Mit ‘Wikinomics’ getaggte Artikel

Das neue Paradigma: So verändert das Internet das Konzept der Firma

Donnerstag, 04. März 2010

von Axel Gloger

Ein wenig Theorie darf ich Ihnen zumuten. Organisatorisch leben wir noch immer in den 1930er Jahren.

Seinerzeit lieferte uns der Wissenschaftler Ronald Coase die ökonomische Begründung dafür, warum es Firmen gibt (auch Ihre). Die Annahme damals:

Beziehungen über den Markt sind mühsam, umständlich und langwierig – wegen der Transaktionskosten. Deshalb war es sinnvoll, einen Zweck unter dem Dach einer Firma zu realisieren. Die Unternehmer-Aufgabe lautete: Führe alle Quellen der Wertschöpfung in einer Institution zusammen. Koordiniere sie über Hierarchie. Schalte den Markt aus, ersetze ihn durch das effizientere Modell von Kommando und Kontrolle.

Aber das war einmal.

Heute leben wir in einem anderen Zeitalter. Die Transaktionskosten über den Markt werden immer geringer. Das ist ein Megatrend, der schon länger andauert. Warum ist das so? Schauen Sie sich um:

  • Es gibt das Internet, das es Ihnen erlaubt, weltweit jeden Experten als Nicht-Angestellten für Ihre Zwecke zu begeistern. Das Prinzip EBay ist längst eine Standard-Applikation in vielen Branchen. Wikipedia ist überall - wir leben und produzieren in der Wikinomics-Ökonomie.
  • Es gibt die Logsitiker, die Ihnen jede beliebige Ware zuverlässig und kontrolliert von jedem Ort der Welt bringen und an jeden Ort der Welt schaffen. Die Welt ist flach - the world is flat, wie Thomas Friedman in seinem gleichnamigen Buch zutreffend feststellt.
  • Es gibt Outsourcing für alles und jedes.

Das wird die Bedingungen für Unternehmen dramatisch verändern. Wer heute Autozulieferer werden will, muss keine Fabrik mehr errichten. Der Garagenbetrieb reicht, um Zulieferer von General Motors oder VW zu werden. Den Kleinstunternehmen gehört der Weltmarkt.

Ich will mit dem Thema noch in die Tiefe gehen. Vor allem will ich anhand von Beispielen und Praxis-Regeln zeigen, was das für Unternehmer bedeutet und wie Sie die Chancen dieser neuen Entwicklung nutzen können.

Mehr dazu lesen Sie in der April-Ausgabe des Trendletter (Print-Ausgabe), die am 29. März 2010 auf den Markt kommt. Wenn Sie an dieser ausführlichen Analyse interessiert sind, lassen Sie es uns das bitte durch Ihre Bestellung wissen. Klick: hier.

Fallstudie: Wie sich ein Unternehmen mittels externer Intelligenz aus der Krise befreit

Samstag, 13. Februar 2010

von Axel Gloger

Manager gehen mit hängenden Köpfen in das Meeting, ihre Mundwinkel verraten: der Frust nagt.

Der Haussegen hängt schief, weil die Geschäfte schlecht laufen. Der Betrieb der Red Lake Goldmine kostet mehr, als er einbringt. Das Geschäft macht keine Freude mehr - und keine der hochbezahlten Führungskräfte weiß so recht, wie es weitergehen soll.

Das hätte eigentlich das Ende des einst so erfolgreichen kanadischen Betriebes zur Folge gehabt, aber Rob McEwen, der CEO, gibt nicht auf.

Er probiert etwas, was noch nie jemand in seiner Branche getan hat: Er öffnet das Unternehmen, gibt ehedem geheimes Firmenwissen preis, macht bekannt, welche Art von Hilfe er braucht. Er bittet fremde Externe um Mitarbeit ein, lobt 575.000 Dollar für jene aus, die Ideen liefern, was man anders und besser machen kann, um das Geschäft zu retten1

Erst lanciert er seinen Hilferuf auf einer Konferenz der Goldminenbranche, anschließend stellt er ihn ins Netz - und lädt jeden, der sich berufen fühlt, zur Mitarbeit ein.

In kurzer Zeit erreichen den CEO des Minenbetriebes zahlreiche Vorschläge. Tüftler, Wissenschaftler, Hobby-Geologen, Studenten und sogar Militärs liefern Ideen ab, was man besser machen kann.

Die Beiträge kommen über das Netz, ihre Absender aus aller Welt. Sie liefern den geistigen Rohstoff für den Turnaround. McEwen setzt die Ideen, die ihm und seinen Mitarbeitern nie gekommen wären, um - und saniert das Geschäft. Heute ist Red Lake eine der profitabelsten Minen der Welt.

Der Management-Denker Don Tapscott erklärt das Vorgehen der Kanadier zur Vorlage für ein neues Grundprinzip im Management: „Da draußen, außerhalb des eigenen Unternehmens, gibt es jede Menge Intelligenz, die als Ressource genutzt werden muss“, so lautet sein neues Mantra2 . Jedes Unternehmen, sagt der Wissenschaftler von der Universität Toronto, werde deshalb in Zukunft ein wenig so sein wie Wikipedia, das Internet-Lexikon:

Wichtige Teile der Wertschöpfungskette liegen außerhalb der Organisation. Die Arbeit machen nicht mehr eigene Mitarbeiter, sondern Experten, die auf Zeit per Internet angedockt werden. Koordiniert wird die Arbeit über das Netz, nicht mehr per Hierarchie.

MEINE EINSCHÄTZUNG aus TRENDLETTER-Sicht:

Dieses Beispiel ist ein Symbol für die Zeitenwende, der sich die Unternehmensführung zu stellen hat. Wir leben im Zeitalter der Partizipation, Führungsinformation und Führungsentscheidungen werden in ein vollkommen neues Rahmenwerk gestellt.

Unter den Bedingungen der globalisierten Wirtschaft, die unter Voraussetzungen arbeitet, die vor drei Jahrzehnten so noch nicht denkbar erschienen, müssen althergebrachte Begriffe wie „Vorsprung“, „Wettbewerbsvorteil“, „Strategie“ und „Informationsmanagement“ vor einem vollkommen neuen Hintergrund gesehen werden.

Denn die Technologie hat die Tätigkeit des Managements vollkommen verändert, mit einer klar vorgegebenen Richtung:

Bei Entscheidungen werden heute mehr Variablen einbezogen, das Einzugsgebiet der informationellen Vorleistung ist, bedingt durch das Internet, größer, der Konkurrenzdruck ist höher und die Halbwertszeit er Gültigkeit einer einmal getroffenen Entscheidung kann deutlich kürzer sein als im vordigitalen Zeitalter.

Unter diesen neuen Rahmenbedingungen erhält die Führung Zugriff auf eine neue Ressource. Die Fallstudie der Red Lake Goldmine liefert ein Beispiel dafür, dass uns das dialogfähige Internet ziegt, wie Führung im digitalen Zeitalter funktioniert.

Die Führungskraft hat in Zukunft die Aufgabe, die Intelligenz der Massen mit einzubeziehen.

Tapscott macht deutlich, dass es sich hierbei nicht nur um die eigenen Mitarbeiter handelt, deren Zahl notwendigerweise immer begrenzt ist, sondern auch um jene Intelligenz, die sich außerhalb des Unternehmens befindet.

Für ein typisches Unternehmen bedeutet das:

Bei 100, 5.000, 10.000 oder auch 25.000 Mitarbeitern gibt es Grund für die Annahme, dass sich außerhalb der Grenzen der eigenen Belegschaft immer noch geistige Ressourcen befinden, die es sich zu erschließen lohnt.

So nutzen Sie die Weisheit der Vielen in Ihrer Unternehmenspraxis

Donnerstag, 28. Januar 2010

von Axel Gloger

Das Modell des offenen Unternehmens und seine Erfolgsfaktoren:

1. Offenheit. Das neue Modell ist eine Organisation, deren Außenmauern porös sind. Sie lässt externe Ideen und Wissenskapital hinein - und profitiert davon.

2. Wissensteilung. Geheimniskrämerei ist out: Auch Außenstehende werden in den betrieblichen Info-Fluss einbezogen. Es gibt hier kaum noch Unterschiede zwischen angestellten und freien Mitarbeitern, Wissen teilen bringt mehr als Wissen horten.

3. Verlängerte geistige Werkbank. Das Unternehmen steuert Ressourcen, die ihm nicht gehören. Arbeiten werden außerhalb der eigenen Organisation erledigt – nicht, weil es billiger ist, sondern weil draußen das Reservoir an geeigneten Partnern für eine Aufgabe viel größer ist als intern.

4. Peering statt Hierarchie. Die neue Verhaltensweise lautet: Schaffe Werte mit den Leuten, die du gerade erreichen kannst. Dafür braucht man nur den Arm auszustrecken oder ein paar Mails an die richtigen Experten zu versenden – und schon steht die horizontale Zusammenarbeit ohne Chef. Sie ist deshalb erfolgreich, weil sie die Kräfte der Selbstorganisation nutzt.

5. Der Kunde produziert mit. Die Grenzen zwischen Hersteller auf der einen und Konsumenten auf der anderen Seite verwischen zusehens. Bei Wikipedia sind die Nutzer auch Autoren der Texte, bei E-Bay sind viele Teilnehmer gleichzeitig Anbieter und Nachfrager, bei Amazon liefern Kunden durch Rezensionen und Tipps jene Informationen über Bücher, die im stationären Buchhandel der Verkäufer beisteuert.