Mit ‘Corporate Learning’ getaggte Artikel

Corporate Learning nach demselben Muster organisieren wie Facebook oder Wikipedia | Die P2P-University als Vorlage

Montag, 08. März 2010

von Axel Gloger

Stellen Sie sich eine Universität vor, die organisiert ist wie E-Bay. Oder denken Sie an eine Hochschule, die nach dem selben Muster läuft wie Wikipedia: Der Betreiber stellt eine Struktur, eine Software und eine Internet-Präsenz bereit. Die Inhalte liefern die Teilnehmer. Das funktioniert auch für Lern-Anwendungen – davon ist jedenfalls der israelische Unternehmer Shai Reshef überzeugt.

Er gründete die Einrichtung im Jahr 2009. Ihr Konzept wird eine Vorlage liefern für das Lernen der Zukunft – auch im Betrieb. Die University of the People hat bereits am 10. September 2009 ihren Lehrbetrieb mit Studenten aus der ganzen Welt begonnen. Der Lernprozess wird vollständig online abgewickelt, der Zugang für die Kurse läuft für Studenten und Instruktoren über den PC, Studiengebühren werden nicht verlangt.

Die Studenten zahlen nur eine geringe Gebühr für die Einschreibung sowie eine Gebühr für die Examina, die sie ablegen. Das einzige Offline-Element dieses Bildungsanbieters sind die Prüfungen und Abschlussexamina – diese werden ganz konventionell mit pyhsischer Anwesenheit in der Gegenwart von Instruktoren und Professoren durchgeführt.

Wie funktionieren die Kurse dieser Universität? Die UoPeople hat sich radikal dem Peer-to-Peer-Prinzip verschieben, das heißt, dass die Teilnehmer die Inhalte selbst generieren.

Die Hochschule baut damit die Idee der denzentralen Intelligenz als Kernbestandteil ihres Konzepts auf: Jeder weiß zu einem Thema etwas, niemand weiß alles, aber wenn alle ihr Wissen zusammenlegen, wissen alle am Ende viel.

Damit setzt die UoPeople auch darauf, dass der zu lernende Stoff nicht während des Kurses von einem Trainer auf die Lernenden transferiert wird, sondern dass die Inhalte während des Lernprozesses selbst von den Teilnehmern in laufender Interaktion erzeugt werden.

Zu diesem Zweck beschränkt sich die UoPeople als Veranstalter radikal darauf, eine formale Infrastruktur für das Lernen bereit zu stellen:

Der Weiterbildungsanbieter ist allein der Bereitsteller des Rahmens, nicht aber der Bereitsteller der Lerninhalte. So führt die Hochschule die Einschreibung und Verwaltung der Teilnehmer durch und stellt die Kursstruktur bereit: Es sind einige Studiengänge definiert, zum Beispiel Betriebswirtschaft und Informatik (Diese Praxis ist ähnlich der bei E-Bay – das Unternehmen stellt das virtuelle Warenhaus bereit, seine Regale werden von den Nutzern selbst gefüllt).

Diese Studiengänge setzen sich aus einzelnen Kursen zusammen, die der Teilnehmer verpflichtend absolvieren muss. Jeder der Kurse dauert ein Online-Semester von 10 Wochen und stellt bestimmte Anforderungen an Mitarbeit und Präsenz. Für einen abgeschlossenen Kurs gibt es Lern-Credits. Wer die nötigen Lern-Credits beisammen hat, darf sich zum Examen anmelden. In einem typischen Kurs arbeiten 15 bis 20 Studenten zusammen, melden sich mehr an, wird ein zusätzlicher Kurs gleichen Themas angeboten.

Das Modell der UoPeople hebt die Grenze zwischen Lehrenden und Lernenden auf, jeder Weiterbildungsteilnehmer schlüpft gleichzeitig in beide Rollen.

Das macht eine Fakultät oder den Trainer als Wissens-Monopolist im klassischen Sinne überflüssig – und hebt damit auch eine wichtige Begrenzung auf: Im Grunde kann die UoPeople zu jedem Thema beliebig viele Kurse anbieten, das Angebot wird nicht durch die Verfügbarkeit von Lehrkräften begrenzt, sondern allein durch die Zahl der eingeschriebenen Studenten gesteuert.

Zusammen mit der weitgehenden Gebührenfreiheit und der globalen Verfügbarkeit des Angebots ist damit eine Demokratisierung des Lernens eingeleitet, die es so zuvor noch nicht gab. Die Zugangshürden zur Weiterbildung dieses Typs sind sehr niedrig, Internet-Anschluss und PC reichen aus, um Student zu werden. Der Wohnort spielt keine Rolle mehr.

Schlussfolgerungen des TRENDLETTER für Unternehmer:

  1. Das Muster der UoP zeigt, dass sich die Bereitstellungsprozesse von Lernwissen in Zukunft radikal ändern werden.
  2. Peer-to-Peer-Lernen wird in der Welt des Internet 2.0 zu einem etablierten Standard.
  3. Bewährte Konzepte der P2P-Wertschöpfung aus der dinglichen oder medialen Welt lassen sich auch auf das betriebliche Lernen übertragen.
  4. Die Mitlernenden werden zu einer wichtigen Quelle für Lerninhalte, Konsum (=Lernen) geht Hand in Hand mit Produktion (=Lehren), die Grenzen zwischen diesen Sphären verfließen.
  5. Corporate Learning wird das Funktionsprinzip der UoP in Zukunft für seine Zwecke nutzen.

Wie das 24/7-Lernen per iPhone den Alltag in den Büros und Werkshallen erobert | Vortrag von Axel Gloger

Montag, 01. März 2010

Wie werden wir im Jahr 2030 lernen? Welche Zukunft hat Corporate Learning? (Hinweis auf einen Vortrag zum Thema am Ende dieses Artikels)

Einige Trends zeichnen sich mit dem Wissen von heute schon ab. So sieht der Trendletter die Entwicklungen:

1. Lernen verlässt den Klassenraum

Lernen von Berufstätigen ist die längste Zeit ein Ding gewesen, dass von ein paar Personalern für eine abgegrenzte Zeit in einem abgelegenen Konferenzhotel/Schulungszentrum organisiert wurde. So ist die Welt von morgen nicht mehr. Stellen Sie sich Lernen wie den Gang zum Kaffeeautomaten im Büro vor: Wann immer neues Wissen gebraucht wird, muss es zu minimalen Transaktionskosten verfügbar sein!

2. Lernen wird zur 24/7-Applikation

Lernen lässt sich in Zukunft weder in einen Raum sperren noch auf einen Ort reduzieren. Gelernt wird immer, wenn es gerade passt – in der Pause, während der Arbeit, beim Multitasken (auch wenn das den Digital Immigrants merkwürdig vorkommt), im ICE, in der Frequent-Traveller-Lounge der Lufthansa, im Wartezimmer beim Arzt, wo auch immer – und jederzeit.

3. Vor allem: 3L wird der Schlüsselfaktor für die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen von morgen.

3L heißt: lebenslanges Lernen. Ohne das geht es nicht mehr. Die Einmalabfüllung am Anfang des Berufs (Lehre, Studium) ist keine Option mehr. Wir müssen mit unserer 40-plus-alten Arbeitsbevölkerung gegen die jungen Wissensarbeiter auf dem Weltmarkt konkurrieren. Innovative Inder und, noch, Chinesen, könnten alle unsere Kinder sein. Deshalb müssen wir bewährtes Erfahrungswissen mit Entlernen und neuem Wissen kombinieren. Sonst ist es vorbei mit Deutschland als Mutterland der Hidden Champions, der mittelständischen Weltmarktführer.

4. Learning goes iPhone

Das iPhone und seine Verwandten sind DIE Zugangsapplikation schlechthin für die gesamte Organisation des Lebens. Es ist nicht übertrieben, wenn wir feststellen: Das kleine Gerät wird zur Fernbedienung für alles und jedes. Medienzugangskanal, Universität in der Tasche, Schlüssel für alles, Navigationssystem, Realitätserklärer, Finde- und Erklärmaschine für alles und jedes. Auch für das Lernen. Wissen Sie, dass man schon heute auf dem iPhone den kompletten Inhalt einer 20-teiligen Fernsehserie ablegen kann?

5. Lernen stellt sich dem Diktum der Ökonomisierung

Corporate Learning wird, zum Glück, auch von den Controllern überwacht. Sie wollen wissen: Was kostet es, was bringt es? Die Zeiten des romantischen Personaler-Biotops sind damit vorüber. Voraus denkende PE-ler haben das Thema längst aufgegriffen – wir müssen uns beim Corporate Learning denselben Mittel-, Kosten- und Ziel-Überlegungen stellen wie überall sonst in der betrieblichen Praxis.

Jetzt wollen Sie mehr wissen?

Ich weise Sie auf das hin: Trendletter-Chefredakteur Axel Gloger hält einen Vortrag zum Thema “Lernwelten 2030 – Welche Megatrends den Erwerb neuen Wissens prägen werden”.

Termin: Donnerstag, 25. März 2010, Frankfurt um 09.40 Uhr.

Die Veranstaltung ist für Unternehmensvertreter wie Sie offen. Der Anlass ist ein 1,5 Tage-Symposium (24. abends, 25. ganztags), Axel Gloger hält den Eröffnungsvortrag am Mittwoch. Programm und Anmeldung hier klicken: klick!

Falls Sie noch zweifeln, sei ein wenig Werbung für den Anlass erlaubt:

Mit diesem Inhalt und der Vielzahl toller Referenten ist die Anmeldegebühr von EUR 195,– geschenkt – bei einem kommerziellen Veranstalter würden Sie für so etwas EUR 1.950,– zahlen.

Ich würde mich freuen, wenn wir uns in Frankfurt sehen!

–> Weitere meiner Vorträge mit Terminen sehen Sie hier (klick!)

Weiterbildung von morgen: Die Universität wird ein riesiges Lern-Wiki, überall und jederzeit verfügbar, zu minimalen Kosten nutzbar

Freitag, 27. November 2009

von Axel Gloger

Welche neuen Formate das in der Weiterbildung hervor bringen kann, zeigt eine Gründung aus Israel. Der Unternehmer Shai Reshef ist Gründer und Präsident der University of the People, die er nach dem Vorbild des Online-Netzwerks www.cramster.com gegründet hat. In Deutschland stellte Reshef seine Gründung zum ersten Mal bei der DLD-Konferenz in München vor.

Cramster erfüllt heute für viele Schüler und Studenten in der englischsprachigen Welt eine Funktion, die eine Mischung aus Nachhilfelehrer, Tutor und Hausaufgabenbetreuer ist. Die Anwendung, die im Jahr 2003 online ging, ist ein typisches Beispiel für die Wissensmobilisierung im Internet-Zeitalter. Hier werden Menschen, die Wissen zur Verfügung stellen, und solche, die Wissen zu bestimmten Themen suchen, in einem dezentralen, selbstorganisierten Verfahren zusammen gebracht.

Der Prozess ist vollständig digitalisiert, kommt ohne institutionalisierte Lehrpersonen aus und steht jedermann 24 Stunden am Tag zur Nutzung zur Verfügung. Zentrales Funktionsmerkmal von Cramster sind die Lerngruppen. Was früher, oft mit einigen Mühen, offline organisiert wurde, kann über Cramster online vollzogen werden.

Nach dieser Vorlage hat der Unternehmer die University of the People (UoPeople) im Januar 2009 gegründet, bereits am 10. September 2009 wurde der Lehrbetrieb mit Studenten aus der ganzen Welt begonnen. Der Lernprozess wird vollständig online abgewickelt, der Zugang für die Kurse läuft für Studenten und Instruktoren über den PC, Studiengebühren werden nicht verlangt. Die Studenten zahlen nur eine geringe Gebühr für die Einschreibung sowie eine Gebühr für die Examina, die sie ablegen. Das einzige Offline-Element dieses Bildungsanbieters sind die Prüfungen und Abschlussexamina – diese werden ganz konventionell mit pyhsischer Anwesenheit in der Gegenwart von Instruktoren und Professoren durchgeführt.

Wie funktionieren die Kurse dieser Universität? Die UoPeople hat sich radikal dem Peer-to-Peer-Prinzip verschieben, das heißt, dass die Teilnehmer die Inhalte selbst generieren. Die Hochschule baut damit die Idee der denzentralen Intelligenz als Kernbestandteil ihres Konzepts auf: Jeder weiß zu einem Thema etwas, niemand weiß alles, aber wenn alle ihr Wissen zusammen legen, wissen alle am Ende viel. Damit setzt die UoPeople auch darauf, dass der zu lernende Stoff nicht während des Kurses von einem Trainer auf die Lernenden transferiert wird, sondern dass die Inhalte während des Lernprozesses selbst von den Teilnehmern in laufender Interaktion erzeugt werden.

Weiterlesen: Die Folgen des neuen Modells, am Beispiel erklärt.

Das Modell der UoPeople hebt die Grenze zwischen Lehrenden und Lernenden auf, jeder Weiterbildungsteilnehmer schlüpft gleichzeitig in beide Rollen. Das macht eine Fakultät oder den Trainer als Wissens-Monopolist im klassischen Sinne überflüssig – und hebt damit auch eine wichtige Begrenzung auf: Im Grunde kann die UoPeople zu jedem Thema beliebig viele Kurse anbieten, das Angebot wird nicht durch die Verfügbarkeit von Lehrkräften begrenzt, sondern allein durch die Zahl der eingeschriebenen Studenten gesteuert.

Zusammen mit der weitgehenden Gebührenfreiheit und der globalen Verfügbarkeit des Angebots ist damit eine Demokratisierung des Lernens eingeleitet, die es so zuvor noch nicht gab. Die Zugangshürden zur Weiterbildung dieses Typs sind sehr niedrig, Internet-Anschluss und PC reichen aus, um Student zu werden. Der Wohnort spielt keine Rolle mehr.

Was bedeutet das Angebot der UoPeople für die Weiterbildungswirtschaft? Das Vorgehen des Gründers zeigt, dass es im Prinzip möglich ist, Weiterbildung zu fast 100 Prozent Peer-to-Peer-basiert durchzuführen. Zudem lässt sich das Internet dafür nutzen, Inhalte in Echtzeit zu übertragen, Teilnehmer in Echtzeit in einem virtuellen Klassenraum zusammen zu bringen und damit die Begrenzungen von Raum und Zeit beim Lernen von Gruppen aufzuheben.