von Axel Gloger
Interne Berater haben es manchmal schwer. Das zeigt sich, wenn der Consultant empfiehlt, einen maroden Betriebsteil dicht zu machen. Dann muss er mit den Tränen von Kollegen umgehen, die ihm über Jahre nahe gestanden haben – und Stellen von Managern abbauen, die mehr Sterne auf der Schulter tragen als er selbst.
Ein externer Berater hätte diese Probleme nicht. „Er kann viel leichter in die Rolle des Buhmanns schlüpfen. Denn er geht, sobald das Projekt zu Ende ist“, sagt Isabel Lausberg, Professorin an der Technischen FH Georg Agricola in Bochum. Während ihrer Berufstätigkeit für die interne Beratung eines Dax-Konzerns erlebte sie auch die Schwäche der Profession: „Der Hausberater funktioniert nicht gut als Überbringer schlechter Nachrichten.“
Fälle wie dieser zeigen die Grenzen des Systems. Interne Berater geraten mitunter in eine schwierige Rolle – sie sind Arzt und Patient gleichzeitig:
Sie spüren selbst die Schmerzen, die sie dem Organismus zufügen müssen, um ihn zu kurieren.
- Was etwa ist zu tun, wenn der Berater gegenüber einem Top-Manager so richtig ans Eingemachte gehen muss?
- Was soll der Berater sagen, wenn er die Strategie des Vorstandes für falsch hält?
Solche Themen begegnen der Branche häufiger: „Die Frage ,abhängig oder unabhängig?‘ wird immer wieder neu diskutiert“, sagt Matthias Quaisser, Chef von IBM Inhouse Consulting. Bestimmte Aufträge würde er deshalb gar nicht annehmen: „Wenn es Abhähigkeiten gibt, die wir im Projekt nicht aushalten, können wir auch ,Nein‘ sagen.“
Auch mit ihrem Wissensvorrat sind die Internen ganz anders aufgestellt als McKinsey, Berger oder BCG.
„Mit revolutionären Ideen tun sich die Hausberater schwer“, sagt Stefanie Schulz von Anxo Management Consulting, die am Markt ihre Aufträge einwirbt. Grund für das Ausbleiben der Durchbruch-Ideen sei die starke mentale Bindung der Hausberater an ihr Unternehen. Hier kennen sie sich mit allen Produkten, Märkten und Abläufen sehr gut aus. „Viel besser als jeder Externe“, taxiert die Düsseldorfer Beraterin den Vorsprung.
Aber dieses Wissen mache eben auch betriebsblind.
Zudem werde der interne Berater immer als Mitglied der Familie wahrgenommen. Das schafft zwar Vertrautheit, könne aber den nötigen Aufbruch bremsen. „Der Prophet im eigenen Lande gilt nichts“, wendet Schulz, die früher auch als Inhouse-Consultant gearbeitet hat, eine alte Weisheit auf den Alltag der Hausberater an.
Auch mit dem Blickwinkel tun sich die Hausberater manchmal schwer: „Sie sehen die Welt immer durch die Brille des eigenen Unternehmens“, sagt Arnd Petmecky, heute Geschäftsführer von Clevis Interim. Berater, die von außen kämen, seien dagegen nicht Teil ihres Kunden. Sie können deshalb leichter die Perspektive wechseln und Vergleiche zu anderen Unternehmen anstellen. Ein externer Senior-Berater sei zudem ein wandelndes Fälle-Lexikon. „Wer 60 Projekte gemacht hat, weiß, an welchen Punkten andere Firmen schon gescheitert sind“, sagt der ehemalige Inhouse-Berater eines Dax-Konzerns.

