von Axel Gloger
Selten trat der Unterschied so stark zutage: Viele Unternehmer brennen für Ihre Idee. Sie überzeugen. Sie binden sich an ein Geschäft mit ihrer ganzen Energie. In Familienunternehmen wird langfristig gedacht.
Wir stellen fest: Sogar bescheiden auftretende, zurückhaltende Unternehmer, die sich lieber im Hintergrund halten, sind eine starke Energiequelle für die gesamte Organisation, sie laden Mitarbeiter, Kunden und Partner auf. Es muss nicht jeder wie Wolfgang Grupp auftreten, der eine starke Präsenz in der Öffentlichkeit hat. Auch die Bescheidenen lassen diese Energie immer spüren. Hier wirkt der Inhaber-Bonus.
Ein Kontrast dagegen, wie er nicht größer sein könnte: Großkonzerne. Diese werden offenbar von einer neuen Klasse von Führungskräften geleitet, den Management-Söldnern. Sie haben keine Bindung, mäßige Überzeugungskraft und lassen nicht den unbedingten Willen spüren, dieses Geschäft auch noch in 10 oder 15 Jahren zur Blüte zu führen.
Konzernmanager sind eher Söldnertypen, die heute hier und morgen dort wirken, mit allen Konsequenzen für Identitätsbildung, strategische Erfolgskraft und Führungskultur.
Sie leben total im Hier und Jetzt – bis vielleicht schon morgen der nächste Headhunter anruft und sie in ihren nächsten Job lenkt, den sie dann auch wieder für drei, vier Jahre machen. Booz hat das in seiner CEO-Succession-Studie, die jährlich aktualisiert wird, hinreichend dokumentiert: Die Amtsdauer von Vorständen in Großkonzernen beläuft sich im Durchschnitt auf weniger als fünf Jahre.
Ein eindrucksvolles Beispiel für die Haltung, die dieser Typ Führungsverständnis produziert, liefert ein Vorstandsmitglied eines Dax-Konzerns, das ich dieser Tage zu einem Vortrag im kleinen Kreis traf:
Der Telekom-Mann lieferte die Antithese zum Familienunternehmer:
- wenig überzeugendes Auftreten,
- kein wirkliches Interesse für das, was sein Unternehmen bewegt,
- keine Antworten, die über jene Allgemeinplätze hinaus gehen, die in jeder Wirtschaftszeitung vor einem halben Jahr zu lesen waren –
- und weder eine profunde Kenntnis der Begebenheiten der digitalen Ökonomie, die ja das Kerngeschäft seines Unternehmens sind
- noch den spürbaren Willen, seine Zuhörer von irgendetwas zu überzeugen.
Dieses Beispiel steht pars pro toto. Schlussfolgerung aus Unternehmersicht: Ihr Führungsmodell, Ihr Auftreten am Markt, Ihre Art der persönlichen Kommunikation, Ihre Art der Erzeugung von emotionaler Bindung kann die offensichtlichen Schwächen der managementgeführten Unternehmen ausnutzen. Setzen Sie hier an, bauen Sie den Inhaber-Bonus zu einem Wettbewerbsvorteil aus!
Es wird sich abermals zeigen: Die Familienunternehmen sind keineswegs eine archaische, vom Aussterben bedrohte Spezies – im Gegenteil. Die Dinosaurier sind quicklebendig! Der Unternehmenstypus wird sich gerade in turbulenten Zeiten als besonders überlebens- und erfolgsstark erweisen.

