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Welche Art von Innovation Unternehmen von Zeit zu Zeit brauchen / Kongress X-Organisationen / Management Biennale

Freitag, 20. November 2009

von Axel Gloger

Viele Unternehmen, insbesondere größere, sind gut in einer Disziplin: der kontnulierlichen Innovation. Sie betreiben Verbesserungsprozesse, die Neues zum Vorhandenen hinzu fügen. Sie machen Produkte und Prozesse, die schon vorhanden sind, noch besser. Hier werden Innovation und Verwaltbarkeit unter einen Hut gebracht. Keine Überraschungen, nur schrittweise Verbesserungen, so heißt das Mantra.

Reicht das für die Zukunft?

Wer in kleinen Schritten verbessert, kann aus einer guten Kutsche eine sehr gute machen – oder aus einem guten Auto ein perfekt produziertes. Das beobachtet der Trendletter in vielen Industrien. Aber so kommt nicht das Neue in die Welt.

Wenn der Unternehmer Georg Brandstätter heute noch Beschläge und Schlösser für Koffer produzieren wollte, hätte er wahrscheinlich kaum noch einen Markt. Er aber hat längst sein Geschäft geweschselt – Plastik statt Metall, so lautete die Überschrift zur neunen Strategie. Er erfand in den 1970er Jahren die Playmobil-Figuren. Diese sind heute sein Geschäft. Er ist einer der größten Spielzeughersteller der Welt geworden. Sein Geschäft wächst, im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen der Branche.

Was hat er vollzogen? Innovationsexperten wie Prof. Frank Piller (RWTH Aachen) nennen das “disruptive Innovationen”. Neuerungen, die sehr selten, dann aber konsequent, alles verändern und erneuern. Nicht der kleine Schritt, sondern der große Wurf.

Das ist eine vollkommen andere Art der Innovation. Lesen Sie in den folgenden Absätzen mehr über die Praxis.

Disruptive Innovation ignoriert die üblichen “Das geht nicht” oder “Das können wir nicht”-Einwände. Sie stellt nicht das Vorhandene in Frage, sie ignoriert es einfach, um etwas Neues zu schaffen. Das Vorgehen ist anstrengend, es verlangt Ausdauer und Phantasie. Vor allem: Es passt nicht in Ihre vorhandenen Prozesse und Abläufe.

Playmobil konnte nur entstehen, weil der Unternehmer

  1. außerordentlichen Mut bewies
  2. nicht im Vergangenen kleben blieb
  3. es zuließ, dass seine Innovatoren ein Terrain betraten, das allen vollkommen unbekannt war
  4. die alten Regeln ignorierte

und dem neuen Geschäft so eine Chance gab. Diese Aufzählung liest sich einfach, in der Praxis aber sollte das Unternehmen alle seine Kräfte zusammen nehmen, um die Herausforderung der vollständigen Transformation zu bestehen.

Trendletter-Empfehlung für Unternehmer: Bei allem Erfolg von KVP – geben Sie von Zeit zu Zeit auch dem großen Wurf Raum. Schränken Sie Mitarbeiter, die an solchen Themen arbeiten, nicht ein. Lassen Sie sie laufen, geben Sie ihnen das nötige Spielfeld, am besten außerhalb der Hierarchie. Binden Sie die Beteiligten in die unternehmerische Verantwortung ein, damit aus der Spielwiese ein Geschäft wird. Belohnen Sie Gelingen. Denken Sie zudem daran: Bis das Große rund läuft, vergehen manchmal Jahre. Geduld ist deshalb ein wichtiger Produktionsfaktor.

Credits: X-Organisation, Prof. Dr. Frank Piller, Institut für Innovationsmanaement, RWTH Aachen, und sein Workshop, den er auf dem Berliner Kongress durchführte, sowie Management Zentrum Witten (MZW).