von Axel Gloger
Dieser Tage sprach ich mit Prof. Knoblauch. Er hat das bemerkenswerte und höchst nützliche Buch “Die Personalfalle” geschrieben. Der Autor gibt den Unternehmen folgenden dringenden Rat: “Setzen Sie auf jeden Job einen A-Mitarbeiter. ”
Im Folgenden darf ich Ihnen ein Konzentrat der wichtigsten Gedanken aus dem Gespräch Prof. Knoblauch/Gloger liefern:
Frage: Die gängige Unternehmer-Meinung lautet doch: „In meinem Geschäft brauche ich nicht nur Häuptlinge, sondern vor allem Indianer.“
Professor Knoblauch sagt mir darauf:
Genau das ist falsch. Mit dieser Einstellung gewinnt in Zukunft keiner mehr. Das Besondere, das Vorsprung im Wettbewerb schafft, gelingt nur noch, wenn alle Aufgaben von A-Mitarbeitern erledigt werden.
Wir wollen doch keinen Pförtner mehr, der nur seine acht Stunden anwesend ist. Auch Pförtner, Lagerarbeiter oder Auslieferungsfahrer sind heute Wissensarbeiter. Von ihnen wird zu recht erwartet, dass jeder in seiner Rolle die Extrameile geht.
Flexibel sein, sich an den Wünschen der Kunden ausrichten, seinen Arbeitsbereich selbst weiterentwickeln, neue Beiträge zum Gelingen des Ganzen leisten, all das gehört nicht nur in die Stellenbeschreibung von Geschäftsführern und Abteilungsleitern.
So etwas muss heute auf jedem Arbeitsplatz geleistet werden. Dafür brauchen wir A-Kandidaten – auch für den Job einer Putzfrau!
Meine Entgegnung darauf lautete: Klar träumt jeder Unternehmer von einer Belegschaft dieses Typs. Aber am Ende entscheidet doch der graue Alltag – es gibt doch gar nicht genug von diesen A-Typen.
Aber Knoblauch lässt sich nicht beirren. Er sagt:
Doch, es gibt sie, und zwar für jeden Job. Man muss nur intensiv genug danach suchen.
Das müssen Sie erklären!
Jörg Knoblauch darauf:
Die meisten Rekrutierungsverfahren taugen nichts.
Eine Stellenanzeige, Lebensläufe sortieren, ein paar Gespräche führen, Arbeitsvertrag unterschreiben – das war‘s. Mit dieser geringen Sorgfalt gelangt man nur an B- und C-Kandidaten. A-Leute sind mit dieser Vorgehensweise allenfalls Zufallstreffer.
Was schlagen Sie vor, damit es besser wird, also mehr A-Leute im Netz des Rekrutierers hängen bleiben?
Seine Antwort:
Bei der Auswahl von Mitarbeitern sollte dieselbe Sorgfalt angewendet werden wie beim Kauf einer Maschine. Hier werden doch auch endlos Angebote geprüft, Spezifikationen untersucht und immer neue Tests durchgeführt.
Übertragen auf die Rekrutierung heißt das: Bewerber sollten in einem mehrstufigen Auswahlprozess auf ihre Eignung geprüft werden. Ob ein Mitarbeiter Können, menschliche Bildung, Charakter, Leistungsfreude, nachgewiesene Erfolge, Potenzial und Urteilsvermögen mitbringt, findet niemand in einem 40-minütigen Gespräch heraus. Die begehrten A-Mitarbeiter findet ein Unternehmen nur, wenn es richtig in seinen Such- und Auswahlprozess investiert.
TRENDLETTER-Einschätzung: Diese Sichtweise ist nicht neu. Aber warum wird sie dann von so wenigen Unternehmen umgesetzt?
Buchhinweis: Jörg Knoblauch, “Die Personalfalle. Schwaches Personalmanagement ruiniert Unternehmen” (230 Seiten, Campus Verlag, 29.90 Euro).
Sie als Praktiker mag überdies interessieren: Knoblauch gibt sein Herrschaftswissen zum Thema auch in Seminarform preis. Mehr Information dazu auf der Homepage des Buches “Die Personalfalle”. (Klick)

