von Axel Gloger
Offene Seminare sind solche, die öffentlich angekündigt werden. Jeder kann sich gegen Zahlung der Teilnehmergebühr anmelden, sofern er zur Zielgruppe gehört. Als Instrument der betrieblichen Weiterbildung werden diese Seminare an Gewicht verlieren.
Das ist schon seit einiger Zeit erkennbar, wie mir Prof. Karlheinz Schwuchow, Marktexperte und Hochschulehrer an der FH Bremen, erklärt: „Das Geschäft mit den offenen Seminaren ist ein schrumpfender Markt.“
Während vor zwei Jahrzehnten 70 Prozent des Bedarfs über offene Seminare abgedeckt wurde und nur 30 Prozent über firmenspezifische Programme, sei es inzwischen umgekehrt, sagt Schwuchow.
Eine andere Markt-Insiderin bestätigt mir diese Entwicklung. „Die Open-Enrollment-Programme haben ihren Zenit überschritten, viele Anbieter stehen unter Druck“, so Dr. Annette Gebauer, Inhaberin der Beratung für Corporate Learning.
Den Grund ortet Gebauer in den veränderten Erwartungen. „Die Unternehmen nehmen Abschied von der incentive-orientierten Personalentwicklung.“ Führungskräfte werden nicht mehr auf Seminare entsandt, um ihnen ein paar Tage komfortable Auszeit mit intellektuellen Anregungen zu verschaffen.
„Die Ergebnisse dieses Typs von Weiterbildung sind zu dürftig“, vermerkt Gebauer. Unternehmen würden heute Formate bevorzugen, die auf die Bedürfnisse ihrer Organisation zugeschnitten sind.
Konkret heißt das: Erst wenn mehrere Mitarbeiter gleichzeitig auf ein Lernziel hinarbeiten und die Organisation entsprechend angepasst wird, kann sich die gewünschte Veränderung auch durchsetzen. „Lernen von Individuen ist dann erfolgreich, wenn es in eine Architektur eingebettet ist.“ Diese solle individuelles Lernen und Organisationsentwicklung intelligent miteinander verzahnen.
Trendletter-Votum: Lernen braucht kritische Masse, die offene Seminare nur schwer oder gar nicht erreichen. Eine einzelne Führungskraft, die ein Seminar absolviert hat, kann nichts bewegen. Verändert nur einer sein Verhalten, während die Spielregeln in der Organisation die alten bleiben, ist der Effekt praltisch null. Die Motivation nach einem Seminar kann sich sogar ins Gegenteil verkehren.
„Wenn der Teilnehmer erfährt, dass das Gelernte gar nicht anwendbar ist, weil es dafür andere kulturelle Umgangsformen oder andere Führungspraktiken im Unternehmen bräuchte, kann das zu Frust führen“, beschreibt Corporate-Learning-Expertin Annette Gebauer eine entscheidende Hürde zur Umsetzung des Gelernten.
Alternativen deshalb: interne Firmen-Seminare. Tele-Lernen mehrerer Mitarbeiter gleichzeitig zum selben Thema. Lern-Coachings. Hier bekommen Unternehmer die Wirkung, die sie brauchen.

