Mit ‘Familienunternehmen’ getaggte Artikel

Finanzierung: So bleiben Sie solide

Montag, 22. Juni 2009

von Axel Gloger

Banker und Berater tingeln durch die Lande: “Verkaufen und zurückmieten”, so lautet die Empfehlung. Eine zweifelhafte Praxis für Unternehmer, die langfristig unabhängig bleiben woillen. Ich habe an dieser Stelle bereits darauf hingewiesen.

Oft ist die Antithese zum Mainstream genau richtig. Super-Investor Warren Buffett kauft Aktien, wenn alle anderen am Markt wegen des Crashs kalte Füße haben. Unternehmer Ralf Schwager kauft seine Immobilien zurück, wenn alle den Verkauf empfehlen. Der Mann ist Inhaber der Kaufhauskette Schwager, einem 1923 gegründeten Familienunternehmen. Vielleicht hätte sich Thomas Middelhoff bei ihm eine Vorlage holen sollen. Er betreibt eine regionale Kaufhauskette mit zehn Filialen. Zentrale: Holzminden. Die Kerndaten sind ganz anders als bei Karstadt. Der Umsatz wächst, die Rendite ist für einen Universal-Händler mit 1,8 Prozent sehr ordentlich.

Und seine Immobilien? Die hat er nicht gemietet. Er hat auch auf keinen gehört, der ihm Sale-and-Lease-Back empfohlen hat. Konkret: Acht der zehn Standorte gehören dem Unternehmen. Die restlichen beiden wird er auch demnächst kaufen. “Das hilft, wenn das Geschäft noch schwieriger wird”, schreibt die “Financial Times Deutschland” in einer Analyse. Denn: Sobald der Anteil der Miete im Kaufhausgeschäft einen Anteil von 5 Prozent des Umsatzes übersteigt, wird es schwierig. Daran ist wohl auch Karstadt gescheitert, meint Matthias Lambrecht, Autor des FTD-Artikels, zu recht.

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Finanzierung – für Nicht-Konzerne gelten andere Regeln

Freitag, 12. Juni 2009

von Axel Gloger

Vorsicht, Unternehmer, Rammen Sie sich nicht selbst den Dolch in die Brust – durch unvorsichtige Finanzierung etwa. Mancher Extere wird auf Ihre stillen Reserven schielen. Kommt ein Unternehmensberater, sagt: “Sie haben stille Reserven in der Bilanz. Die können wir heben und zu Geld machen.” Das ist ein gut gemeinter Ratschlag. Carl von der Goltz ist einer der Promotoren. Sein Geschäft ist das sogenannte Sale-and-Lease-back, seine Firma Maturus Finance betreibt dieses Thema als Kernkompetenz. “Neue Chancen für mittelständische Unternehmen”, ruft seine Homepage dem interessierten Leser zu.

Aber seit Berthold Brecht wissen wir: Gut gemeint ist das Gegenteil von gut. Prüfen Sie genau, wenn ein Vorschlag dieses Typs auf Sie zu marschiert. Was passieren kann, zeigt der Fall Arcandor. Obermann Thomas Middelhoff hatte die Immobilien im März 2009 an einen Investor verkauft. Karstadt war fortan Mieter in den ehemals firmeneigenen Kaufhäusern. Der Verkauf brachte, nach Abzug der Schulden, die auf den Warenhäusern lasteten, 800 Mio. Euro in die Firmenkasse. Das ist schon etwas, besonders in cash-klammen Zeiten.

Aber: die Mieten! Fortan muss Karstadt nicht unerhebliche Mieten bezahlen. Bargeld, das aus dem Konzern abfließt in Richung Vermieter. In Boom-Zeiten ist das kein Problem. Wenn der Umsatz wächst, wird das Gewicht der Miete immer geringer. Aber derzeit passiert das Gegenteil. “Rezession schwächt Konsum”, so lautet das Mantra im Handel. Nach und nach wurde die relative Last der Mieten immer drückender.

Wir sehen: Thomas Middelhoff hat dem alten Dampfer Karstadt mit dem Verkauf der Kaufhäuser einen Bärendienst erwiesen. Der Effekt der zusätzlichen 800 Mio. in der Kasse ist längst verpufft, geblieben sind: richtig, die Mieten, die Monat für Monat gezahlt werden müssen.

Für Inhaber- und Familienunternehmen sollte deshalb gelten: Finger weg von solchen Deals. Für Sie zählt die Wahrung der unternehmerischen Unabhängigkeit mehr als ein Plus in der Kasse. Wenn die Immobilien in Ihrer Hand bleiben, kann Ihnen keiner reinreden, Sie sind von keinem Vermieter abhängig, sie müssen nicht fürchten, dass einmal vereinbarte Mieten kalt erhöht werden. Lassen Sie sich nicht vorschnell auf das Glatteis des Verkaufen-Zurückmieten-Modells führen. Das bringt oft der Gegenseite (Vermieter) mehr, als Sie je wieder einspielen können. Sollen Ihre Kinder auch noch für die Fehlentscheidungen zahlen müssen?

Eine stille Reserve kann zwar aus der Sicht der immer an die Großkonzerne denkenden BWL suboptimal sein. Aber für ein Inhaber- und Familienunternehmen ist sie dennoch der richtige Weg. Sie garantiert, dass Sie Ihren Weg gehen können.

Anders mag das nur sein, wenn Sie Assets verkaufen und zurückmieten, die nicht zu ihrem Kerngeschäft gehören. Hier kann es sinnvoll sein, zusätzliche Geldmittel aus der Bilanz zur freien Verfügung zu heben. Diese sollten dann bitte aber auch am richtigen Ort investiert werden – nämlich in den weiteren Ausbau Ihres Wettbewerbsvorteils. Ansonsten gilt: Wenn Ihnen Banken oder Berater schöne Augen machen – prüfen Sie den Vorschlag genau. Hüten Sie sich vor zusätzlichen finanziellen Lasten, die Ihren laufenden freien Cashflow angreifen. In der Rezession ist das eine wichtige Überlebensregel!

Familienunternehmer: Sie melden sich zurück!

Donnerstag, 07. Mai 2009

von Axel Gloger

Familienunternehmer kennt keiner? Das war gestern. Ein wichtiger Trend prägt uns seit einiger Zeit: der Vormarsch der inhaber- und familiengeführten Unternehmen. Konnte es für diesen Unternehmenstyp noch vor einigen Jahren gar nicht dunkel genug sein in der Nische, ist es jetzt genau umgekehrt. Er steht im hellen Licht der Öffentlichkeit.

Das haben wir auch Maria Schaeffler und Wiedeking/Piech/Porsche zu verdanken. Sie haben das Thema in die Schlagzeilen gebracht.

Aber: Das ist nur die äußere Haut von etwas viel Größerem. Familienunternehmen sind überall. 90 Prozent der Firmen in Deutschland stellt dieser Unternehmenstyp. 1.000 davon wagen sich jetzt mit einem Großprojekt gemeinsam auf die Business-Bühne:

Florian Langenscheidt stellte heute das “Lexikon der deutschen Familienunternehmen” vor. Ein Mammutbuch. Es ist das Manifest der neuen Wirtschaft. Der Standort Deutschland, das sind nicht in erster Linie die Dax-Konzerne. Die Zukunft des Landes wird geprägt von den leistungsfähigen Familienunternehmen, von den Hipps, Roeckls, Oetkers, Mieles und Ritters. Diese gehen mit unbeschadetem Image, also gestärkt aus der Krise hervor. Hier gab es keine Gier-Übertreibungen, keine Bereicherung des Managements, kein kurzfristiges Zocken mit Aktienoptionen.

Langenscheidt sagt zu recht: “Prinzipientreue und aufrechter Gang sind wieder in. Moral und Nachhaltigkeit sind gefragt in diesen Zeiten.” Sein Lexikon, das der Buch-Unternehmer gemeinsam mit Peter May und unterstützt von Patrick Adenauer, Reinhard Zinkann und einigen anderen Mitstreitern herausgegeben hat, passt zum Zeitgeist. Es bietet 1.000 Geschichten von Unternehmern zum Nachlesen. Hier zeigt der Familien-Kapitalismus sein Gesicht. Endlich, das war fällig. Die Familienunternehmer werden den Ackermanns, Löschers und Diekmanns bald die Show stehlen.

Patrick Adenauer, Präsident des Verbandes Die Familienunternehmer/ASU, sagte bei der Buchvorstellung: “Das Nahbild der Unternehmer ist gut. Sie werden von der unmittelbaren Umgebung geschätzt. Die Mitarbeiter mögen Familienunternehmer.” Aber: “Das Fernbild von Unternehmern ist schlecht, es ist katastrophal.” Jeder Unternehmer tut gut daran, das zu ändern. Das Lexikon der Familienunternehmer leistet seinen Beitrag dazu. Es liefert Gesichter, Geschichten, Gefühle – also den Stoff, aus dem Legenden werden.

Der Veranstalter, der Verband Die Familienunternehmer/ASU, setzte mit der Veranstaltung ein Statement. Es gelang ihm, 300 deutsche Familienunternehmer auf den Petersberg zu holen – zum 60-jährigen Jubiläum des Verbandes. Ort und Rahmen hätten passender kaum ausgewählt werden können.

Blick ins Jahr 2020: Familienunternehmen vorn

Donnerstag, 07. Mai 2009

von Axel Gloger

Es gibt begründete Annahmen dafür, dass der Blick ins Jahr 2020 so aussieht:

1. Auf der Liste der beliebtesten Arbeitgeber stehen Familienunternehmen ganz vorn. Alle acht Top-Plätze sind von Firmen in Familienhand besetzt, darunter: Heraeus, Würth, B. Braun, Otto und Thonet. Dax-Konzerne wie Siemens und BMW, die noch im Jahr 2008 ganz vorne standen, sind weit abgeschlagen.

2. Auf den Stundenplänen vieler Stundenten des ersten Semesters steht das Fach “Betriebswirtschaftslehre der Familienunternehmen”. Für BWL-Studenten ist es Pflicht. Die Vorlesung erstreckt sich über vier Semester.

3. An jeder Universität gibt es neue Lehrstühle für Unternehmernachfolge, Führung im Familienunternehmen, Vermögenssicherung für Unternehmer, Strategie für Familienunternehmer. Das ist Folge der Gründerwelle, die schon um die Jahrtausendwende angefangen hatte. Damals haben einzelne Universiäten begonnen, sich dem lange vernachlässigten Thema Familienunternehmen zu widmen, z.B. Witten/Herdecke, Trier und die Zeppelin University in Friedrichshafen.

4. Der Wöhe wurde im Jahr 2013 ersetzt durch den May. Dieses von Prof. Peter May verfasste Werk ist jetzt das Standardwerk für die Betriebswirtschaftslehre. Es sieht die Betriebsführung in erster Linie aus der Inhaber-Perspektive. Für den Standort Deutschland erweis sich diese Entwicklung als Durchbruch. Endlich wird der häufigste Unternehmenstyp nicht mehr von der BWL ignoriert.

5. Familienunternehmen haben ihr Dinosaurier-Image endgültig abgelegt. Kommerzielle Erfolgsorientierung und professionelle Führung auf der einen und menschliche Wärme und Werte-Orientierung auf der anderen Seite erwies sich als die richtige Mischung für den Weg aus der Krise, die den Standort Deutschland die Jahre 2008-2010 geprägt hatte.