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Familienunternehmer sind nicht die Haie im Meer des Turbo-Kapitalismus | Zur Verteidigung des europäischen Führungsmodells

Montag, 29. März 2010

von Axel Gloger

Viele Familienunternehmer sind preußisch disponiert. Der kurzfristige Erfolg interessiert sie ja nicht wirklich. Gewinn ist für sie zwar hinreichende Bedingung, Überlebensmittel, ohne das es nicht geht. Aber Gewinnmaximierung heute um jeden Preis? Nein.

Ich habe kürzlich den Inhaber des ältesten deutschen Familienunternehmens kennen gelernt, 20 oder 21. Generation, der hatte ja wesentlich mehr von einem preußischen Beamten im besten Sinne als von einem amerikanisch geprägten Manager.

Ich glaube, die deutsche Wirtschaft hat auch ein inhärentes Paradigma, das der Denkweise dieses Unternehmers zumindest sehr nahe ist. Sie sind auf ihre Art sehr preußisch eingefärbt. Ich sehe Unternehmer, die die Vaterfigur leben, treu gegenüber Mitarbeitern und Stakeholdern, auf Kontinuität und Einbettung in das große Ganze bedacht. Keine Haie im Meer des Turbo-Kapitalismus.

Was wir erst noch entdecken werden: Das Erfolgsmodell Familienunternehmen wird die Management-Diskussion von morgen prägen.

Nur spricht darüber keiner, auch in der medialen Darstellung findet das praktisch nicht statt, weil die Wirtschaftsberichterstattung fast ausschließlich von den eigentlich in der Minderheit befindlichen, mit amerikanischen Methoden optimierten Konzernen handelt. Diese Konzerne sind aber nicht die deutsche Wirtschaft.

Verschlimmert wird es dadurch, dass die BWL entweder der historisierenden Sichtweise huldigt (beschreiben und verwalten) oder versucht, die Harvard Business School zu imitieren. Einen ernsthaften Versuch, das Kraftzentrum der deutschen Wirtschaft zu beschreiben, hat noch niemand unternommen, wenn man von Hermann Simon absieht, der zwar mit “Hidden Champions des 21. Jahrhunderts” rezipiert wurde, aber auf dieser Ebene von niemanden wirklich verstanden wurde.

Suchen Sie mal im Wöhe (“Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre”, Vahlen-Verlag), nachdem Generationen von Studenten ihre BWL gelernt haben, nach einer Ortung unseres wirtschaftlichen Energiezentrums. Sie werden es nicht finden.

Für die Zukunft wäre es eine vornehme Aufgabe, den deutschen Unternehmern mal zu erklären, wer sie sind, welche Wurzeln sie haben und dass sie nicht dadurch besser werden, dass sie jedes neue Maximierungsmodell aus dem englischsprachigen Raum mitmachen.

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Hinweis: Der Autor des Blogs wünscht seinen Lesern schöne Osterfeiertage. Die nächste Folge dieses Blogs wird am 07. April 2010 erscheinen.