von Axel Gloger
Ein anspruchsvolles Credo liest sich so: “Was wir tun, ist spektakulärer als alles, was andere unternehmen”. Damit wirbt ein mittelständisches Familienunternehmen, XXXLutz. Zweite Generation, Inhaber Richard Seifert, 1,2 Mrd. Euro Umsatz, also kein ganz Kleiner im Möbelhandel in Deutschland.
Seifert fährt sein Unternehmen mit breitem Reifen. Wachstum ist das allgemeine Credo, Seifert übernimmt andere Familienunternehmer, die wegen der massiven Konkurrenz am Markt (Preissenkungen von 70 bis 90 Prozent gehören zum Standard-Repertoire) oder mangels Nachfolger aufgeben.
Seifert hat Erfolg, aber bezahlen müssen offenbar Mitarbeiter. Sie werden offenbar gnadenlos in eine Umsatzvermehrungsmaschine eingespannt, koste es, was es wolle. Für scheinbare Minderleister, erfahrene, ältere Kräfte ist in diesem Unternehmen offenbar kein Platz mehr. Gewerkschaften berichten davon, dass sich die Klagen von Mitarbeitern häufen, sobald XXXLutz ein Unternehmen übernimmt. Die Süddeutsche Zeitung berichtet hier (Klick!) über dieses Thema im Detail.
Aus Unternehmer-Sicht wäre zu diesem Thema anzumerken:
Wachstum hin oder her, aber wie lange hält Lutz das so durch? Nach außen glänzen, nach innen extremer emotionaler Verschleiß, das kann nicht lange gut gehen. Denn wie soll die Produktmarke aufrecht erhalten und positiv positioniert werden, wenn sie nach innen hin nicht eingelöst wird? Glückliche Kunden, glücklicher Inhaber, unglückliche Mitarbeiter – kann das auf Dauer funktionieren?
Selbst wenn die über die Arbeitskultur von Lutz geschilderten Fälle nur Einzelfälle sind – der Arbeitgeber-/Leadershipmarke fügen sie allemal Schaden zu. Denn Mundpropaganda über Arbeitgeber funktioniert in beide Richungen, guter Job, schlechter Job, all das spricht sich herum. Letzteres wahrscheinlich im pessimismusverliebten Deutschland sogar noch mehr.
Genau hier sehe ich den Handlungsbedarf. Auf Dauer muss die Produktmarke mit der Leadership-Marke übereinstimmen. Alles andere ist desaströs, zehrt an der Marktenergie des Unternehmens und hat langfristige Negativ-Nebenwirkungen.
Warum sollten Sie sich für Ihre Leadership-Marke interessieren? Diese Gründe zeigen aus TRENDLETTER-Sicht den Handlungsbedarf:
- Die Demografie nagt am Rekrutierungspotenzial jedes Unternehmens. Je dünner die Nachwuchsjahrgänge bis 2020 werden, desto schwerer wird es, überhaupt geeignete Nachwuchsler zu finden, besonders in Mangelberufen. Deshalb darf sich das Unternehmen von morgen keine arbeitsmarktwirksamen Image-Kratzer leisten.
- Nicht-Übereinstimmung von Produkt- und Leadership-Marke schaffen nur kurzfristig Erfolg. Der Steuermann kann die Galeerensklaven kurzfristig zu Höchstleistungen antreiben. Die Peitsche funktioniert immer, wenn es darum geht, außerordentliche Energien zu mobilisieren. Aber wenn wir uns an das Bild bei Asterix und Kleopatra erinnern, sehen wir: Diese Energie ist schnell ausgepowert. Dann ist es aus mit dem Einholen, Gewinnen, Erobern.
- Produkt hui, Leadership Pfui erzeugt kulturelle Spannungen intern, die sehr viel Energie verbrauchen und langfristig nicht durchhaltbar sind. Diese Energie sollte der Unternehmer lieber für die Marktbearbeitung einsetzen. Der Unternehmer muss sich ständig darum bemühen, eine Fassade des positiv geladenen Dienstleisters nach außen hin aufrecht zu erhalten. Wenn es aber hinter dieser Fassade keine positve Aufladung gibt, ist das ein sehr kräftezehrender Vorgang, der nicht nur den Unternehmer in die Gefahr des emotionalen Ausbrennens bringt.
- Investitionen in die Leadership-Marke haben einen hohen Chancen-Faktor, auf kaum einem anderen Gebiet im HR-Bereich haben Sie einen so einträglichen ROI. Denn: Wenn Sie systematisches Leadership-Branding angehen, schaffen Sie gleichgerichtete Gedanken, ein kollektives Interesse am Gelingen, eine Führungskultur, die den Erfolg des Produktes befördert und nicht behindert, kurzum: die Grundlage dafür, dass Sie Ihren Wettbewerbsvorsprung sichern können – um in der Denkweise von Asterix zu bleiben: Die Leadership-Brand ist der Zaubertrank, der Sie an den Produkt- und Arbeitsmärkten ein Stück unbesiegbar macht.
TRENDLETTER-Prognose: Weil Leadership-Branding noch im Pionierstadium steckt, wird sich ein Einsatz besonders lohnen, denn noch nutzen nur wenige Unternehmen diese Vorgehensweise. Sie setzen damit auf ein wirksames, weil noch nicht abgestumpftes Differenzierungsmerkmal.
Hinweis in eigener Sache: Der TRENDLETTER wirkt bei der Konferenz Brand Inside mit. Hier können Sie als Unternehmer aus erster Hand von Unternehmensvertretern und Markenexperten erfahren, wie der Schlüssel zu erfolgreichem Leadership-Branding in der Praxis funktioniert. Information und Anmeldung zu dieser Konferenz (Berlin, 25./26. Mai) hier (Klick!).
Den Beitrag des Trendletter sehen Sie hier (Klick!).

