von Axel Gloger
Männer und Frauen, die heute mit dem Bachelor-Zeugnis die Hochschulen verlassen, sind vor allem eines: jung.
Damit erfüllt sich der Traum manches HR-Managers – wir müssen längst nicht mehr neidisch in die USA oder nach Großbritannien blicken, wo schon immer die Gerade-erst-Twens massenhaft ins Arbeitsleben strömen.
Das zeigt der Blick auf das Lebensjahre-Konto: „Ein Jahr weniger durch G8, die mittels Turbo-Abitur verkürzte Gymnasialzeit. Ein weiteres Jahr weniger bei Männern durch die faktische Abschaffung der Wehrpflicht. Zwei Jahre weniger durch die Express-Studiengänge nach der Bologna-Methode“, rechet Stephan Penning, Geschäftsführer von Penning Consulting, vor.
Im Schnitt kommen in den Unternehmen also um die drei Jahre jüngere Absolventen an als bislang. Das ist für Anfangszwanziger eine lange Zeitspanne. „Drei Jahre Lebenserfahrung weniger“, taxiert Penning die veränderten Ausstattungsmerkmale des Nachwuchses.
Dieses zeitliche Sparmodell weist einige Pluspunkte auf. Die Bachelor-Absolventen hätten es gelernt, schnell Wissen aufzunehmen, sagt der Düsseldorfer Personalberater. „Sie wurden im Ruck-Zuck-Verfahren praxisnah ausgebildet.“ Die Absolventen haben ein umfangreiches, teilweise etwas oberflächliches Orientierungswissen. Sie kennen sich auf der methodischen Ebene aus.
Das Express-Studium wird aber auch mit einigen Nachteilen erkauft, die im System liegen: Wer schnell lernt, kann es nicht gründlich tun. Zudem fehlt dem Bachelor-Studium der Geschmack von Freiheit und Abenteuer.
Das klingt zwar nach Folklore, hat aber für Folgen für das, was die Personalentwicklung in den Firmen zusätzlich leisten sollte. Denn wer heute einen Bachelor hat, musste sich nicht durch den Dschungel eines Studiums kämpfen, in dem nur wenig geregelt ist. Spielte es früher keine Rolle, ob das Studuim in acht oder zwölf Semestern durchmessen wurde, ist heute alles stundengenau vorbestimmt – die Organisation ähnelt dem Klassensystem in der Schule. Zeitliche und inhaltliche Sonderwege lässt das strenge Bachelor-Regime kaum noch zu.
Folge aus der Sicht der Personalentwicklung:
Sie bekommt Nachwuchskräfte, die auf den Konten selbstständiges Denken, entscheiden außerhalb vorgegebener Strukturen und interdisziplinärer Sichtweisen kaum Einzahlungen vorweisen können. „Dafür ist in einem dreijährigen Studium keine Zeit. Der akademische Weg wird zu einer primär fachgetriebenen Wissensvermittlung“, sagt Personalberater Penning.

