von Axel Gloger
Angesichts der Nachwirkungen der Krise könnte es ein neues Wachstumsgeschäft geben: Werte-Schulungen für Mitarbeiter und Führungskräfte.
Aber Pustekuchen. Diesen Markt gibt es bis heute nach meiner Einschätzung nicht. Sogar jene Spieler, die auf Moral, Ethik und Werte als Kernkompetenz rekurrieren, nutzen keineswegs den Rückenwind des Moral-Trends für ihr Angebot.
Sie treten den an Werten interessierten Managern der Post-Krisen-Ökonomie mit fast leeren Händen gegenüber – eigentlich ein Armutszeugnis: Per Ende Oktober 2009 meldet das Deutsche Netzwerk Wirtschaftsethik (DNWE) überhaupt keine Veranstaltungen für die Zukunft.
Bei der Konkurrenzorganisation Ethikverband e.V. sieht das Angebot ähnlich mau aus. Eine einzige Veranstaltung gab es Anfang November, das Symposium „Die Welt des Vermögens“, danach nichts mehr, keine Vorträge, keine Seminare.
Damit haben die beiden Verbände eine große Chance verpasst – im Getümmel der Krise hätten sie sich als Hilfsposten für all jene aufstellen können, die im Management mehr wollen als noch höhere Renditezahlen zu produzieren.
Aber die Praxis in den Unternehmen lässt dieses Verhalten offenbar nicht zu. Moral ist zwar wieder ein Thema – für Fachartikel des Personalleiters und Sonntagsreden des Vorstandes, so scheint es zumindest.
Denn im Alltag regieren immer noch die alten Vorgaben, Gewinn und Marktanteil sind alles. „Es gibt eine Diskrepanz zwischen dem Geforderten und dem, was gelebt wird“, sagt Integritätscoach Johannes Grassl. Zwar hätten die meisten Unternehmen tolle Wertekataloge. „Aber sie werden nicht umgesetzt“, kritisiert der Berater aus Blaibach.
Dieselbe Erfahrung hat auch HHL-Studentin Sabrina Noack in ihren Praxisphasen gemacht. „Die Standards stehen auf dem Papier, aber keiner setzt sie um.“ In den Unternehmen gehe es sehr oft nur um Performance, für kurzfristige operative Erfolge werde alles getan, die Moral freilich bleibe dabei meist auf der Strecke.

