunächst ein Blick auf das, was bleibt. Das Land ist auch für die nächsten Jahre eine Wachstumsmaschine, es lohnt sich, die China-Märkte 2020 schon jetzt im Blick zu halten. Eine Zahl, die das eindrucksvoll belegt: In 6 bis 10 Jahren kommt 1x Deutschland zur chinesischen Wirtschaftsleistung hinzu. China bleibt also ein wirtschaftlicher Magnet.

Aber die Rahmenbedingungen haben sich stark verändert.

Regierung: Die Regierung betreibt eine Transformation weg vom Billigstlohnstandort hin zum Technologie- und Wissensstandort. Der Niedrigkostenvorteil, von dem viele Unternehmer in der Vergangenheit profitiert haben, schwindet immer mehr.

Rahmenbedingungen: Unternehmer treffen auf unfreundliche Bedingungen. Der olympische Charme, mit dem viele Ausländer in der Vergangenheit in der Business Community aufgenommen wurden, ist weg. Heute geht es darum, die nationalen Interessen zu schützen - auch gegen lästige Konkurrenz aus dem Ausland.

Marktzugang: Mit den steigenden Einkommen wird China als Absatzmarkt immer interessanter. Besonders die reichen Regionen entlang der Ostküste werden zum Konsumentenmarktparadies. Die chinesische Regierung weiß aber um den Wert dieser Märkte. Sie versucht, den Markt in erster Linie für die heimischen Unternehmen bereit zu halten. Wer als ausländisches Unternehmen hinein will, muss zahlen. Die Währung heißt; Zugang zu westlichem Technologie-, Prozess- und Markenwissen.

Der Umbruch hat die TRENDLETTER-Redaktion dazu veranlasst, die Marktchancen und die Bedingungen für ausländische Unternehmer einer umfassenden Analyse zu unterziehen. Unser in den letzten 6 Monaten recherchiertes Wissen zum Thema China-Märkte 2020 haben wir in einer TRENDLETTER-Spezialausgabe zusammen gefasst. Diese wird Anfang Juni auf den Markt kommen. Hier sagen wir Ihnen,

  • welche Konsumentenmärkte die besten Chancen versprechen,
  • wie erfolgreiche Markterschließung in China funktioniert,
  • warum es sich lohnt, die kaufkräftigen Online-Kunden zu erschließen,
  • mit welchem Maß von Behörden-Willkür Sie bei Ihrem Projekt zu rechnen haben
  • und wer die wahren Entscheider sind, wenn es um Genehmigungen, Zulassungen und politische Unterstützung geht.

Den Unternehmer-Führer China erhalten die regelmäßigen Bezieher des Trendletter im Rahmen ihres Abonnements (gedruckt, Bezahl-Publikation). Wenn Sie sich für die Lektüre des Trendletter und die hier beschriebene Spezialausgabe China-Märkte 2020 interessieren: Hier (Klick!) können Sie den Trendletter bestellen.

Finanzkrise 2.0 | Worauf sich Unternehmer für Ihre Planung einstellen sollten | Risikofaktor: Brüning-Syndrom

Montag, 10. Mai 2010

von Axel Gloger

Griechenland ist ein kleines Land. Seine Wirtschaftsleistung liegt, grob gerechnet, bei einem Zehntel der Leistung Deutschlands. Bedeutende Unternehmen hat Griechenland nicht. Das wertvollste Unternehmen an der griechischen Börse ist, Sie werden staunen, eine Coca-Cola-Abfüllfabrik. Das sagt viel über die Leistungsfähigkeit des Landes – und über sein Potenzial, auf der Weltbühne der Wirtschaft gestaltend mitzuspielen. Stellen wir fest:

  1. Das Land war, obwohl Niedrigkostenland, nie eine nennenswerte Outsourcing-Destination (anders als, interessanterweise, die Türkei).
  2. Für deutsche Exporteure ist es kein nennenswerter strategischer Markt.
  3. Wir verknüpfen große kulturelle Leistungen mit Griechenland. Aber die Neuzeit hat keine großen unternehmerischen Leistungen hervorgebracht.

Jetzt aber haften wir mit für die griechischen Schulden. Diese belaufen sich auf 70 Prozent des dortigen Bruttosozialproduktes. Der Prozentwert ist ein Indiz dafür, dass die Griechen a) sehr viel Geld aufbringen müssen, um sie zu finanzieren und b) es sehr lange dauern wird, bis sie auf ein verträglicheres Niveau herunter gefahren werden können.

Zudem sind die Maßnahmen, die jetzt von EU und IMF ergriffen werden, zwar richtig, weil alternativlos. Aber sie führen in erster Line dazu, dass Hellas nicht in noch höhere Schulden getrieben wird. Nicht aber dazu, dass die Rückzahlungsfähigkeit des Landes gestärkt würde, was eigentlich wünschenswert wäre.

Welches Szenario ist für Griechenland wahrscheinlich? TRENDLETTER-Einschätzung: Das Land wird alsbald vom Brüning-Syndrom befallen. Deflation, große Staatskrise, Zusammenbruch. Die Parallelen zur Politik des letzten Kanzlers der Weimarer Republik liegen durchaus auf der Hand: Heinrich Brüning (amtierte 1930 bis 32) wollte die Staatsfinanzen in Ordnung bringen, betrieb eine rigorose Sparpolitik und leitete damit eine Deflationsspirale ein, die von Massenarbeitslosigkeit und Destabilisierung der Gesellschaft begleitet wurde.

Deutschland wird das unmittelbar betreffen. Denn die 22 und mehr Millarden, die wir in das Land stecken werden, sind wahrscheinlich auf Nimmerwiedersehen verloren. Warum? Wolfgang Münchau, Kolumnist bei der Financial Times und ihrer deutschen Schwester sowie Mitgründer des Informationsdienstes Eurointelligence, weist auf folgende Tatsache hin: Die Geldanlage in diesen Krediten ist ein Hochrisikogeschäft. Angela Merkel, Guido Westerwelle und Rainer Brüderle haben uns das bislang wohlweißlich verschwiegen (den bemerkenswerten Artikel finden Sie hier, Klick):

Hintergrund dazu: Unsere Geldanlagen in Hellas-Staatspapieren sind von Anfang an faul. Sie haben auf dem Finanzmarkt nur den sogenannten Junior-Status. Heißt: Im Falle eine Staatspleite oder auch nur einer Teil-Insolvenz mit anschließender Restrukturierung der Schulden werden zunächst die A-Gläubiger bedient. Erst dann kommen die Besitzer der B-rangigen Junior-Papiere an die Reihe, werden dann aber feststellen, dass nichts mehr zu holen ist.

Damit gibt es eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass unser Geld futsch ist.

Was kommt? Auch Italien, Portugal, Irland und Spanien sind Problemkandidaten. Es ist dem historischen Zufall geschuldet, dass Griechenland zuerst faul wurde, ebensogut hätte es auch eines der anderen Länder als erstes treffen können. Alle genannten Länder vereint: Sie haben zu hohe Schulden. Sie werden sie zu aktuellen Konditionen nicht mehr voll bedienen können. Italien z. B. hat sich mit Zahlenkosmetik (vulgo: Schulden kleiner gemacht, als sie sind) den Zutritt zum Euro verschafft.

Schlussfolgerung: Europa braucht eine Schulden-Loswerde-Strategie. Schauen wir uns an, wie diese aussehen könnte:

  • Volle Rückzahlung? Bei den involvierten Beträgen und der geringen Neigung der Politik, Schulden jemals zu tilgen, fällt dieser Weg flach.
  • Wachstum? Im Prinzip eine gute Idee: Ein Wirtschaftswachstum von > 5% würde die Steuereinnahmen so stark sprudeln lassen, dass auch bei mäßiger Ausgabendisziplin noch Geld übrig wäre, um die Kredite zügig abzutragen. Nur einen Haken gibt es: > 5% wächst die Wirtschaft nur in China, nicht in der Alten Welt. Diese Option können wir also größtenteils vergessen. In jeder Dekade gibt es, wie die Erfahrung zeigt, mal ein oder zwei fiskalisch sehr gute Jahre. An diese schließt sich aber immer eine neue Krise an.
  • Inflation? Diese Lösung hat aus Sicht der Schuldner Charme: Man kann die Schulden von heute mit wertlosem Geld morgen zurück zahlen. Jedes Prozent Inflation wertet die Staatsschulden entsprechend ab, zerstört aber auch unsere Geldvermögen. Dennoch wird es darauf hinauslaufen, dass wir uns mittels Inflation der Staatschulden entledigen.

Als Ultima Ratio wäre auch ein Währungsschnitt denkbar.

Was bedeutet das für Unternehmer? Da Inflation Teil jeder Schuldenbeseitigungsstrategie sein muss, werden wir uns auf Geldentwertung einstellen müssen. Vielleicht nicht in den nächsten 5 Jahren, aber mit hoher Wahrscheinlichkeit für die Zeit danach.

Bedenken Sie dabei bitte: Eine Hyperinflation wie zu Weimarer Zeiten oder wie heute bei Dr. Mugabe in Zimbabwe ist für die Zwecke der Politik gar nicht nötig. Auch eine psychologisch vertretbar erscheinende, weil gerade noch milde wirkende Geldentwertung von 5 bis 7 Prozent im Jahr wird die Schulden über zehn Jahre hinweg zusammenschmelzen lassen wie den letzten Schnee unter der Märzsonne.

Hinweis für unsere regelmäßigen Leser: Wegen des Feiertags am Donnerstag, dem 13. Mai erscheint die nächste Ausgabe des Trendletter-Blogs am Montag, dem 17. Mai.

Immobilienmarkt und -Anlagen: Rosinenpicken ist die richtige Strategie | Die wichtigsten Trends

Donnerstag, 15. April 2010

von Axel Gloger

Welche Entwicklungen den Immobilienmarkt von morgen prägen:

  • Erstens die Reaktionen auf die Finanzkrise
  • Zweitens der Umgang mit dem demographischen Wandel
  • Drittens eine fundamentale Reorientierung auf die Stadtzentren

Die Finanzkrise hat dazu geführt, dass in den hoch bewerteten Immobilienmärkten in Spanien, England und den USA die Blase geplatzt ist. Investoren müssen mit ganz anderen Renditehintergründen kalkulieren, einen längeren Atem haben und damit rechnen, ihr Portfolio 10-20 Jahre zu halten.

Außerdem führt die Finanzkrise zu veränderten Möglichkeiten der Refinanzierung. Fremdkapital ist schwerer zu akquirieren, Beleihungsgrenzen sind enger, die Möglichkeiten, Immobilienpakete zu schnüren, eingeschränkt. Das alles führt zu einer deutlich abgekühlteren Einstellung gegenüber Immobilieninvestments. Vor der Finanzkrise fragte man: Wann zieht Deutschland endlich auf das erhöhte Preisniveau nach? Diese Frage hat sich erübrigt. Immobilienpreise werden keinen großen Sprünge nach oben machen.

Wie sich der demographische Wandel auf den Immobilienmarkt auswirkt:

Der Rückgang der Bevölkerung wird zu einem Rückgang der Nachfrage nach Büro- und Wohnimmobilien führen. Investoren werden sehr genau hinschauen, wo die Nachfrage auch in Zukunft gesichert ist. Eine Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung besagt, dass in den gesamten neuen Bundesländern mit Ausnahme der Zentren Leipzig, Dresden und Berlin die Einwohnerzahlen deutlich schrumpfen werden. Auch in den alten Bundesländern gibt es Regionen wie das Ruhrgebiet, Nordhessen, das östliche Niedersachsen und das Saarland, wo die Bevölkerung deutlich abnimmt, es zu Leerständen und sinkender Vermarktbarkeit kommt.

Dagegen liegt in den Städten und den dynamischen Kernregionen noch Potenzial. Regionen wie München Umland, Hamburg Umland, Berlin Speckgürtel, die Rheinschiene zwischen Düsseldorf und Mannheim sowie Baden-Württemberg sind nach wie vor Wachstumsregionen.

Die Revitalisierung der Stadtzentren

Nach Jahrzehnten, in denen die Immobiliennachfrage in die Fläche ging, sowohl was Gewerbe als auch was Wohnen betrifft, können wir jetzt wieder ein verstärktes Interesse an den Städten feststellen. Beim Gewerbe deshalb, weil wir uns von der Produktions- zur Dienstleistungsgesellschaft entwickeln. Unternehmen, die Dienstleistungen anbieten, haben keinen so hohen Flächenverbrauch wie die industrielle Verarbeitung.

Zudem sehen wir:  Wissensarbeiter arbeiten gern dort, wo andere Kreative arbeiten und das ist nicht auf dem Gewerbegebiet, wo man sich bei einer Frittenbude trifft. Das gleiche gilt für Wohnimmobilien. Wenn die Kinder aus dem Haus sind, ziehen viele ältere Menschen wieder in die Stadt zurück. Junge Familien bleiben in der Stadt, weil sie dort höhere Lebensqualität erwarten. Der Wettlauf um die jungen Familien in der Stadt hat bereits begonnen. Städte, die es sich leisten können, investieren in Kindergärten, in Spielplätze und in bezahlbaren Wohnraum für Familien.

Fazit: Die Hoffnung auf einen allgemeinen Boom hat derzeit keine Nahrung. Dass der Boom in absehbarer Zeit kommt, ist eher unwahrscheinlich. Die von den Akteuren der Immobilienbranche herbeigeredeten Erwartungen auf Preissteigerungen sind nichts weiter als eine Hoffnung, der jede Basis fehlt. Jeder Immobilien-Investor, ganz gleich, ob privat oder gewerblich, wird sich die wenigen Rosinen im Markt mühevoll herauspicken müssen. Immobilien, die auch in Zukunft AAA-Status haben (Sicherheit, Lage, Infrastruktur, Wertzuwächse), werden rar bleiben.

Anmerkung: Dieser Text ist der Auszug aus einem Interview, das der Autor mit dem Blog der ImmoCom anlässlich einer zentralen Veranstaltung dieses Verbandes führte. Christine Plaß verfasste den Text dieses Interviews. Credit: Klick hier!

Hinweis in eigener Sache: In der Abonnement-Ausgabe des Trendletter stellen wir jeden Monat wichtige Trend-Signale vor, die Märkte, Kundenverhalten und Immobilienwirtschaft von morgen prägen. Falls Sie die Abonnement-Ausgaben des Trendletter interessieren: hier (Klick!) können Sie eine Probeausgabe sowie die Option für ein Abonnement erhalten.

Endlich etwas über Chinas Zukunft

Montag, 21. September 2009

von Axel Gloger

Für den Trendletter befasse ich mich schon seit vielen Jahren intensiv mit China. In zahlreichen Analysen haben wie die Lage im Reich der Mitte immer wieder aufgearbeitet. Regelmäßige Leser werden unsere China-Reports kennen und schätzen. Wir haben dafür auch von ausgewiesenen China-Experten Anerkennung erhalten. Abonennten des Trendletter finden die China-Ausgaben im Online-Achiv (hier klicken, aktuelles Passwort eingeben).

Aber genug des Selbstlobs.

Die Tage kommt eine heiße Neuerscheinung auf meinen Tisch, von der Sie wissen sollten. “Chinas Megatrends. Die 8 Säulen einer neuen Gesellschaft” heißt das neue Buch. Zum Bestellen auf den Buchtitel klicken.

Klingt nach dem China-Buch Nr. 364, ja, ich habe Sie alle hinter mir im Regal stehen. Aber dieses China-Buch ist anders als alle anderen. Es ist nicht von außen gesehen geschrieben, sondern von innen heraus. China über China. Das macht den entscheidenden Unterschied.

Zudem erhöht der Autor das inhaltliche Gewicht des Werkes. Es ist John Naisbitt, der das Buch zusammen mit seiner Gattin Nr. 3, Doris Naisbitt, verfasst hat. Naisbitt, Sie erinnern sich: Megatrends. Das Buch hatte weltweit eine Millionen-Auflage, damals, in den 1980er Jahren. Es war das erste Mal, dass sich jemand der Zukunft nicht als Guru, sondern mit einem professionellen Früherkennungssystem zugewandt hat. Die Ergebnisse waren entsprechend. Das meiste, was Naisbitt damals voraussah, kam auch so.

Nun ist Naisbitt nicht mehr 29. Ich darf es hier ganz offen sagen: Seine letzten beiden Werke waren schlaff. Sie kapitlaisierten den berühmten Namen. Aber wirklich weiter gebracht haben sie uns, speziell als Unternehmer, nicht.

Aber mit diesem Buch ist es ganz anders. Naisbitt ist wieder der alte. Von unglaublicher Frische, guter Beobachtungsgabe, Präzision und Deutungs-Kompetenz. Er hat über Jahre mit einem Team von 28 Chinesen aus öffentlich zugänglichen Quellen Material zu Zukunftsthemen gesammelt, ausgewertet und die Fakten zu einem sehr lesbaren Report eingekocht. Kurz: Die einst so ruhmreiche Megatrend-Methode lebt in diesem Buch mit voller Kraft wieder auf!

Nur ein Beispiel: Naisbitt zeigt, dass Chinas Staatsunternehmen wahrscheinlich alle privatisiert werden. Das wird Unternehmen aus dem Westen noch einmal neue Chancen verschaffen, weil die Dynamik der möglichen Partner gestärkt wird und China als B2B-Markt noch interessanter wird.

Mein Votum: Geben Sie die anderen China-Bücher ins Antiquariat. Lesen Sie Naisbitt. Die 21,90 Euro für das Buch sind gut angelegt, Ihre wertvolle Lesezeit auch.