Mit ‘Wertemanagement’ getaggte Artikel

Buchhinweise zum Wertemanagement

Montag, 22. Februar 2010

von Axel Gloger

Einige Leser fragten: Welche Bücher sind zum Thema Wertemanagement sinnvoll?

Ich darf hier einige Hinweise geben:

Norbert Walter, Marktwirtschaft, Ethik und Moral. Wie Werte das Vertrauen in die Ökonomie stärken (89 Seiten, Berlin University Press, 19,90 Euro)

Der Chef-Volkswirt der Deutschen Bank liefert mit seinem Buch ein Pladoyer für Freiheit, die mit Verantwortung verknüpft ist. Gesellschaft und Unternehmen können nur überleben, wenn sie die Freiheit achten, aber auch die Prinzipien Familie, privates Eigentum und Aufrichtigkeit ernst nehmen. Überdies zeigt er auf, dass Eigenliebe ein starker Antrieb zur Leistung ist - Eigenliebe aber auch zu Egozentrismus und Rücksichtslosigkeit entarten kann.

Katharina Weinbeger, Kopfzahl-Paranoia. Von der Selbstzerstörung der Konzerne (220 Seiten, Deutscher Taschenbuch Verlag, 14,90 Euro)

Für Werte-Pessimisten ist das Buch ein Fest. Die Autorin beschreibt aus eigener Erfahrung haarklein, wie die Gier-Systeme in den Konzernen funktionieren, warum immer nur Rendite belohnt wird, wie die Sucht der CEOs nach permanentem Wandel jedes berufliche Heimatgefühl zerstört und dass es am Ende nur auf die Abrechnung ankommt: Genug Gewinn gemacht - oder nicht? Nach der Lektüre bleiben Zweifel, ob sich das System jemals für eine Wertorientierung öffnen kann.

Klemens Kalverkamp, Miteinander ernten. Das Erfolgsgeheimnis des German Management (202 Seiten, Wiley-Verlag, 24,90 Euro)

Es gibt sie noch, die bodenständigen, rechtschaffenden Manager, die gute Arbeit abliefern und mit Leadership noch ihre Mitarbeiter hinter sich bringen wollen. Klemens Kalverkamp ist Geschäftsführer eines Hidden Champion - er zeigt, wie man mit Kenntnis der Sache, Vertrauen zu den Menschen und Verständnis für die Belange der Mitarbeiter einen Weltmarktführer erfolgreich führen kann.

Wer schult denn nun die Mitarbeiter von morgen zu Werte- und Moralthemen?

Mittwoch, 10. Februar 2010

von Axel Gloger

Angesichts der Nachwirkungen der Krise könnte es ein neues Wachstumsgeschäft geben: Werte-Schulungen für Mitarbeiter und Führungskräfte.

Aber Pustekuchen. Diesen Markt gibt es bis heute nach meiner Einschätzung nicht. Sogar jene Spieler, die auf Moral, Ethik und Werte als Kernkompetenz rekurrieren, nutzen keineswegs den Rückenwind des Moral-Trends für ihr Angebot.

Sie treten den an Werten interessierten Managern der Post-Krisen-Ökonomie mit fast leeren Händen gegenüber - eigentlich ein Armutszeugnis: Per Ende Oktober 2009 meldet das Deutsche Netzwerk Wirtschaftsethik (DNWE) überhaupt keine Veranstaltungen für die Zukunft.

Bei der Konkurrenzorganisation Ethikverband e.V. sieht das Angebot ähnlich mau aus. Eine einzige Veranstaltung gab es Anfang November, das Symposium „Die Welt des Vermögens“, danach nichts mehr, keine Vorträge, keine Seminare.

Damit haben die beiden Verbände eine große Chance verpasst – im Getümmel der Krise hätten sie sich als Hilfsposten für all jene aufstellen können, die im Management mehr wollen als noch höhere Renditezahlen zu produzieren.

Aber die Praxis in den Unternehmen lässt dieses Verhalten offenbar nicht zu. Moral ist zwar wieder ein Thema – für Fachartikel des Personalleiters und Sonntagsreden des Vorstandes, so scheint es zumindest.

Denn im Alltag regieren immer noch die alten Vorgaben, Gewinn und Marktanteil sind alles. „Es gibt eine Diskrepanz zwischen dem Geforderten und dem, was gelebt wird“, sagt Integritätscoach Johannes Grassl. Zwar hätten die meisten Unternehmen tolle Wertekataloge. „Aber sie werden nicht umgesetzt“, kritisiert der Berater aus Blaibach.

Dieselbe Erfahrung hat auch HHL-Studentin Sabrina Noack in ihren Praxisphasen gemacht. „Die Standards stehen auf dem Papier, aber keiner setzt sie um.“ In den Unternehmen gehe es sehr oft nur um Performance, für kurzfristige operative Erfolge werde alles getan, die Moral freilich bleibe dabei meist auf der Strecke.