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Weiterbildung von morgen: Die Universität wird ein riesiges Lern-Wiki, überall und jederzeit verfügbar, zu minimalen Kosten nutzbar

Freitag, 27. November 2009

von Axel Gloger

Welche neuen Formate das in der Weiterbildung hervor bringen kann, zeigt eine Gründung aus Israel. Der Unternehmer Shai Reshef ist Gründer und Präsident der University of the People, die er nach dem Vorbild des Online-Netzwerks www.cramster.com gegründet hat. In Deutschland stellte Reshef seine Gründung zum ersten Mal bei der DLD-Konferenz in München vor.

Cramster erfüllt heute für viele Schüler und Studenten in der englischsprachigen Welt eine Funktion, die eine Mischung aus Nachhilfelehrer, Tutor und Hausaufgabenbetreuer ist. Die Anwendung, die im Jahr 2003 online ging, ist ein typisches Beispiel für die Wissensmobilisierung im Internet-Zeitalter. Hier werden Menschen, die Wissen zur Verfügung stellen, und solche, die Wissen zu bestimmten Themen suchen, in einem dezentralen, selbstorganisierten Verfahren zusammen gebracht.

Der Prozess ist vollständig digitalisiert, kommt ohne institutionalisierte Lehrpersonen aus und steht jedermann 24 Stunden am Tag zur Nutzung zur Verfügung. Zentrales Funktionsmerkmal von Cramster sind die Lerngruppen. Was früher, oft mit einigen Mühen, offline organisiert wurde, kann über Cramster online vollzogen werden.

Nach dieser Vorlage hat der Unternehmer die University of the People (UoPeople) im Januar 2009 gegründet, bereits am 10. September 2009 wurde der Lehrbetrieb mit Studenten aus der ganzen Welt begonnen. Der Lernprozess wird vollständig online abgewickelt, der Zugang für die Kurse läuft für Studenten und Instruktoren über den PC, Studiengebühren werden nicht verlangt. Die Studenten zahlen nur eine geringe Gebühr für die Einschreibung sowie eine Gebühr für die Examina, die sie ablegen. Das einzige Offline-Element dieses Bildungsanbieters sind die Prüfungen und Abschlussexamina – diese werden ganz konventionell mit pyhsischer Anwesenheit in der Gegenwart von Instruktoren und Professoren durchgeführt.

Wie funktionieren die Kurse dieser Universität? Die UoPeople hat sich radikal dem Peer-to-Peer-Prinzip verschieben, das heißt, dass die Teilnehmer die Inhalte selbst generieren. Die Hochschule baut damit die Idee der denzentralen Intelligenz als Kernbestandteil ihres Konzepts auf: Jeder weiß zu einem Thema etwas, niemand weiß alles, aber wenn alle ihr Wissen zusammen legen, wissen alle am Ende viel. Damit setzt die UoPeople auch darauf, dass der zu lernende Stoff nicht während des Kurses von einem Trainer auf die Lernenden transferiert wird, sondern dass die Inhalte während des Lernprozesses selbst von den Teilnehmern in laufender Interaktion erzeugt werden.

Weiterlesen: Die Folgen des neuen Modells, am Beispiel erklärt.

Das Modell der UoPeople hebt die Grenze zwischen Lehrenden und Lernenden auf, jeder Weiterbildungsteilnehmer schlüpft gleichzeitig in beide Rollen. Das macht eine Fakultät oder den Trainer als Wissens-Monopolist im klassischen Sinne überflüssig – und hebt damit auch eine wichtige Begrenzung auf: Im Grunde kann die UoPeople zu jedem Thema beliebig viele Kurse anbieten, das Angebot wird nicht durch die Verfügbarkeit von Lehrkräften begrenzt, sondern allein durch die Zahl der eingeschriebenen Studenten gesteuert.

Zusammen mit der weitgehenden Gebührenfreiheit und der globalen Verfügbarkeit des Angebots ist damit eine Demokratisierung des Lernens eingeleitet, die es so zuvor noch nicht gab. Die Zugangshürden zur Weiterbildung dieses Typs sind sehr niedrig, Internet-Anschluss und PC reichen aus, um Student zu werden. Der Wohnort spielt keine Rolle mehr.

Was bedeutet das Angebot der UoPeople für die Weiterbildungswirtschaft? Das Vorgehen des Gründers zeigt, dass es im Prinzip möglich ist, Weiterbildung zu fast 100 Prozent Peer-to-Peer-basiert durchzuführen. Zudem lässt sich das Internet dafür nutzen, Inhalte in Echtzeit zu übertragen, Teilnehmer in Echtzeit in einem virtuellen Klassenraum zusammen zu bringen und damit die Begrenzungen von Raum und Zeit beim Lernen von Gruppen aufzuheben.