von Axel Gloger
Der Wirtschaftsprüfer greift nach mehr: Deloitte hat es mit Roland Berger versucht. Aber am Ende ließen die Berger-Partner den Übernehmer abblitzen. Aber die nächste Fusion kommt gewiss. PWC will in die hochwertige Strategieberatung vordringen – und ist bereit für eine Übernahme einer Beratungsgesellschaft.
Zwar ist der Plan noch nicht umgesetzt, eine Übernahme noch Zukunftsmusik – aber der Markt ist in Bewegung. Ein Organismus wie PWC ist um ein Vielfaches größer als selbst die größten Strategieberater. Zudem besteht Wachstums-Hunger. Die Prüfer wollen ambitioniert weiter expandieren, auch in Felder, die zu ihrem Geschäft passen.
Deshalb werden sie früher oder später den Arm nach einem Strategieberater ausstrecken. Die Absicht ist bereits öffentlich, wie PWC-Chef Dennis Nally und Norbert Winkeljohann in einem letzte Woche veröffentlichten Zeitungsinterview hören ließen.
Das Thema Übernahmen in der Beratungswirtschaft köchelt schon länger. Wie zu hören ist, gehören Fusions- und Übernahmegespräche in einigen Beratungsgesellschaften zur täglichen Agenda der Chefs der Beratungshäuser.
Beispiel: In diesem Sommer sorgte eine Nachricht für Aufregung in der Branche: Zwei Großberater gehen zusammen, Booz & Co. und AT Kearney wollten gemeinsam das drittgrößte Beratungsunternehmen der Welt bilden.
Damit hätte die Consulting-Industrie das gehabt, was in anderen Branchen längst Alltag ist – eine Megafusion.
Zwar wurde die Firmenhochzeit wegen nicht zusammen passender Konzepte für die gemeinsame Zukunft abgesagt. Doch die Strategie „A schluckt B“ steht in den Chefetagen der Beratungshäuser derzeit ganz oben auf der Agenda. Einen der Gründe nennt Thomas Lünendonk, Analyst der Branche: „Consulting ist eine reife Industrie, die jetzt das nachvollzieht, was in anderen Branchen schon Alltag ist.“
Die Realtitäten liegen auf der Hand: Die Branche wächst weltweit nur noch moderat. Das schafft Konsolidierungsdruck. Seit das zweistellige Umsatzplus für die Beratungsunternehmen nicht mehr zur Routine gehört, müssen sie sich mit Themen befassen, die sie bislang nur aus dem Alltag ihrer Kunden kennen: Marktanteilskämpfe, heftige Konkurrenz um jeden Kunden, Preisverfall.
Dass das Thema Beraterfusionen heiß ist, zeigen die vielen Gerüchte, die heute weitergereicht und morgen dementiert werden. „Kein Kenner des Marktes wird überrascht sein, wenn die nächste Hochzeit gemeldet wird“, formuliert Analyst Lünendonk seine Erwartung.
Mittels einer Großfusion können die beteiligten Unternehmen etliche Synergien heben – teure Filialnetze ließen sich zusammen legen, Fixkosten von Research und Dokumentation mit einem größeren Umsatz amortisieren. Auch auf der Marktseite brächte eine Fusion Vorteile. „Neue Themen erschließen, neue Kunden gewinnen, neue Werkzeuge verfügbar machen“, erklärt Lünendonk die treibenden Kräfte.

