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Stärken Sie den Inhaber-Bonus

Dienstag, 13. Oktober 2009

Von Axel Gloger

Heute auf einer Baustelle vor meinem Haus. Eine Kolonne Bauarbeiter rückt an. Dachdecker. Sie kommen nicht von einem örtlichen Handwerksbetrieb. Das Firmenauto trägt die Aufschrift eines Großkonzerns (Börse!), den Sie auch gut kennen.

Interessant das Verhalten der 4 Bauleute. Kommen auf der Baustelle an. Machen erst einmal Pause. Bis es dann Arbeitsbeginn ist, wird es 8.50 Uhr. Was anschließend als Arbeit zu sehen ist, gleicht einem Slapstick. Einer tut etwas. Die anderen stehen herum und warten, dass etwas passiert. Sie täuschen Arbeit vor, machen mal eine Autotüre auf und wieder zu, heben ein Teil an und legen es wieder hin. Alles unkoordiniert. Das Dach, das die 4 decken sollen, ist immer noch nicht fertig. Wir haben jetzt 5 Wochen nach Arbeitsbeginn.

Warum ich Ihnen das erzähle? Diese kleine Szene ist ein Hoch auf den inhabergeführten Betrieb. Offensichtlich gibt es strategische Vorteile am Markt, die ein Konzern in anonymer Eigentümerschaft nicht kopieren kann – bei allem Streben nach Dezentralität und Marktorientierung.

Was wäre in diesem Falle anders? Punkt eins: Arbeitsbeginn wäre um 0730 Uhr, spätestens. Punkt zwei: Der Inhaber wäre mit auf der Baustelle, er würde aber zumindest während der ersten Arbeitsstunde einmal vorbei schauen und nach dem rechten sehen. Allein das ist ein gewaltiges Plus, getreu dem Motto: Die Augen des Herrn machen die Kühe fett.

Wir sehen: Inhaber-Energie motiviert. Inhaber-Energie schafft eine Fokussierung der Kräfte, Inhaber-Energie setzt die Extraportion Einsatzwillen bei den Mitarbeitern frei – und das sogar dann, wenn der Inhaber gar nicht zugegen ist.

Überdies gilt: Der Inhaber schafft Bindung an eine real existierende Person. Kundenbindung, Mitarbeiterbindung, Energiebindung. Und offenbar kann er auch die zusätzlichen Denk-Energien freisetzen, die dazu führen, dass die Mitarbeiter ihre wertvolle Zeit nicht mit überflüssigen Handgriffen vergeuden.

Das spricht nicht nur für das Inhaber- oder Familienunternehmen. Es verschafft ihnen auch einen unschätzbaren, weil nicht kopierbaren Vorsprung im Wettbewerb.

Schlussfolgerung für Ihre Praxis deshalb: Setzen Sie auf den Inhaber-Bouns. Kapitalisieren Sie diesen Vorzug gezielt. Sorgen Sie dafür, dass man Sie am Markt (und auch am Arbeitsmarkt!) als inhabergeführtes Unternehmen erkennt. Sie nutzen damit eine natürliche Ausstattung Ihres Unternehmens.

Denken Sie an die großen Inhaber-Unternehmen. Sie schieben nicht umsonst ihren Inhaber in das Licht der Öffentlichkeit. Claus Hipp. Wolfgang Grupp (mit dem Affen vor der Tagesschau! Trigema). Werner Conrad. Erich Sixt. Miele, Oetker und wie sie nicht alle heißen. Diese Unternehmer treten nicht aus Egomanie vor ihre Mitarbeiter, Kunden, Stakeholder, sondern weil das einen handfesten Nutzen verankert – die Energieübertragung von Mensch zu Mensch.

Für die Zukunft: In Zeiten des angeschlagenen Manager-Kapitalismus hat das Familienunternehmen eine weiße Weste. Keine Börsen-Exzesse, keine per Bonus ungerechtfertigt eingesackten Millionen. Keine Drehtür-Führung. Sondern: Stabilität, Vertrauen, menschliches Maß. Das spricht in diesen Zeiten besonders für die Familienunternehmen.

Nur: Ihre Umgebung sollte es auch wissen. Ich kenne genug Familienunternehmen, die sich geben wie ein Börsenkonzern. Völlig falsch! Lassen Sie an jeder Ihrer Kontaktflächen durchscheinen, wes Geistes Sie sind. Nur so können Sie die PS den Inhaber-Bonus auch auf die Straße bringen.