von Axel Gloger
Deutschland ist wieder einmal Vorreiter. Unsere Unternehmen sammeln jetzt Erfahrung mit einem Thema, das schon morgen die ganze Welt betreffen wird. Nein, wir meinen in diesem Falle nicht die grüne Wirtschaft, sondern die alternde Gesellschaft. Wir sind Vorreiter zu einem scheinbar tristen, undynamischen Thema: Die Menschen werden immer älter, sie bekommen immer weniger Kinder, der Wohlstand nimmt gleichzeitig stark zu. Das haben wir in den letzten 50 Jahren durchgemacht, alle, wirklich alle anderen Länder der Welt werden uns folgen.
Es ist nicht mehr eine Frage des Ob, sondern allenfalls noch eine Frage des Wann.
Auf diesen Zusammenhang machte uns die 4. Villa Mumm-Konferenz aufmerksam, die die Fondsgesellschaft Fidelity Investments dieser Tage in Kronberg veranstaltete.
Danach darf sich Deutschland durchaus als Pionier begreifen. Wir haben, neben Japan, die größten und längsten Erfahrungen mit der alternden und schrumpfenden Gesellschaft. Unsere Unternehmen haben schon gezeigt, wie die Transformation mit alternden Belegschaften und Gesundheistmanagement nachfragenden Mitarbeitern zu bewältigen ist, und was zu tun ist, wenn Produkte für Märkte zu entwickeln sind, auf denen die Zielgruppen massiv altern.
All das sollten wir aus diesem Grund nicht als Last, sondern als intellektuelles Kapital ansehen. Wir sind gut ausgestattet für eine Welt, in der das, was wir schon hinter uns haben, auch auf viele andere Länder zukommen wird.
Der Statistiker und Bevölkerungswissenschaftler Herwig Birg wies das in seiner Analyse, die er auf der Villa Mumm Konferenz vortrug, eindrucksvoll nach. Demnach gibt es für alle Kontinente nur eine Entwicklungsrichtung: zunehmende Lebenserwartung, weniger Geburten, wachsender Wohlstand. Ein Indiz von vielen: Die Kinderzahl pro Frau hat sich weltweit seit 1960 von seinerzeit 5 auf heute 2,5 halbiert. Dieser Trend wird sich fortsetzen.
Was bedeutet das für Unternehmen aus Trendletter-Sicht? Wir werden all das, was wir in den letzten beiden Dekaden im Umgang mit einer rapide alternden Gesellschaft gelernt haben, als Exportschlager nutzen können. Alternde Märkte, alternde Mitarbeiter und schrumpfende Jugendmärkte, all das kennen unsere Unternehmen schon, während es viele Unternehmen im Ausland erst schmerzvoll lernen müssen.
Die Aufgabe lautet deshalb: Wie können wir aus unserem Wissen, das wir exklusiv haben, einen Wettbewerbsvorsprung entwickeln? An der Antwort auf diese Frage werden sich erfolgreiche Unternehmen von morgen messen lassen müssen – auch aus der Sicht von Investoren übrigens.

